Das bunte Buch über den Tod für neugierige Kinder. Klett Kinderbuch 2023, 160 S., € 22,-, ab 8
Kann ein Buch übers Sterben und den Tod leichtfüßig daherkommen und sogar lustig sein? Und dabei fundiert erzählen von dieser besonderen Lebenssituation, die uns alle betrifft? Ja, diesem neuen Gemeinschaftswerk Katharina von der Gathens und Anke Kuhls gelingt es, die vielen Facetten von Sterben und Trauern anschaulich, und direkt zu schildern. Für Kinder oft verwirrende, aber auch höchst interessante Vorgänge werden aus vielerlei Perspektiven erläutert: z.B. wie Sterben geht oder was bei Beerdigungen passiert. Die mal schrägen, mal einfühlsamen Illustrationen Anke Kuhls kommentieren die sachlichen Informationen aus Kindersicht. Interviews mit Menschen, die beruflich mit dem Tod zu tun haben, Beispiele vom Umgang mit dem Tod in anderen Kulturen und Zeiten, Begriffserklärungen, Witze übers Sterben und sogar Bastelanleitungen runden dieses grandiose Buch ab, das dem Sterben seine Tabus und die Gefühle von Kindern absolut ernst nimmt. Ein geniales Familienbuch. (Stefanie Hetze) Leseprobe

Yunus ist 13, als sein Vater fällt, zwei Schlaganfälle erleidet und von nun an im Locked-in-Syndrom gefangenen ist, nur noch mit den Augen kommunizierend. Als junger Erwachsener versucht Yunus sich ein Bild des Anwesend-Abwesenden zu machen.
Ephraim, Emma, Noemi, Jacques – aus dem Nichts erhält Anne Berests Mutter Neujahr 2003 eine anonyme Postkarte, nur mit den Vornamen ihrer 1942 in Auschwitz ermordeten Angehörigen. Sie verstört die Familie, doch mangels Erklärung wird sie beiseitegelegt und nie wieder erwähnt. Verdrängen war die Regel, hatte doch Myriam, die Großmutter, die nur durch ein „dünnes Zufallfädchen“ die Naziherrschaft überlebt hatte, über die Vergangenheit geschwiegen. Erst Jahre später, als die Autorin hochschwanger bei ihren Eltern auf die Geburt wartet, erinnert sie die Karte und möchte von ihren Vorfahren hören. Doch erst als ihre eigene Tochter in der Schule antisemitisch diffamiert wird, beginnt sie ernsthaft, die Geschichte ihrer Angehörigen zu recherchieren. Dabei kann sie sich auf das Archiv ihrer Mutter stützen, die, ohne darüber zu reden, alles Erdenkliche zur Familiengeschichte gesammelt hat. Mit Hilfe von Kriminologen und Nachforschungen aller Art wird peu à peu die vielgestaltige Geschichte, die bis in die Gegenwart reicht und unverhoffte Wendungen nimmt, aufgerollt. Das ist spannend und mitreißend wie in einem Krimi erzählt, wird aber durch die Passagen, in denen sie von ihren Rechercheschritten berichtet und uns am persönlichen Austausch mit ihren Angehörigen teilhaben lässt, zu einer direkten Einladung, sich selbst zu seinem eigenen Verhalten zu befragen. (Stefanie Hetze)
Es ist eine sehr spezielle Hölle, diese Familie. Der paranoide Vater zieht in der engen Wohnung Trennwände ohne Ende, die depressive Mutter verfolgt die Tochter mit Telefonterror, der Bruder ist ein Überflieger. Verbote, seltsame Regeln und Usancen prägen die Kindheit der Ich-Erzählerin, die sich als Jugendliche da mühsam herauszustrampeln versucht und als junge Erwachsene höchst kreativ originelle Taktiken entwickelt, um ein eigenes Leben zu führen. sie muss tricksen, lügen, verschiedenste Rollen spielen, obwohl sie am liebsten nichts tut und schweigt, wie sie behauptet. Verika, Vero, Gans, Mistkäfer, Spillerix, V., Veca … jede:r nennt und kennt sie anders. Gekonnt spielt die Autorin, ihr scheinbares Alter Ego, dabei mit den Erwartungen an Autofiktion von uns Leser:innen, die wir alles für bare Münze nehmen. Aber Nichts davon ist wahr oder vielleicht doch? Ihr bitterböser Sarkasmus, hinter dem eine tiefe Zuneigung für ihre Figuren aufblitzt, macht durch ihre leichtfüßige pointierte Sprache großes Vergnügen. (Stefanie Hetze)
Wenn ich heute auf mein Kunstgeschichtsstudium zurückblicke, dann fällt mir keine Vorlesung ein, in denen Künstler*innen der DDR auch nur erwähnt worden wären. Mehr als verwundert habe ich 2009 im Martin Gropius Bau die Ausstellung „60 Jahre, 60 Werke – Kunst aus der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis 2009“ besucht, in der kein*e einzig*er Künstler*in der DDR oder Ostdeutschlands vertreten war. Willi Sitte war mir dennoch selbstredend ein Begriff – gilt er doch aufgrund seiner Regierungs- und Parteinähe als der umstrittenste Künstler der DDR.
Licia Pinelli è ancora molto giovane quando perde il marito Giuseppe. La sua morte arriva all’improvviso e in circostanze poco chiare: Giuseppe Pinelli muore infatti in seguito al suo arresto, nel dicembre del 1969, precipitando da una finestra della questura di Milano, dove da pochi giorni è detenuto in attesa di un giudizio. Pinelli è ritenuto responsabile della strage di Piazza Fontana e si parla di suicidio, Giuseppe infatti è un militante anarchico e sugli anarchici cadono i primi sospetti. Licia affronta il lutto, la solitudine, alleva da sola due bambine, ma soprattutto lotta per ottenere dignità e giustizia e lo fa per quarant’anni, con forza e lucidità. Questa emozionante Graphic Novel narra la triste vicenda della famiglia Pinelli dal punto di vista della signora Licia, che si fa portavoce delle vicende di tante persone divenute vittime di un sistema politico ingiusto e discriminatorio e comunque capaci di continuare a lottare con coraggio e determinazione. (Giulia Silvestri)
Isabel Fargo Coles Ururgroßvater versuchte sich Ende des 19. Jahrhunderts am amerikanischen Traum. Er war, wie es in der Familie hieß, „abgehauen“ ins ferne unwirtliche Alaska auf der Suche nach Gold. Der Goldrausch entpuppte sich als Falle, wie viele andere seiner Generation fiel er auf Gerüchte, auf Fakes, hinein, musste er also scheitern. Wenig hat sich in der Familie von seinem Schicksal und dem seiner Angehörigen überliefert. Und so nutzt die Autorin die Goldene-Hochzeitsreise mit ihren Eltern genau dorthin, nach
Out on the wily, windy moors, we’d roll and fall in green. »Sturmhöhe / Wuthering Heights« hat die Jugendzeit vieler von uns stark geprägt. Viele leidenschaftliche Leser*innen haben den großen Roman früh entdeckt und mit seinen unvergesslichen Protagonisten geträumt und gelitten. Catherine und Heathcliff begleiten mich immer noch … Genauso geht es Mithu Sanyal, die nach dem vielfach gefeierten »Identitti« in diesem Buch über ihre lebensprägende Lektüre berichtet, denn Emily Brontës einziger veröffentlichter Roman ist eines der wichtigsten Bücher ihres Lebens. Sanyal bringt ihre persönliche Beziehung zu diesem Roman auf eine höhere Ebene: Sie analysiert Themen, Handlungen und Charaktere, sowie das Leben der früh gestorbenen Emily Brontë aus einer literarischen postmigrantischen Perspektive: „Die Hauptfigur Heathcliff wird als schwarz beschrieben“. In diesem großartigen Buch geht es eigentlich um Diskriminierung, Klasse, Gender, Erziehung, Herkunft… Wer hätte mit sechzehn gedacht, so viele Schichten in einer Schullektüre zu finden? (Giulia Silvestri)
Fast ein Vierteljahrhundert nach seinem gewaltsamen Tod erscheint Dacia Maraini sanft lächelnd und sie direkt ansprechend ihr guter Freund Pier Paolo im Traum. Als sie ihn, glücklich ihn wiederzusehen, umarmen will, ist er verschwunden. Doch nimmt die Schriftstellerin die damit plötzlich wieder aufgetauchte Intensität an mit ihm verbundenen Erinnerungen zum Anlass, Briefe an ihn zu schreiben. Voller Zuneigung, aber auch mit dem liebevoll-kritischen Blick einer wirklich Vertrauten, erinnert sie sich an Pasolini, den Streitbaren, den Menschenfreund, den Dichter . . . An ihre Zusammenarbeit bei Drehbüchern, an ihre abenteuerlichen Reisen zusammen mit Alberto Moravia, manchmal mit Maria Callas, an ihren unaufhörlichen persönlichen und intellektuellen Austausch. Vor allem aber ist es ein intimes Buch über von einem großen Kreis rund um Pasolini, Moravia und Maraini innig und leidenschaftlich gelebte Freundschaften im Rom der Sechziger und Siebziger Jahre, die trotz aller Nähe und Zuneigung die innere Einsamkeit und Zerbrechlichkeit des Freundes nicht auflösen konnten. Fein ausbalanciert, was durch die meisterliche Übersetzung Maja Pflugs im Deutschen ein Genuss ist, ist das Buch nicht nur ein Muss für Pasolinifans. (Stefanie Hetze) 