Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki, Zsolnay Verlag 2018, 240 S., € 22,-
(La compagnia delle anime finte, BEAT 2019, ca. € 16,50)
(Stand März 2021)
Am Totenbett ihrer Mutter erinnert sich Rosa an deren Leben. Vincenzina, aus einer armen, kinderreichen Familie auf dem Land, verliebt sich in den großbürgerlichen Rafele. Gegen den Willen seiner Familie heiraten sie und ziehen in das ärmliche Viertel am Hügel von Capodimonte in Neapel. Hier wächst Rosa auf, vertraut mit der Armut, die bei vielen zu innerer Härte führt. Als Rafele an Krebs erkrankt, verschuldet sich Vincenzina zunächst, um die Medikamente zu bezahlen, und wird nach seinem Tod selbst zur Geldverleiherin. Rosa begleitet sie in die ärmlichen Behausungen ihrer Schuldner, da sie die Schule besucht und rechnen kann. Eindrucksvoll sind die Beschreibungen des harten Lebens im Viertel und seiner Bewohner. Selten wurde Neapel, diese Stadt zwischen Paradies und Hölle, so eindrucksvoll und frei von jedem Klischee beschrieben. Annette Kopetzki hat die höchst poetische Prosa Wanda Marascos mit viel Sprachgefühl übertragen. Familiengeschichte, individuelle Schicksale und das Portrait einer Stadt verweben sich hier zu einer faszinierenden Lektüre. (Syme Sigmund) Leseprobe

Shayan, 18, beobachtet einen Mord in einem Ferienhaus. Beim Versuch, dem Opfer noch zu helfen, hinterlässt er aus Versehen seine Fingerabdrücke, und zu Hause liegt auch noch ein ungeöffneter Brief, wahrscheinlich der Abschiebebescheid, denn Shayan kommt aus dem Iran und hatte Asyl beantragt. Zusammen mit Davy (8 Jahre, aus einem Heim entwischt) haut er ab, auf der Flucht vor der Polizei und den wahren Mördern. So beginnt ein rasant-skurriler Roadtrip, von der Ostsee über Berlin und den Rhein bis nach Bayern, erzählt von Shayan selbst, dem Deutschland, seine Eigenheiten und seine Sprache noch reichlich viele Rätsel aufgeben, und in dem Kühe, Kaninchen, Wurstgulasch und das Mädchen Lotta keine unwesentliche Rolle spielen. Dass die jungen Leser nebenher nicht nur viel über den Iran und die Situation der dort lebenden Jugendlichen erfahren, sondern auch Deutschland mit anderen Augen zu sehen lernen, ist ein schöner Nebeneffekt dieses höchst komischen und doch viel Ernsthaftes enthaltenden Romans. (Syme Sigmund)
Joanna Ostrowska ist Historikerin und LGBTI Aktivistin aus Warschau. Gemeinsam mit Lutz van Dijk hat sie die polnische Ausgabe der Jugenderinnerungen des einzigen bisher bekannten polnischen schwulen Mannes herausgegeben, der im besetzten Polen nach § 175 verurteilt worden war.
Seit neuestem befinden wir uns in bester Gesellschaft auf der Website des
Italien ist seit jeher von unendlichen Strömen Reisender von Nord nach Süd beschrieben worden, das Land scheint komplett auserzählt zu sein. Was für eine Überraschung ist es dann, mit dem vor kurzem übersetzten Buch des Reiseschriftstellers Paolo Rumiz eine der letzten unbekannten Terrains Italiens zu entdecken! Mit wechselnden Begleitern und unterschiedlichen Booten ist er 
Dass Maureen Phelan ihren Sohn um Hilfe bittet, scheint erst einmal eine Selbstverständlichkeit. Bei der Tatsache, dass ihr Problem eine Leiche auf dem Küchenfußboden ist, sieht das schon anders aus. Sohn Jimmy – aka J.P. DER Gangsterboss der Stadt Cork – reagiert zwar verärgert, weiß aber dennoch sofort Rat. Was keiner von beiden auch nur ahnen kann ist, wie folgenreich sich die Entsorgungsaktion nicht nur auf ihrer beider Leben auswirken wird. Eine fatale Kettenreaktion! Geschickt entwickelt McInerney eine ganze Parade vom Leben hart erprobter Protagonisten und verknüpft diese zu einer Millieustudie des heutigen, krisengebeutelten Irlands: jugendliche Dealer, berauschte Liebespaare und Alkoholiker-Eltern, Prostituierte, Priester und Frömmler. Dabei liest sich der Debütroman keinesfalls bedrückend, denn McInerney erzählt ungemein abwechslungs- und temporeich, brutal wie einfühlsam, schwarzhumorig und bitterböse. Ein Sozialstudien-Lovestory-Krimi-Knaller, den man kaum aus der Hand legen kann! (Jana Kühn)
Als Antons alleinerziehende Mama pünktlich zum Ferienbeginn ihre Arbeit verliert, stehen die Zeichen erst einmal schlecht für eine tolle Reise, so wie die von denen andere Kinder in den letzten Schultagen immer wieder erzählt haben. Doch der Sommer wird gegen alle Regeln und mit einfachsten Mitteln trotzdem unvergesslich. Not macht eben erfinderisch und so zeltet die kleine Familie plus Meerschwein mitten im Wald auf einer malerischen Lichtung. Das Ferienleben im Wald ist irgendwie herrlich unaufgeregt, trotzdem nie langweilig dank phantasievoller Spielideen. Und mit den Kindern vom nahen Campingplatz bahnen sich für Anton überraschende Freundschaften an. Nele Palmtags Illustrationen fangen mit liebevollen Details perfekt die unspektakulär schöne Ferienstimmung ein. Ein ausgesprochen feinfühlig und mit leisem Humor erzähltes, ganz besonderes Campingabenteuer! (
Es ist immer eine Riesenfreude, wenn vielfältige Kinderbücher (zum Beispiel von 
gegenwärtigen politischen Konflikten verknüpft Melandri mit dem Schicksal der heutigen Geflüchteten – und stellt die Schlüsselfragen unserer Zeit: Was bedeutet es, zufällig im »richtigen« Land geboren zu sein, und wie entstehen Nähe und das Gefühl von Zugehörigkeit?