Nun schon zum zweiten Mal laden wir gemeinsam mit dem Salon Obermaier zur literarischen Matinee.
Diese führt uns nach Italien zu einem Roman zu vier Händen, 1959 eine literarische Sensation und seiner Zeit weit voraus und für uns heute eine große Freude der Wiederentdeckung: Großes Feuer von Bianca Garufi und Cesare Pavese, soeben im Atlantis Verlag erschienen.
Dass Cesare Pavese gemeinsam mit einer Verlagskollegin einen Roman verfasste, ist hierzulande weitgehend unbekannt. Großes Feuer erzählt eine ungeheuerliche Geschichte, die Züge einer griechischen Tragödie trägt. Die wechselnde Erzählperspektive legt Schicht für Schicht nicht nur die Missverständnisse zwischen den beiden Liebenden offen, sondern auch Unerhörtes. Die renommierte Übersetzerin Maja Pflug wird uns im Gespräch mit ihrer Verlegerin und Lektorin Daniela Koch von ihren Erfahrungen, Herausforderungen und Glücksmomenten während ihrer Neuübersetzung erzählen.
Wann? Sonntag, 23. Oktober 2022 – Ankommen ab 11.30 Uhr, Beginn 12 Uhr
Wo? OBERMAIER. Restaurant-Salon – Erkelenzdamm 17, 10999 Berlin
Eintritt 5 €
Reservierung: salon@obermaier-kreuzberg.de und info@danteconnection.de


Anne Gröger
Wer möchte eine Liebesgeschichte wie nicht von dieser Welt lesen? So preist sie zumindest schon der Verlag auf dem Buchrücken an. Wie ernst es Autor Nils Mohl aber buchstäblich damit ist, erschließt sich erst peu à peu. Der schüchterne und sehr zurückhaltende Ponger, dessen Aufenthaltsstatus in Deutschland schwierig ist – warum genau klärt sich erst gen Ende – begegnet der vorwitzigen und sehr selbstbewussten Henny in der Hamburger U-Bahn. Beide lesen das gleiche Buch und es gibt diesen einen, fast magischen Moment … Doch dieser endet jäh in einem Polizeieinsatz, Henny verschwindet und Ponger ist noch mehr eingeschüchtert. So leicht lässt sich eine Henny jedoch nicht abschütteln. Mehr soll hier nicht gespoilert werden, denn viel wichtiger als was Nils Mohl erzählt, ist, wie er das tut – nämlich famos, verdichtet und in stakkatoartigen Kürzest-Kapiteln. Dabei zeigt sich stilistisch zum einen der Dichter Mohl, denn wirklich jedes Wort sitzt hier und der Text hat einen bestechenden Rhythmus, der geradezu einlädt, laut gelesen zu werden. Zum anderen gelingt es dem ausgezeichneten Jugendbuchautor Mohl, unaufgesetzt, gänzlich kitschfrei und fast schon schnodderig von den Unsicherheiten der ersten Liebe zu erzählen. (Jana Kühn) 

Bita Plant ist im jamaikanischen Dorf Banana Bottom geboren und aufgewachsen. Nach einer schwierigen Kindheit wird ihr von den Pastoren Malcolm und Priscilla Craig geholfen, nach England auszuwandern, wo sie sieben Jahre lang im Internat ausgebildet wird. Bei ihrer Rückkehr nach Jamaika muss sie feststellen, dass ihr kulturelles Erbe mit der neu erworbenen Lebensweise in Konflikt steht. Dennoch fängt sie an, ihr Heimatland wiederzuentdecken und die Pläne, die ihre Pflegeeltern für sie haben, lösen sich in Luft auf … Humorvoll und scharfsinnig, wird diese charmante Coming-of-Age-Geschichte in einer schönen, sanften Prosa erzählt. Durch intensive Dialoge und empfindsame Beschreibungen der karibischen Landschaften und des Landlebens zeigt der Autor ein zweifelloses Talent, die inneren Mechanismen und die Sehnsüchte der menschlichen Seele zu zeigen. Claude McKays „Banana Bottom“ war ein Vorbild für Zora Neale Hurstons 1937 erschienenen Roman „Vor ihren Augen sahen sie Gott“. Es wurden bisher keine Bücher des Autors ins Deutsche übersetzt. Eine großartige Entdeckung! (Giulia Silvestri)
Felice wächst in der Sanità auf, dem berüchtigtsten Viertel Neapels, beherrscht von organisierter Kriminalität und Gewalt. Von klein auf ist er eng mit Oreste befreundet, der ihn jedoch gegen sein eigenes Bauchgefühl zu immer riskanteren Raubüberfällen überredet. Als der Einbruch bei einem weithin bekannten Wucherer in einer Tragödie endet, schafft Felice – erst 16 Jahre alt – den Absprung und geht mit einem Onkel zur Arbeit bei einer Baufirma nach Beirut. 45 Jahre lang wird er nicht nach Italien zurückkehren, doch die Vergangenheit und der Mord, für den er sich mitverantwortlich fühlt, lassen ihn nicht los. Als seine Mutter im Sterben liegt, kehrt er in das Viertel seiner Jugend zurück und muss sich den Dämonen in seinem Kopf sowie Oreste – mittlerweile ein Boss der Camorra – stellen.
Wieder hat der doppeltbegabte Jakob Wegelius als Autor und Illustrator das Superlativ einer spannenden Abenteuergeschichte für Kinder (und Erwachsene) gezaubert. Es geht kreuz und quer durch ein Europa von vor gut 100 Jahren, als sich zu Dampfmaschinen und Pferdekutschen die ersten Autos und Telefone gesellten. Die Gorilladame Sally Jones, die die menschliche Sprache versteht, so gut lesen wie schreiben kann und über vielerlei Fähigkeiten verfügt, tippt in ihre mechanische Schreibmaschine, wie sie und ihr Chief, der Seemann Henry Koskela, eine wertvolle Perlenkette zurückgeben möchten. Nur wem? Spuren führen nach Schottland, wohin sich die beiden aufmachen. Da geraten sie in die Fänge einer Schmugglerkönigin, die wiederum von einem Konkurrenten bedroht wird. Die Bandbreite an Ganoventypen in diesem Roman ist groß. Erst einmal statten Wegelius und seine Übersetzerin Haefs sie mit schillernden, schön-schaurigen Klischees aus, die sie jedoch durch die Perspektive der mit einem tiefen Gerechtigkeitssinn ausgestatteten Gorilladame in einem anderen Licht erscheinen lassen. Dazu kommen die Twists in der Handlung, die für überraschende Wendungen und Ortswechsel sorgen, die fein-ziselierten Illustrationen, Format, Ausstattung, es stimmt einfach alles. Viel Spaß beim Lesen! (Stefanie Hetze)
„Elvis Gursinski“ trägt diesen absurden Namen, wohnt auf einem Friedhof und glaubt an Geister. Dalia al Nour, das krasseste Mädchen der Schule (ihre Nackenklatscher sind berüchtigt), interessiert sich normalerweise nicht für Typen wie ihn. Aber ihre Großmutter hat eine Schwäche fürs Übernatürliche und macht sich Sorgen um diese komische kleine Familie auf dem Friedhof. Dalia soll ein Auge auf Elvis haben, ausgerechnet. Doch dann geschehen seltsame Dinge im Haus der Gursinskis und (später) auf dem Friedhof …
Wir laden herzlich ein zu einem kostenlosen Online-Seminar zum Thema „Ich bin ein Kind – ich habe Rechte!“ in Zusammenarbeit mit der Fachstelle Kinderwelten!