Helon Habila: Öl auf Wasser

Aus dem Englischen von Thomas Brückner, Unionsverlag 2019, 256 S., € 12,95

HabilaRufus ist ein junger Journalist, der sich mit seinem Job bei einer kleinen Zeitung über Wasser hält. Als sich ihm die Gelegenheit bietet, mit dem legendären Reporter Zaq die von Rebellen entführte Ehefrau eines englischen Ölingenieurs aufzuspüren, lässt er sich diese nicht entgehen. Die Reise führt sie in die Sümpfe des Nigerdeltas, eine vergiftete apokalyptische Welt, in der Vögel und Fische sterben, die Mangroven von einem Ölfilm überzogen sind, die Landschaft unter Pipelines begraben liegt, die Nacht von Abgasfackeln erhellt wird und die Fischer, ihrer Lebensgrundlage beraubt, entweder ins Elend der Slums oder zu den Rebellen getrieben werden. Zwischen die Fronten geratend, erfahren Rufus und Zaq hautnah, wie die Soldaten, welche die Rebellen bekämpfen sollen, die lokale Bevölkerung terrorisieren und Macht- gepaart mit Habgier die Menschenrechte mit Füßen treten. Ein spannend und großartig geschriebener Krimi, der uns drängend vor Augen führt, welchen Preis Menschen und Natur für die von internationalen Großkonzernen verschuldete Umweltkatastrophe in Nigeria zahlen müssen.
Der Roman war 2012 auf Deutsch bei Wunderhorn erschienen und lange vergriffen. Wir freuen uns sehr, dass er vom Unionsverlag nun als Taschenbuch wieder aufgelegt wurde. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Kojo Laing: Die Sonnensucher

Edition Büchergilde – Weltlese 2015, Hrsg. v. Ilija Trojanow. Aus dem Englischen von Thomas Brückner. € 22,95

18_laing_-sonnensucherGhana, die chaotisch-quirlige Hauptstadt Accra in den Siebziger Jahren – hier leben exzentrisch-zerrissene Individuen, die ständig auf der Suche sind und zum großen Teil recht abstruse Träume haben. Da ist ein alter Mann, der Spenden für eine Dorfneugründung erbettelt, eine junge Frau, die fliegen kann, einer, der versucht Rennpferde als Ackergäule einzuschmuggeln… Sie alle zeichnen sich durch eine phantastische überreiche Gefühlswelt aus. Konkrete Dinge haben für sie selbstverständlich ein Eigenleben. Europäische Lesegewohnheiten sind da erst einmal irritiert. Aber taucht man erst einmal ein in diese verschlungenen surrealen Welten, die durch viel Gelächter immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt werden, lässt sich ein großes Leseabenteuer erleben. Lange vergriffen ist dieser virtuose Klassiker der afrikanischen Moderne jetzt endlich wieder zu entdecken. (Stefanie Hetze)