Julia Blesken: Mission Kolomoro oder: Opa in der Plastiktüte

Oetinger 2021, 287 S., € 15,-, ab 10

(Stand Januar 2022)

Ein Opa in der Plastiktüte? Tatsächlich ist es die Asche des Großvaters, welche hier quer durch die Stadt getragen wird. Dahinter steckt nicht weniger als große Liebe – aber erst einmal von vorn. Katja, Zeck, Fridi, Mustafa, Polina und Jennifer treffen sich zufällig auf dem Parkplatz vorm Supermarkt. Dass Jennifer die Asche ihres Opas dabeihat, dem sie noch zu Lebzeiten versprochen hat, diese nach Kolomoro zu bringen, sorgt für helle Aufregung. Keiner weiß, wo Kolomoro ist – aber alle kommen mit. Alles startet mit einer von zahlreichen Verfolgungsjagden und endet mit einem Krimi-Showdown. Dazwischen erleben die Kinder Berlin in Reinkultur. Es ist viel, was Julia Blesken in ihr erstaunliches Debüt packt: Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, Armut und vor allem Freundschaft. Das alles ist mit viel Humor und Spannung erzählt – überragender Twist: Magische Ratten! (Jana Kühn)

Leseprobe

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Banine: Kaukasische Tage

Aus dem Französischen von Bettine Bach, mit einem Nachwort von Olga Grjasnowa, dtv 2021, 320 S., € 24,-

(Stand Januar 2022)

Banine wurde 1905 in Baku geboren, in eine Familie, die durch Ölvorkommen auf ihrem Land eine der reichsten der Stadt war. Ihre Kindheit ist geprägt durch traditionell muslimische Strukturen – verkörpert in ihrer strenggläubigen Großmutter -, die von der Generation ihrer Eltern langsam kosmopolitisch aufgebrochen werden. So hat Banine ein deutsches Kindermädchen, lernt Klavier und Französisch. Mit der Oktoberrevolution 1917 verliert die Familie ihre Besitztümer, beginnt eine Zeit der Unsicherheit mit Flucht nach Georgien, Rückkehr nach Baku und schließlich – mit 19 Jahren und unglücklich mit einem 20 Jahre älteren Mann verheiratet, den sie nicht liebt – die Ausreise über Konstantinopel nach Paris, wo Banine endlich die ersehnte Freiheit leben konnte und bis zu ihrem Tod bleiben sollte.
In stets leicht ironischem, nie selbstmitleidigem Ton erzählt sie von ihrer außergewöhnlichen, wilden Kindheit, von Verliebtheit und gesellschaftlichen Zwängen, historischen Umbrüchen und ihrer großen, eigenwilligen Verwandtschaft und eröffnet dabei einen hochinteressanten, unerwartet freizügigen Blick auf das Leben der (wohlhabenden) Frauen in Aserbaidschan zu Beginn des letzten Jahrhunderts. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Ali Benjamin: Die Suche nach Paulie Fink

Aus dem amerikanischen Englisch von Jessika Komina und Sandra Knuffinke. Hanser Verlag 2021, 352 S., € 18,-, TB dtv Mai 2023, € 10,95, ab 11

(Stand Mai 2023)

Gegen ihren Willen ist Caitlin mit ihrer Mutter aus der Stadt aufs Land gezogen und muss in eine kleine Dorfschule in einer verfallenen Fabrikantenvilla gehen. Die Schule ist für sie völlig undurchschaubar, es werden Ziegen gehalten, eigenwillige Unterrichtsstunden abgehalten und es gibt sonderbare Rituale. Für Caitlin noch verwirrender, dass ihre Klassenkamerad:innen einem bewunderten ehemaligen Mitschüler nachtrauern, den sie überhaupt nicht zu fassen kriegt. Jede/r erzählt ihr etwas anderes über diesen Paulie Fink. Ausgerechnet sie soll nun als Jurorin à la TV-Reality Show über eine würdige Nachfolge für ihn entscheiden. Während sie sich aberwitzige Challenges ausdenkt, die seine Persönlichkeit erhellen sollen, kommt Caitlin sich selbst immer näher und in ihrer Schule an.
Ali Benjamins Kinderroman funkelt nur so vor Ideen und Anspielungen (auf die griechische Antike, Shakespeare, die Frauenbewegung, die Welt der Influencer:innen…) und ist dabei komisch, vielschichtig, anspruchsvoll und mitreißend, gerade für Kinder im Zwischendrin-Stadium. Der Kinderroman ist für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2022 nominiert! (Stefanie Hetze)

Leseprobe

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Jaroslav Rudiš: Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen

Piper 2021, 256 S., € 15,-

(Stand Januar 2022)

Eigentlich habe ich es schon immer gewusst – Zugfahren tut man um des Zugfahrens willen. Zumindest die Eisenbahnmenschen, zu denen Jaroslav Rudiš sich zählt (ganz allgemein, es gibt ja auch die Tunnel – Brücken- oder Stellwerkmenschen im Besonderen, dies nur nebenbei). Rudiš weiß alles über die Bahn und berichtet auf höchst vergnügliche Weise davon. Wir fahren mit ihm in 40 Stunden einmal durch ganz Deutschland oder von Palermo bis nach Finnland. Wir lesen von einer Lok, die singt, von Kosenamen für Lokomotiven (Nähmaschine, Wackeldackel, Tatzelwurm …), von Eisenbahnsongs und -filmen, dem Flair von Bahnhofsgaststätten, der besonderen Atmosphäre nächtlicher Bahnhofshallen und den besten Bordrestaurants. Wir erfahren, warum Loks Sexappeal haben und Kursbücher eine großartige Lektüre sind. Und dass man nie die direktesten, neuen Strecken nehmen sollte, weil die alten zwar (oder zum Glück?!) länger, aber (und!) viel schöner sind, ist eigentlich eh klar. (Syme Sigmund) Blick ins Buch

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Annika Thor: Der Sohn des Odysseus

Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer, mit Illustrationen von Ishtar Bäcklund Dakhil. Urachhaus 2021, 352 S, € 19,-, ab 11

(Stand Januar 2022)

Was mag wohl Thelemakos während der Abwesenheit seines Vaters erlebt haben? Das erzählt Annika Thor in wunderbar frischem Ton. Wie er auf den Vater wartet, langsam erwachsen wird, die Hoffnung auf eine Rückkehr nicht aufgibt. Als die Situation sich zuspitzt, die Freier seiner Mutter immer dreister werden, muss er all seinen Mut zusammennehmen und für sein Leben, seine Zukunft einstehen. Die Abenteuer des Odysseus fließen über Träume in den Erzählfluss ein, und die großartigen Illustrationen ergänzen den Text aufs Schönste. Lange nicht wurde die Odyssee so spannend für Kinder nacherzählt. (Syme Sigmund)

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Guy Kabengele, Kerstin Finkelstein-Kabengele: Black Heroes

Mit Illustrationen von Ayse Klinge. Jacoby & Stuart 2021, 152 S., € 22,-

(Stand Januar 2022)

Hier sind wir!, sagt dieser Sammelband, der über 20 afro-deutsche Personen bzw. Black Heroes aus heutigen, sehr unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsbereichen vorstellt. Schaut uns an, wie vielseitig und erfolgreich wir leben – trotz aller Diskriminierungen! Vorgestellt werden u.a. die Bestsellerautorin Melanie Raabe, die Choreographin Bella Garcia, der SPD Bundestagsabgeordnete Dr. Karamba Diaby. Damit ist der Titel mit Sicherheit ein Statement, das gerade junge Schwarze hierzulande empowern kann, einen ganz eigenen Weg zu finden. Den anschaulich verfassten Biografien aus der Feder des Autor:innen-Duos wird jeweils ein Porträt beigestellt. Die charakterstarken Bilder von Ayse Klinge lassen hoffen, bald noch mehr von ihren Arbeiten kennenlernen zu dürfen! (Jana Kühn)

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Romana Romanyschyn und Andrei Lessiw: Sehen

Aus dem Ukrainischen von Claudia Dathe, Gerstenberg Verlag 2021, 56 S., € 20,-, ab 8

(Stand Januar 2022)

Was für ein herausragendes Sachbuch nicht nur für Kinder! Geschrieben und illustriert haben es die beiden ukrainischen Künstler Romana Romanyschyn und Andrei Lessiw und dabei die Gestaltung in vier knalligen Sonderfarben ganz ihrem Thema angepasst, dem Sehen. Das ist, neben dem Hören, unser wichtigster Sinn. Rund um die Augen und ums Schauen beleuchten sie lehrreich wie unterhaltsam die vielen Facetten der optischen Wahrnehmung, wie Farbenerkennen, Blindheit, optische Täuschungen, Perspektiven, Tiere, die unterschiedlich sehen. Und es ist ein absoluter Augenschmaus, auch für Erwachsene! Nominiert in der Kategorie Sachbuch für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2022. (Stefanie Hetze)

Blick ins Buch

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Manuele Fior: Celestia

Aus dem Italienischen von Myriam Alfano, Avant-Verlag 2021, 272 S., € 29,-

(Stand Januar 2022)

In einer Lagunenstadt namens Celestia, die sehr an Venedig erinnert, sind ein Junge und ein Mädchen auf der Flucht. Nach einer großen Invasion aus dem Meer ist die uralte steinerne Insel, auf der Celestia liegt, zu einem Zufluchtsort für alle Arten von Kriminellen, Schmugglern und anderen seltsamen Figuren geworden. Dora und Pierrot wollen herausfinden, was hinter den Grenzen der Insel liegt, und so begeben sie sich auf ein Abenteuer.
Das neueste Werk von Manuele Fior ist eine Reflexion über die Zukunft der Menschheit, eine Graphic Novel mit wunderbaren Illustrationen in zarten und eindrucksvollen Farben, mit meisterhaften Bildausschnitten und in einer poetischen Sprache geschrieben. Es ist aber vor allem eine Ode an die Leidenschaft und den Lebenshunger. (Giulia Silvestri)

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Toon Tellegen: Wird denn hier keiner wütend?

Mit Illustrationen von Marc Boutavant. Aus dem Niederländischen von Bettina Bach, Hanser Verlag 2021, 72 S., € 16,-, zum Vorlesen ab 4

(Stand Januar 2022)

Sechs lange Jahre mussten wir warten, bis zehn neue Wutgeschichten vom bewährten Team Toon Tellegen und Marc Boutavant Kinder und erwachsene Vorlesende erfreuen können. Nun ist es endlich soweit und wir können wieder eintauchen in die komplexen Gefühlswelten von Igel, Frosch, Ameise, Elefant und Konsorten, die einander ganz schön auf die Nerven gehen, aber neben Zorn- und Trotzausbrüchen, verletzten Befindlichkeiten und Missverständnissen auch viel Spaß miteinander haben.  Das zeigen nicht zuletzt die vielschichtigen Bilder Marc Boutavants, der die Tiere und ihre Stimmungslagen mit einer heiteren Ironie versieht. Dieses Buch ist wie eine Schatzkammer, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen, miteinander zu philosophieren und sich dabei zu amüsieren. (Stefanie Hetze)  (Leseprobe)

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Timothy Snyder, Nora Krug: Über Tyrannei

Illustrierte Ausgabe. Aus dem amerikanischen Englisch von Andreas Withensohn. Verlag C.H.Beck 2021, 128 S., € 20,-

(Stand Januar 2022)

„Leiste keinen vorauseilenden Gehorsam“, mit diesem überaus wichtigen Appell gegen Obrigkeitshörigkeit, beginnt Timothy Snyders bereits 2017 erschienenes Plädoyer gegen Populismus und Autoritarismus. Die preisgekrönte Illustratorin Nora Krug hat aus Timothy Snyders 20 Lektionen für den Widerstand nun ein aufrüttelndes aufregendes Kunstwerk geschaffen. Collagen aus Snyders Texten, ihren großformatigen Zeichnungen, kleinen Vignetten und teils kolorierten Fotofundstücken aus diversen historischen Situationen und Ländern machen die Dringlichkeit, sich sofort und überall gegen Tyrannei und ihre Vorzeichen zur Wehr zu setzen, noch plastischer. Viel Stoff und Anregung zum politischen Handeln, gerade für Jugendliche und junge Erwachsene. (Stefanie Hetze) (Leseprobe)

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