LeUyen Pham: Drinnen & Draußen

Aus dem Amerikanischen von Inge Wehrmann, Thienemann Verlag 2021, 32 S., € 15.-, ab 4

Die Pandemie mit Quarantänen und Lockdownzeiten hat das Leben der Menschen auf der ganzen Welt gravierend verändert. Besonders für die Jüngsten waren diese langen Monate schwer zu ertragen und vor allem auch kaum zu verstehen. LeUyen Pham erzählt vom Leben, das nach drinnen wandert, dennoch draußen, wenn auch anders, weiter geht. Große Bildtafeln und kleine Detailbilder wechseln einander ab. Es gibt viel zu entdecken und Bilder wie auch der knapp gehaltene Text lassen viele Leerstellen für eigene Gedanken und Fragen. Auf jeden Fall ein Buch, um miteinander ins Gespräch zu kommen! Blick ins Buch

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Dawn McNiff & Zoe Waring: So viele liebe Lachgesichter

Aus dem Englischen von Rebecca Schmalz, Verlag Penguin Junior 2021, 10 S., € 10,-, ab 2

Gerade für die Jüngsten ist der pandemische Alltag mit Masken, versteckten Gesichtern und fehlender Mimik ein harter Start in das Leben. Dieses Pappbilderbuch mit vielen Masken-Klappen, hinter denen sich stets ein freundliches Gesicht verbirgt, kann da helfen, die vielen seltsam starren Gesichter zu verstehen. Auch wird lustig gereimt erklärt, dass sich so ein lächelndes Gesicht schon an den Augen erkennen lässt. Und am Ende lädt ein Spiegelfolienelement zum eigenen Ausprobieren ein.

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Julia Oesterling & Paran Kim: Die Ü-Maschine

Talisa Verlag 2021, 28 S., € 16,90, ab 4

In Lias Kita kommt es immer wieder einmal zu Missverständnissen, weil nicht immer alle gleich verstanden werden. Gerade bei den jüngeren Kindern dauert es oft lange, bis die Erzieher:innen wissen, was gemeint ist. Das ärgert Lia und sie entwickelt eine fantastische Übersetzungsmaschine. Nicht nur in der Kita funktioniert sie bestens. Auch mit dem Gemüsehändler Hasan kann Lia nun türkisch sprechen, und sogar ihre Eltern verstehen einander im Streit besser. In neun verschiedenen Sprachen wird diese Geschichte erzählt, in der sich schöner Weise auch die Erwachsenen sich auf ein fantasievolles Sprachspiel einlassen.

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Thierry Lenain & Stephanie Marchal: Mama, Papa, wer war vor mir da?

Aus dem Französischen von Andreas Illmann, Schaltzeit Verlag 2021, 28 S., € 15,-, ab 4

Sophia, bereits aus Vorgänger-Büchern des Autor:innen-Teams bekannt, möchte mal wieder etwas ganz genau wissen. Die Frage, wer vor ihr da war, führt dabei weit über ihre Familie hinaus. Die Eltern, die Großeltern, eine Ur…Oma, die als Sklavin aus Afrika verschleppt wurde, Urur…Opas, die vielleicht waschechte Ritter waren und noch weiter zurück bis zu einem enormen schwarzen Loch, für das Sophia selbst schließlich eine ganz überraschende Erklärung hat. Erneut eine wunderbar beiläufig und dennoch mit klaren Ansagen erzählte Bilderbuch-Geschichte aus dem Leben einer Mixed Race Familie. Blick ins Buch

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Kristin Roskifte: Alle zählen

Aus dem Norwegischen von Maike Dörries, Gerstenberg Verlag 2021, 64 S., € 20,-, ab 5

Stand Januar 2023

Leuchtendbunt kommt dieses großformatige Bilderbuch daher, jede Menge Menschen, die dichtgedrängt, riesige Schilder hochhalten. Und darum gehts in diesem Prachtbuch, das zurückhaltend mit einer zart gestrichelten Waldidylle beginnt, sich rasant steigert, bis am Ende Tausend (!) sehr diverse Menschen gemeinsam das Gleiche tun. Mit „Alle Zählen“ können Kinder nicht nur zählen lernen. Viel spannender ist es, durch genaues Betrachten und Blättern die Eigenheiten und Geheimnisse der Figuren zu entschlüsseln, die einiges miteinander zu tun haben. Bildunterschriften, Fragen und Hinweise schärfen den Blick für verborgene Details. So lassen sich detektivisch Zusammenhänge zwischen den Personen herstellen, macht es großen Spaß, sie aufzuspüren und zu schauen, was sie als nächstes tun. Die Schauplätze, vom Kinderzimmer über Schule, Notaufnahme, Fahrstuhl, Friedhof, Bibliothek, Gefängnis, Einkaufszentrum, Rummel, Marathon… bis zum Urlaubsstrand bieten Abwechslung und knifflige Verwicklungen. Für Spannung sorgt auch der Kontrast zwischen filigranen Details und den in praller Farbigkeit gezeichneten Protagonist:innen. Viel Stoff zum Darüber-Sprechen, Fabulieren und fürs Erfinden vielfältiger Geschichten – etwas für die ganze Familie bzw.  die ganze Einrichtung!

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Katharina Schönborn-Hotter, Lisa Sonnberger & Flo Staffelmayr, Anna Horak (Illustr.): Lina die Entdeckerin

Achse Verlag 2020, 32 S., € 22,-, ab 5

Lina ist neugierig und erforscht gern alle möglichen Dinge – auch ihren Körper. Besonders interessiert es sie, wie die Babys aus dem Bauch kommen. Das Autor:innen-Team schickt sie – in Reimen erzählt – auf eine Reise über den großen Venushügel zur Vulva, in die Vagina und Gebärmutter. Sachkundige Texte und detailreiche Illustrationen begleiten dies anschaulich. Blick ins Buch

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Audre Lorde: Sister Outsider

Aus dem Englischen von Eva Bonné und Marion Kraft. Hanser Verlag 2021, 256 S., € 20,-

(Stand Mai 2021)

1984 kam die US-amerikanische Dichterin, Theoretikerin, und Aktivistin Audre Lorde für einen ersten Lehraufenthalt an der Freien Universität nach Berlin.  Bis sie 1992 ihrer Krebserkrankung erlag, verbrachte sie viele Aufenthalte in der Stadt und prägte die feministische wie Schwarze Szene im damaligen West-Berlin maßgeblich. Sie gilt als Vorreiterin eines intersektionalen Denkens, das Geschlecht, Sexualität, Race und Klasse nie getrennt voneinander betrachtet, und das erst heute und langsam in den Köpfen der Allgemeinheit ankommt. Als Schwarze, lesbische Dichterin, Mutter eines Sohnes und Partnerin einer weißen Frau wusste Lorde aus persönlicher Erfahrung von vielfacher Diskriminierung zu berichten, war sich aber gleichzeitig ihrer Privilegien gegenüber anderen Schwarzen Schwestern nur zu genau bewusst. In ihren Reden, Essays und Briefen kämpft sie gegen Rassismus und Sexismus. Sie engagiert sich darin für ein Miteinander in allen Unterschieden, darum einander respektvoll Zuzuhören, auch wenn es schwerfällt. Darum die Wut der Marginalisierten anzunehmen, sie nicht nur auszuhalten, sondern kreativ damit umzugehen – und zwar gemeinsam. Vehement wirbt sie um Solidarität. Das hat heute, da die identitätpolitischen Diskurse in einer breiten Gesellschaft angekommen sind, nichts an Aktualität verloren und lohnt fast 40 Jahre nach der ersten Veröffentlichung endlich in deutscher Übersetzung entdeckt zu werden.  (Jana Kühn) Leseprobe

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Gaito Gasdanow: Schwarze Schwäne

Erzählungen. Aus dem Russischen übersetzt und mit einem Nachwort von Rosemarie Tietze, Hanser Verlag 2021, 272 S., € 24,-, TB dtv 2023, € 14,-

(Stand Februar 2024)

Was für ein Autor! Lange Zeit vergessen, ist Gasdanow nun dank des Hanser-Verlags endlich Werk für Werk auf Deutsch zu entdecken. Nach einer Reihe Romane hat die preisgekrönte Übersetzerin Rosemarie Tietze hier nun 9 Erzählungen ausgewählt, die zwischen 1927 und 1960 veröffentlicht wurden.
Gasdanow gehörte zum „Russischen Montparnasse“, junge russische Autoren, die erst im französischen Exil zu schreiben begannen und sich hierbei eher an Proust oder Joyce orientierten als an den russischen Klassikern. Sie wurden auch als die „unbeachtete Generation“ bezeichnet, denn ihre Werke erschienen in Frankreich auf Russisch und waren einer größeren Leserschaft oft nicht bekannt.
Gasdanows Geschichten erzählen von Exilanten, die sich neu erfinden müssen, schlecht Fuß fassen oder es zu unerwartetem Reichtum bringen, immer in der Leere zwischen der verlorenen alten und der nicht als einer solchen empfundenen neuen Heimat gefangen. Sie kreisen um ihre Erinnerungen oder ihre Verzweiflung, leben von Selbstbetrug, sind verletzlich, zynisch oder ohne Illusionen.
Es ist große Literatur, voll schmerzlicher Leichtigkeit und Schönheit, mit psychologisch feinfühlig gezeichneten Charakteren, die uns gefangen nimmt, zeitlos und gleichzeitig hochaktuell, angesichts des nicht abreißenden Stroms ins Exil gezwungener Menschen auch heute. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Bruno Ciccaglione: Radicchio

Mit Illustrationen von Linda Wolfsgruber. Mandelbaum Verlag 2021, 60 S., € 12,-

(Stand Mai 2021)

Für Gourmets und alle, die gern kochen und dabei lieber auf bunte Lifestylefotos verzichten, bietet die feine Reihe „mandelbaums kleine gourmandisen“ eine unschätzbare Fundgrube an Wissenswertem und Rezepten. In jedem Band wird eine einzige Gemüse-, Obst- bzw. Kräutersorte vorgestellt, geht es um ihren Geschmack, ihre Ursprünge und natürlich um tolle Rezepte.
Der 36. Band präsentiert das Zichoriengemüse, das die Menschen in Venetien liebevoll Fiore d’Inverno, Winterblume, nennen, den Radicchio, der in der wasserreichen Gegend rund um Venedig in einer reichen Sortenvielfalt kultiviert wird. Während er hierzulande eher noch ein Schattendasein führt, kennt die italienische Küche eine große Bandbreite an geschmacklichen Kombinationen, die die zarten bis kräftigen Bitterstoffe des Wintergemüses aufs Köstlichste zur Wirkung bringen. Radicchio in Rotweinessig und rosa Pfeffer mariniert, im Ofen mit Fenchel und Orange gebacken, als Suppe mit Bohnen, mit Safran zu Gnocchi verarbeitet, in salzigen oder süßen Kuchen, als Marmelade… Ohne viel Aufhebens sind die Rezepte nach zu kochen, einfach lecker! (Stefanie Hetze)

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Mariona Tolosa Sisteré: Das geheime Leben der Popel

Aus dem Spanischen von Ebi Naumann, Knesebeck Verlag 2021, 24 S., € 14,-, ab 4

(Stand Mai 2021)

Klebrige Schnoddernasen finden Kinder meist ausgesprochen faszinierend, Erwachsene dagegen ziemlich eklig. Genau richtig also für kleine Rotznasen, was hier so alles erklärt wird! Gleich auf der ersten Doppelseite erzählt Mariona Tolosa Sisteré in humorvoller Offenheit, dass man Popel schnäuzen kann, aber auch zu Kugeln kneten und natürlich … essen. Dann geht es aber richtig sachlich weiter, denn tatsächlich sind Popel regelrechte Superhelden im Abwehrmechanismus des menschlichen Körpers. Wie das sein kann und warum es gerade in der heutigen Zeit so wichtig ist, die Niesetikette einzuhalten, erklärt die Illustratorin in knappen eingängigen Texten, vor allem aber in farbenfrohen Bildtafeln. So lustig und trotzdem lehrreich kann ein Sachbuch sein! (Jana Kühn)
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