Constanze von Kitzing: Komm, wir zeigen dir unsere Kita

Carlsen 2021, 14 Seiten, € 14, ab 2

(Stand August 2021)

Leuchtend fröhlich strahlt dieses großformatige Wimmelbuch, dessen Geschichte direkt mit dem Cover beginnt. Viele Kinder und ihre Erwachsenen werden die Szene sofort wieder erkennen: Der Tag in der Kita beginnt und ihre Türen öffnen sich. Mit dem Aufblättern gelangt man in die Garderobe, dann zum Turnen, zum Mittagessen, Schlafen und auf den Spielplatz. Gerade junge Kinder werden es lieben, die unzähligen, liebevollen und eben alltäglichen Details zu entdecken, Vertrautes wieder zu finden und die neuen Geschichten weiter zu spinnen. Kitzing erzählt unmittelbar aus dem Erleben der Kinder und holt sie direkt in die Buchseiten ab. Und wie man es von der Illustratorin kennt, sind ihre Figuren nicht nur mitten aus dem Leben, sondern auch ganz beiläufig vielfältig: Ein Kind mit Brille und abgeklebtem Auge, eines im Rollstuhl, verschiedene Körperformen und Hauttöne – und damit es nicht nur pädagogisch daherkommt, sondern auch lustig und fantasievoll wird, gehören auch ein Kroko- und ein Nilpferdkind zur Kindergruppe. (Jana Kühn)

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Sophie Calle: Wahre Geschichten

65 Erzählungen und Fotografien. Aus dem Französischen von Sabine Erbrich, Suhrkamp Verlag 2021, 141 S., € 22,-

(Stand Mai 2023))

Gleich mit einer Urszene steigt die Künstlerin Sophie Calle in ihre Sammlung von Miniaturgeschichten ein, der Kindheitserinnerung, wie sie als Neunjährige einen Liebesbrief an ihre Mutter findet, von einem Mann, den sie für ihren wahren Vater hielt und den sie erfolglos zu enttarnen versuchte.  Ähnlich aufgeladen geht es weiter: Ums Klauen, um eine nicht stattgefundene Schönheits-Nasen-OP, einen Kellner, der der Fünfzehnjährigen ein sexuell aufgeladenes Dessert serviert, frühe Erfahrungen als Stripperin und komplizierten ersten Sex. Ganz beiläufig trocken, dann wieder zugespitzt und aufgebauscht erzählt sie von vermeintlich abwegigen und peinlichen Situationen, vom Lieben, Trennen, Sterben, Leben.  Die Leidenschaft und Hingabe, mit der die Künstlerin sich in ihre Selbstrecherchen und Erfahrungen stürzt und die sie mit Fotodokumenten als wirklich geschehen beweist, die aber nur als authentisch inszeniert sind – oder doch nicht? – steckt ungemein an. Es macht einen Riesenspaß, sich auf dieses raffinierte Spiel mit Wahrheit und Erfundenem einzulassen. (Stefanie Hetze)

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Elisabeth Steinkellner: Esther und Salomon

mit Fotos der Autorin und Illustrationen von Michael Roher. Tyrolia Verlag 2021, 336 S., € 19,95, ab 14

(Stand August 2021)

Esther ist mit ihren Eltern und ihrer kleinen Schwester in den Ferien am Meer, die Eltern streiten viel, sie geht mit Flippa allein an den Strand. Als diese sich mit Aisha anfreundet, lernt sie deren Bruder Salomon kennen, und plötzlich sind da Schmetterlinge im Bauch, schleicht sie sich des Nachts heimlich raus, ist das Glück greifbar.
Im ersten Teil des Buches erzählt Esther ihre Geschichte, ergänzt von Polaroidfotos. Steinkellner schreibt in freien Versen, eindringlich, mit bisweilen fast leeren Seiten, die sich in der Schwebe mit Bedeutung füllen. Dass Salomon schwarz ist, erfährt man beiläufig und erst ganz am Schluss.
Im zweiten Teil, nach den Ferien, spricht Salomon. Er berichtet von seiner Sehnsucht nach Esther, der er Briefe schreibt, aber auch von seiner Familie, der Ermordung des Vaters, der traumatischen Fluchterfahrung, seiner Suche nach Halt. Hier begleiten Zeichnungen den Text, und auch hier bleibt die große Liebe dieser zwei Jugendlichen im Vordergrund, die so ist, wie die erste Liebe überall auf der Welt – authentisch, sehnsuchtsvoll, berührend und voller Poesie.
Elisabeth Steinkellner gelingt die schwierige Gratwanderung, große aktuelle Themen wie nebenbei einzuflechten – sensibel und ohne Pathos – und dabei einen wundervollen Liebesroman für Jugendliche zu schreiben. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Massimo Bertonasco: Gelato! Gelato! Die besten italienischen Eisrezepte

Mit Illustrationen von Larissa Bertonasco. Aus dem Italienischen und dem Englischen von Nicola T Stuart, Jacoby & Stuart 2021, 160 S., € 20,-

(Stand August 2021)

Wer mag Eis? Alle mögen Eis! Nicht nur Kinder (und Hunde und sogar manche Katzen!) würden gerne jeden Tag ein süßes, frisches Eis essen, sondern auch… ich. Als Tochter eines gelernten Gelatiere ist diese Köstlichkeit mein täglich Brot – und natürlich fand ich dieses Buch erst einmal suspekt.
Dann habe ich es aufgeschlagen und begonnen, darin zu lesen: Ein Juwel! Mit Leidenschaft, Stolz und Gutmütigkeit erzählt Massimo Bertonasco die Geschichte seines Berufes und wie sein Traum (Eismann zu werden) Wirklichkeit geworden ist. Es geht um die Tradition der Gelaterie in Italien wie auch um seine Familie. Dazu kommen noch bunte, wunderbare Illustrationen in den Farben des italienischen Sommers. Und am Schluss finden sich viele kluge Rezepte für hausgemachtes Eis… Ein kleines herzerfreuendes Wunder für den Rest dieses Sommers und die kommenden! (Giulia Silvestri)

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Lena Hach: Mission Hollercamp

Band 1 – Der unheimliche Fremde, Mixtvision 2021, 194 S., € 14,-, ab 10

(Stand Juli 2021)

In Lena Hachs neuer Reihe Mission Hollercamp schickt die Autorin gleich drei Kinder Jahr für Jahr zum selben Ferienort. Emily, Jakub und Leon lieben ihren Campingplatz am Hollersee, den vertrauten Wald und die ausgelassene Zeit miteinander. Sie sind richtig dick befreundet! In diesem Jahr läuft jedoch einiges anders: Leons chaotische Cousine und ein seltsamer Barfuß-Typ bringen gehörige Unruhe ins Hollercamp. Lena Hach hat eine leichtfüßige Sommergeschichte mit einem Hauch Crime geschrieben, deren besonderer Reiz in den unaufdringlich und beiläufig eingesponnenen gesellschaftlichen Fragen und diversen Figuren liegt: Was ist ein Fremder? Warum ist es strafbar, weggeworfene Lebensmittel zu retten? Jakub benutzt ein Hörgerät und sein Vater stammt aus Polen. Und Emilys Oma lebte in Großbritannien und serviert Gurkensandwiches. Das ist zeitgemäß, relevant und vor allem bestens unterhaltsame Ferienlektüre! Und Band 2 gibt es auch schon … (Jana Kühn)  Leseprobe

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Fatima Daas: Die jüngste Tochter

Aus dem Französischen von Sina de Malafosse, Claassen Verlag 2021, 192 S., € 20,-

(Stand Juli 2021)

»Ich heiße Fatima«: So beginnt jedes kurze Kapitel dieses autobiografischen Romans, der wie ein hypnotischer Singsang klingt. Wir lernen ein junges Mädchen kennen und begleiten sie auf ihrem Weg zur Selbstbestimmung. Fatima Daas, die jüngste Tochter algerischer Migranten in Frankreich, wächst in einem Elternhaus auf, in dem Liebe und Sexualität als Tabu gelten und Zärtlichkeiten vermieden werden. Sie lebt in dem größtenteils muslimischen Außenbezirk Clichy-sous-Bois und verbringt mehrere Stunden pro Tag in den öffentlichen Verkehrsmitteln, wo sie sich wie eine Touristin fühlt, die die Pariser Gebräuche beobachtet. Schon instabil in der Schulzeit, wird sie zur verhaltensgestörten Erwachsenen und macht vier Jahre lang eine Psychotherapie – ihre längste Beziehung. Aber als sie Abstand von ihrer Familie gewinnt und ihr eigenes Selbstbewusstsein entwickelt, setzt sie sich direkter mit ihrer Anziehungskraft auf Frauen auseinander und damit, wie diese mit ihrer Religion, die sie weiterhin praktiziert, zusammenpassen kann. Als Nina in ihr Leben tritt, weiß sie nicht genau, was sie braucht, hat aber das Gefühl, dass ihr etwas Wesentliches gefehlt hat. Brutal, ernst, berührend, klug: Dieses Buch ist eine Granate! Es wurde mit dem Internationalen Literaturpreis 2021 ausgezeichnet! (Giulia Silvestri) Leseprobe

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Ann Petry: Country Place

Aus dem amerikanischen Englisch von Pieke Biermann, Nagel & Kimche 2021, 320 S., € 24,-, TB März 2024, € 14,-

(Stand März 2024)

Als Johnnie aus dem Krieg heimkehrt sehnt er sich vor allem nach seiner vier Jahre zuvor zurückgelassenen jungen Frau. Doch das Wiedersehen verläuft nicht wie erträumt, Glory erträgt seine Anwesenheit kaum. Nach und nach kommen in diesem Sittenbild einer amerikanischen Kleinstadt weitere Personen zu Wort – Glory, die glaubt ihr Glück bei dem Verführer des Ortes finden zu können, der alles beobachtende Apotheker, der tückische Schnüffler und Taxifahrer „Wiesel“ oder Glorys Mutter, die nur auf das Ableben ihrer Schwiegermutter lauert, um an das Erbe zu gelangen. Es entfaltet sich ein Bild voller Missgunst, Neid, Boshaftigkeit und Rassismus. Eine Sturmnacht mit sturzbachartigem Regen und entwurzelten Bäumen bildet die Kulisse für all die menschliche Niedertracht und Verlorenheit.
Ann Petry, die selbst in den dreißiger Jahren in einer solchen Kleinstadt gelebt hat, entlarvt mit scharfer Zunge und einer von Pieke Biermann hervorragend übersetzten Sprache die Bewohner des Ortes als engstirnige Verteidiger ihrer Privilegien, die auch vor Mord nicht zurückschrecken.
Einzig vom Lektorat hätte man sich bessere Arbeit gewünscht, der Text enthält leider zu viele Fehler – da sollte nachgebessert werden. Das Lesevergnügen wird dadurch aber nicht nachhaltig geschmälert. (Syme Sigmund)

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Ulrike Edschmid: Levys Testament

Suhrkamp Verlag 2021, 144 S., € 20,-

(Stand Juli 2021)

Ulrike Edschmid schreibt von dem, was sie selbst kennt, ohne sich um sich selbst zu drehen. Im linkspolitisch bewegten London der frühen Siebzigerjahre, die geprägt waren von Hausbesetzungen, IRA-Anschlägen und Kämpfen gegen rabiate Gerichtsurteile, in das sie, die Erzählerin, „wie vom Regen in die Traufe“ aus Berlin gekommen war, legt sich im Abbruchhaus voller Aktivist:innen ein Mann in ihr Bett. Schnell wird dieser ihr Geliebter, doch umso weniger beginnt jetzt ein klassischer Liebes- oder Beziehungsroman.
Edschmid, die Virtuosin des Verdichtens, legt mit der Geschichte dieses Mannes, den sie namenlos als „den Engländer“ bezeichnet und der nach gemeinsamer Zeit in Deutschland ein lebenslanger Freund wird, stattdessen Spuren, die weit in historische und soziale Zusammenhänge führen.  Er identifiziert sich als Arbeitersohn, ist aber auch Jude, was viele Leerstellen für ihn enthält, bis sich die Ereignisse in seiner ihm unbekannten Familie überschlagen und sich tiefe Abgründe offenbaren, die sein weiteres Schicksal prägen werden.  Angenehm nüchtern, in prägnant kurzen Sätzen wird das Drama eines Lebens erzählt, tun sich weitreichende Fragen zur Bedeutung von Herkunft, Familie, Klasse und Brüchen im Leben auf, die sehr berühren und lange nachhallen. (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Lesung mit Asal Dardan und Dmitrij Kapitelman

Das Freiluftkino Hasenheide wird in diesem Sommer zu einem Ort der Literatur.

Lesung mit Asal Dardan und Dmitrij Kapitelman. Ein gemeinsamer Abend zweier Schreibender mit ähnlichen Themen und sehr unterschiedlichen Texten.

wann? Freitag, 6. August 2021 um 18. 30 Uhr
wo? Freiluftkino Hasenheide

Zum Ticket hier entlang … klick!

(c) Sarah Berger

Asal Dardan ist als Kind iranischer Eltern in Deutschland aufgewachsen, die Erfahrung des Exils hat sie geprägt. Anhand ihres eigenen Lebens erzählt sie davon, wie tief die Brüche sind, die sich durch unsere Gesellschaft ziehen.

Klassengegensätze, Verdrängung der eigenen Geschichte, eine Fixierung auf die Herkunft – Asal Dardans literarische Gegenwartsbestimmung ist eine Auseinandersetzung mit den großen Themen unserer Zeit. Immer ist ihr Blick überraschend, immer ist ihre Analyse scharfsichtig.

Dmitrij Kapitelman, 1986 in Kiew geboren, kam im Alter von acht Jahren als »Kontingentflüchtling« mit seiner Familie nach Deutschland. Er studierte Politikwissenschaft und Soziologie an der Universität Leipzig und absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München. Heute arbeitet er als freier Journalist. 2016 erschien sein erstes, erfolgreiches Buch Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters, für das er den Klaus-Michael Kühne-Preis gewann.

Sein neuester Roman Eine Formalie in Kiew ist Danteperle!

 

 

 

 

Lesung mit Thorsten Nagelschmidt

(c) Verena Brüning

Das Freiluftkino Hasenheide wird in diesem Sommer zu einem Ort der Literatur.

Es startet Thorsten Nagelschmidt, der aus seinem großartigen Roman Arbeit lesen wird.

Thorsten Nagelschmidt, Sänger der Band Muff Potter, hat nach einigen Romanen und Erzählbänden einen Episodenroman verfasst – und was für einen! Es ist Sittengemälde der Stadt, ein dichtes Berlin-Porträt, speziell ein Kreuzberg-Roadmovie rund um den Kotti und eine Art Hommage an die Menschen der Nacht. Übrigens eine Danteperle

wann? Samstag, 26. Juni 2021 um 18.30 Uhr
wo? Freiluftkino Hasenheide

Zum Ticket hier entlang … klick!