Aus dem amerikanischen Englisch von Pia Jüngert, Zuckersüß 2022, 40 S., € 24,90, ab 3
An einem Donnerstag erfährt ein Kind von seinen Eltern, dass sich diese trennen werden. Von da an ist der ehemalige Lieblingstag der schlimmste Tag der Woche. Ein Einhorn-Plüschtier wird zum Trost spendenden Begleiter, bis der Donnerstag endlich wieder ein normaler Wochentag sein kann. Wie vom Zuckersüß Verlag bestens bekannt, ist das Figurenensemble der Geschichte sehr divers aufgestellt. Die Farbpalette ist allerdings bei diesem Titel etwas sehr rosa-lila oder eben zuckersüß geraten. Das ist ein bisschen schade oder Geschmacksache, denn davon abgesehen ist es eine empowernde Bilderbuchgeschichte.

Das international ausgezeichnete Illustrator:innenpaar stellt in dieser zweisprachigen Ausgabe einen Klassiker des ukrainischen Märchenschatzes vor. Aus einem kleinen Samenkorn wächst ein zarter Spross und schließlich ein Rübchen, das immer immer größer wird. Opa Andruschka gelingt es allein nicht, das Rübchen zu ernten. Er ruft Oma Maruschkla, diese die Enkelin, diese den Hund usw. „… sie ackern und rackern, das Rübchen aber lässt sich nicht bewegen.“ So entsteht die Art Wiederholung, wie Kinder sie in Vorlesegeschichten lieben. Herrlich liebevoll, vor allem ausgefuchst auch die Gestaltung, denn die Buchseiten wachsen mit der Erntehelfer:innenkette mit – ein echtes Buchkunstwerk!
In den ersten Frühlingstagen besucht ein Kind mit seiner Oma und zwei ihrer Freundinnen den Garten. Wie einen Schatz verstecken sie kleine Samenkörner in den Beeten und warten ganz geduldig. Mit wenigen poetischen Worten und in warmen, immer jahreszeitlichen Farben erzählt das Bilderbuch, wie erste Pflanzen sprießen, wie geerntet wird und neue Samen entstehen – aber auch wie die Oma erkrankt, immer schwächer wird und am Ende stirbt. Eine vielschichtige Geschichte vom Reigen der Jahreszeiten, vom Wachsen, Gedeihen und Vergehen!
Mara, ein echtes Seeräubermädchen und Milo, ein richtiger Prinzessinnenjunge sind für immer beste Freunde! So verschieden ihre Charaktere, Vorlieben und Geschmäcker auch sein mögen, sie treffen sich im ausgelassenen fantasievollen Spielen. Als Maras Familie in den Sommerferien an die Ostsee reist, beginnt für die beiden Kinder eine Ewigkeit der Vermissung … Nils Pickert, den man als Autor und Aktivisten von Pinkstinks! kennt, erweist sich als großartiger Kinderbuchautor, der jenseits gängiger Gender-Klischees und voller Fabulierlust eine ganz besonders innige Freundschaftsgeschichte erzählt – einfach schön! Und Lena Hesses großzügige, detailreiche und warmherzige Illustrationen ergänzen die Geschichte aufs Schönste und machen sie zum Vorlese-Bilderbuch, für alle die schon länger zuhören können und dabei gerne Bilder anschauen.
Während sich ein Kind für das Zubettgehen vorbereitet und der Vater die Wohnung vom Tage aufräumt, verlässt die Mutter das Haus, um zur Arbeit zu gehen. Mit dieser Rahmengeschichte startet ein farbenfroh illustrierter Bilderreigen. Er zeigt Menschen, die arbeiten, während wir schlafen und führt dazu durch eine nächtliche Großstadt. Wir begegnen einer Reinigungskraft, einem Nachtwächter, Polizist:innen, Ärzt:innen, Bauarbeiter:innen, Künstler:innen und vielen mehr. Alle Tätigkeiten werden als wichtig und in gleichem Maße wertschätzend vorgestellt. Und am Ende erfahren wir auch den am meisten wichtigen Beruf der Mutter: Sie ist Busfahrerin und bringt alle sicher … Durch die ganze Nacht.
Voller Staunen erlebt ein Mädchen zum ersten Mal das Wunder von Schnee, der den noch bunten Garten mit zartem Weiß bedeckt. Aufgeregt läuft das Kind zur Großmutter, die verspricht, zu erzählen, woher der Schnee kommt. Und sie beginnt ein altes persisches Märchen, in dem es um unerfüllte Liebe und das nie nachlassende Warten auf Glück geht. Die bezaubernde Naneh Sarma, die hoch über den Wolken lebt und für Schnee, Regen und Hagel auf der Erde verantwortlich ist, ist in Nouruz verliebt, der nur einmal im Jahr, am 21. März erscheint, und ausgerechnet dann schläft sie tief. So muss sie weiter warten und auf das nächste Frühjahr hoffen. . .
Die Vorfahrinnen der Protagonistin Ursa haben eine verheerende endlose Abfolge an rassistischer und sexualisierter Gewalt erlitten als Abhängige eines brutalen Sklavenhalters, der sie missbrauchte, vergewaltigte und ausbeutete. Das Einzige, was den Frauen blieb, war, dass ihre jeweilige Nachfahrin Zeugnis ablegen konnte von dem, was ihnen angetan worden war. Erst Ursa hat die Chance, ein selbstbestimmteres Leben zu führen als Bluessängerin. In ihren Songs singt sie vom Schmerz und der Schwarzen angetanen Gewalt und erfüllt so den Auftrag, das Vermächtnis weiterzugeben. Doch die sozialen und zwischenmenschlichen Verhältnisse lassen sie der Spirale aus Willkür, Rassismus und Sexismus nicht entkommen. Tief eingegraben ist sie in Psyche und Körper. Was für ein Buch! Es berührt, verstört und gräbt sich tief in eine/n ein. Pieke Biermann hat in ihrer grandiosen Neuübersetzung einen eigenen Sound für den Blues des 1975 erstmals erschienenen Originals gefunden. Im Nachwort gibt sie einen Einblick in die Herausforderung, diesen herausragenden Roman über das Erbe der Sklaverei zu übersetzen. Ein gefeierter Meilenstein Schwarzer Literatur ist endlich hierzulande zugänglich. (Stefanie Hetze)
Eine Kindheit auf dem Land in Rheinland-Pfalz in den achtziger Jahren. Ela wächst in einer Familie auf, in der der Mann bestimmt, wie seine Frau sich zu verhalten hat, wie sie mit Geld umgehen soll und sogar, dass sie ihr Gewicht verringern muss. Elas Mutter ist in den Augen ihres Mannes zu dick. Dennoch sieht die Tochter eine schöne, starke, unabhängige Frau, die versucht, ungebrochen ihren Weg zu Selbstbestimmung zu finden. Der Weg ist nicht einfach, viele gesellschaftliche und familiäre Normen stehen dazwischen… Es sind ja die achtziger Jahre.