Anete Melece: Der Kiosk

Atlantis Verlag 2020, 40 S., € 15,-, ab 5

Melece_Anete_Der_Kiosk_Danteperle_Dante_ConnectionOlga, eine ziemlich rundliche Frau, hat sich in ihrem kleinen bunten Kiosk, der mitten in einer grauen Stadt steht, eingerichtet. Sie kennt ihre Kundinnen und Kunden genau, verkauft ihnen Zeitschriften, Getränke, Süßigkeiten und schwatzt mit ihnen. Abends schließt sie die Läden und macht es sich, so gut es geht, in der Enge auf ihrem Sessel gemütlich. Sie träumt vom Reisen, von Sonnenuntergängen am Meer, von all dem, was nicht geht, da sie ihren Kiosk nicht mehr verlassen kann. Da geschieht etwas, das sie mitsamt ihrer Behausung gehörig in Bewegung bringt und sie ihre Träume verwirklichen läßt!
Diese schöne befreiende Phantasie, die uns allen derzeit besonders wohltut, hat sich die lettische Künstlerin  Anete Melece in einem farbensprühenden leuchtenden kraftvollen Bilderbuch ausgemalt. Es gibt so viel zu schauen für die Kinder, der Kiosk von draußen und drinnen, die unterschiedlichsten Menschen, das städtische Leben, Freizeit am Meer und immer wieder Olga und ihre Gefühle. Großformatige Bilder wechseln dynamisch mit kleinen Comicszenen ab, es gibt winzige Details und Landschaften aus der Vogelperspektive. Die handgeschriebenen kurzen Texte sind auf den Punkt gesetzt. Das alles zusammen ist nicht von ungefähr großes Kino. Der Ursprung für „Der Kiosk“ ist ein Animationsfilm der Künstlerin, die in  ihrem Bilderbuch Olgas Geschichte zum Teil anders erzählt und es  darüberhinaus als greifbares Objekt einsetzt. Das Kioskfenster ist ausgeschnitten, Kinder können mit dem Buch Kiosk – und was ihnen sonst noch einfällt – spielen. (Stefanie Hetze) Blick ins Buch
Der Film

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Lily Brett: Lola Bensky

Aus dem amerikanischen Englisch von Brigitte Heinrich, Suhrkamp Verlag 2012, € 19,95, TB Suhrkamp 2013, € 9,99

brett-lola-bensky_danteperle_dante_connection-buchhandlung-berlin-kreuzbergDas neue Alter Ego der Autorin ist Lola Bensky, eine dickliche junge Australierin, Tochter polnischer Auschwitzüberlebender, die per Zufall zur Musikjournalistin wird und die Rockgrößen der Sechziger interviewen darf. Um Mick Jagger, Janis Joplin, Jimi Hendrix und all die anderen zum Sprechen zu bringen, schafft sie einen intimen Raum, indem sie von sich, von den Ermordeten ihrer Familie, von ihren Gewichts-problemen erzählt, was zu erstaunlichen Begegnungen mit den Stars führt.  Auf ihre unnachahmliche Art ist Lily Brett  ein berührender, zugleich äußerst unterhaltsamer Roman gelungen und nebenbei ein Dokument der Musikgeschichte. (Stefanie Hetze)