Lea Ypi: Erwachsenwerden am Ende der Geschichte

Aus dem Englischen von Eva Bonné, Suhrkamp 2022, 332 S., € 28,-

Albanien 1989, ein Land, abgeschottet vom Rest der Welt, die letzte Hochburg des „wahren“ Kommunismus. Lea ist zehn Jahre alt und kennt nichts Anderes. Was die Lehrerin in der Schule vermittelt glaubt sie voller Inbrunst, „Onkel“ Enver Hoxha und Stalin liebt sie und die Eltern sowie die Großmutter halten den Überwachungsstaat und ihre eigenen Sorgen so weit als möglich von ihr fern, geben ihr Geborgenheit. Als die Grenzen fallen, bricht auch Leas Welt in sich zusammen. Ehemals absolute Wahrheiten erweisen sich als Lügen, der Kapitalismus zeigt seine hässlichste Fratze, die Mutter, eine Lehrerin, engagiert sich in der demokratischen Partei und geht schließlich im Zuge der Unruhen nach dem sogenannten Lotterieaufstand als Putzfrau nach Italien, der Vater fühlt sich den neuen Verhältnissen nicht gewachsen und Lea muss neben dem gesellschaftlichen Wandel auch die eigene Pubertät verarbeiten.
Unsentimental, anschaulich und mit großer Selbstironie erzählt Ypi, die heute als Professorin für Politische Theorie in London lebt, von ihrer Kindheit in Albanien und ihrer Enttäuschung über den Westen. Eine äußerst interessante Lektüre, die uns ein Land nahebringt, von dessen Geschichte, dessen Verhältnissen wir doch erstaunlich wenig wissen. (Syme Sigmund) Leseprobe

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