Carlsen Verlag 2016, 98 S., € 13,-, ab 3
(Stand März 2021)
Ich mag … Schaukeln, Malen, Fußball, Krach – aber auch Nachdenken, Wolken, Baustellen und den Herbst. Immer ein Kind stellt auf einer Doppelseite vor, was ihm besonders wichtig ist, was es mag, was es liebt zu tun. Eine weitere Doppelseite geht dann ins Detail, zeigt mehr davon, erklärt und denkt dabei oft überraschend um die Ecke. Und so verschieden das Gemochte ist, so verschieden sind auch die gezeichneten Kinder, ohne auf die Unterschiede abzuheben, und Hautfarbe ist in aller Beiläufigkeit ein wirkliches Spektrum. Eine Perle für die Kleinsten! (Jana Kühn) Anschauen

Rigo ist ein großer Leopard, der im Zoo lebt. Rosa eine kleine Maus, die eines Tages in seinem Gehege steht und klagt, weil sie nicht schlafen kann. Und noch während Rigo überlegt, ob er direkt zubeißen soll, hat ihn die Mausedame charmant um den Finger gewickelt und seine Beschützerinstinkte geweckt. In 28 kurzen Geschichten erzählen die beiden einander vom Leben, dem Wesen der Dinge, der Schönheit, der Langeweile, von Geburtstagen und vom Kranksein. Dabei decken sie dank Lorenz Pauli in einfacher und warmherziger Sprache große Wahrheiten auf und werden Freunde, die keine Angst mehr haben, weil sie auf einander vertrauen. Und die atemberaubend schönen Illustrationen von Kathrin Schärer gibt es obendrauf: Pauli & Schärer – was für eine immer wieder gelungene Kombination! (Jana Kühn)
Ein Gewitter zieht auf. Erst grollt es von Ferne, dann tobt es sich aus, um schließlich abzuziehen. Dies ist großartig gereimt, packend und fantastisch illustriert. Am unteren Bildrand durchlebt ein Kind das Toben des wütenden Ritters mit so viel Leidenschaft, dass man gleich mitmachen möchte. Es gibt auch eine tolle Hörbuchfassung (DAV, € 12,99), da ersetzt mitreißende musikalische Untermalung der Band Rotz ‘n’ Roll Radio die Bilder und es gibt noch zwei weitere Geschichten dazu. (Syme Sigmund)
Wer Abenteuer liebt, ist hier richtig. Dieses Buch handelt vom größten Abenteuer, das man sich vorstellen kann. Ernest Shackleton und seine Mannschaft machen sich am 8. August 1914 daran, den riesigen Kontinent um den Südpol zu durchqueren. Shackleton schrieb dazu: „Die lange Zeit der Vorbereitung war zu Ende, und das Abenteuer lag vor uns“. Was vor ihnen lag, übersteigt alle Vorstellungen, und erst zwei Jahre später kehren Shackleton und seine Mannschaft aus dem ewigen Eis zurück. Mit Leichtigkeit taucht man in dieses legendäre Abenteuer ein, denn es ist von William Grill hervorragend beschrieben und mit Buntstiften illustriert, und wer Lust hat, kann seine Buntstifte heraus holen, die Illustrationen abzeichnen und erleben, wie schön es ist, mit Buntstiften zu malen und zu zeichnen. Wäre ich heute 10 Jahre alt, ich würde es mir zur nächsten besten Gelegenheit wünschen, und es würde eines meiner Lieblingsbücher werden. Da ich aber älter bin, habe ich es mir einfach gekauft, und es ist schon heute eines meiner Lieblingsbücher. (Hans-Ulrich Pollack – Bibliothekar der Nürtingen Grundschule in Berlin Kreuzberg)
Man mag es kaum glauben, doch es sind tatsächlich schon 150 Jahre vergangen seit der erstmaligen Veröffentlichung von “Alice im Wunderland”. Lewis Carrolls Phantasie und Sprachwitz haben bis heute nichts an Charme verloren und es ist nach wie vor ein großer Spaß, die Geschichte (vor) zu lesen. Im Jubiläumsjahr ist nun eine opulente Neuausgabe erschienen. Der Halbleinenband enthält auch den zweiten Teil der Geschichte “Alice hinter den Spiegeln”. Die Prachtausgabe wird Bibliophile wie Illustrationsfans gleichermaßen begeistern. Große Illustrationskunst, die dem berühmten Klassiker mehr als gerecht wird!
Max liebt seinen Großvater. Über alles. Doch den plagt das große Vergessen – denn er ist demenzkrank und lebt in einem Pflegeheim. Max hat Sehnsucht, nach dem wie es einmal war. Und er macht sich Sorgen, wie es einmal sein könnte, wenn Großvater sogar vergisst, dass es Max gibt und wie lieb er ihn hat. Eines Tages hält er Sehnsucht und Sorgen nicht mehr aus und beschließt, seinen Großvater zu entführen. Die beiden hauen ab und Fräulein Schneider kommt mit. Das Ziel ist ein magischer Ort: Blumental. Andreas Steinhöfel erzählt mit warmherzigem Humor und in poetischen Sprachbildern vom Alt- und Jungsein, von einer besonderen Beziehung, vom Abschiednehmen und von Erinnerungen, die trotz allem Festhalten manchmal entgleiten. Mit den Buntstiftbilderwelten von Nele Palmtag und 12 Klassikstücken von Bizet und Prokofiew, gespielt vom SWR-Sinfonieorchester, wird dieses Hör-Buch zum audiovisuellen Rund-um-Vergnügen – einfühlsam und anrührend auf allen Ebenen. (Jana Kühn)
Auf einer großformatigen Bilderreise über Kontinente und Ländergrenzen hinweg erzählt das Autorenduo in eindrucksvoll detailreichen Bildern sowie präzise recherchierten Kurztexten über 150.000 Jahre der Geschichte der Menschheit. Es entsteht ein großartiger Einstieg und Überblick, in dem sich Bilder und Texte wunderbar ergänzen und kritische Gedanken ihren Eingang finden. Immer wieder kommen „Zeitzeugen“ zu Wort, die von ihrem Leben erzählen. Wie kam der Ackerbau, die Religion, die Schrift in die Welt und was wurde daraus bis heute? Ende offen.
Jamie-Lee wohnt in der 11. Etage eines tristen Hochhauses, das mitten in einem sogenannten Problemviertel steht. Ihre Mutter ist Alkoholikerin, ihr großer Bruder geht nur selten zur Schule und gibt das wenige Geld schon mal lieber für Zigaretten aus – aber dann eben Chips zum Frühstück. Jamie-Lee ist lebensklug und sehr pragmatisch. Ausgerechnet als ihre Mutter ins Krankenhaus muss, die geliebte Oma nach Polen fährt und deshalb das Jugendamt schon sehr nervös klopfen kommt, trifft sie Fee. Die Millionärstochter ist auf der Flucht vor ihrer gemeinen Stiefmutter. Kurzerhand nimmt Jamie-Lee sie mit nach Hause. Und ab jetzt wird es richtig wild, denn nur wenig später lernt das Mädchen einen Obdachlosen und seinen alternden Jagdleoparden Kröger kennen – und bringt auch diese bei sich zuhause unter. Der Leopard ist irgendwie geklaut und die Polizei sucht schon in der ganzen Stadt nach Fee. Und nun? Der soziale Spagat zwischen den beiden Mädchen und ihren Familienverhältnissen wirkt anfangs etwas gewagt, doch gelingt der Autorin in großer Fabulierlust ein meisterlicher Spannungsbogen mit ungewöhnlichen und überzeugenden Figuren, sehr viel Witz und jeder Menge Sozialkolorit. (Jana Kühn)
Kaspar lebt bei seinem Opa, und Opa hat nicht viel Geld. Als der Motor seines Boots den Geist aufgibt, kommt ihm der Wettbewerb der Lokalzeitung, bei dem mit dem größten Hecht ein neuer Außenborder zu gewinnen ist, gerade recht. Aber darf man in der Not einen gekauften Hecht für seinen eigenen Fang ausgeben? Und was, wenn dein größter Konkurrent das auch tut, und der hat schon drei Motoren in der Garage? Kaspars Freundin Lina sagt, dem dürfte man sogar einen Motor klauen. Lina ist älter und will Polizistin werden. Die wird das schon wissen. Gut und böse, erlaubt und verboten – es ist gar nicht so leicht, hier zu einem Urteil zu gelangen. Engström verlangt viel von seinen jungen Lesern, aber er traut ihnen auch viel zu, und das ganz ohne erhobenen Zeigefinger und wunderbar vielschichtig, turbulent und voller Witz. Und da ist es einmal ganz sicher, dass er hier vollkommen richtig liegt. (Syme Sigmund)