Antonia Michaelis: Tankstellenchips

Oetinger 2018, 368 S., € 18,-, ab 14

Michaelis Tankstellenchips Danteperle DanteconnectionShayan, 18, beobachtet einen Mord in einem Ferienhaus. Beim Versuch, dem Opfer noch zu helfen, hinterlässt er aus Versehen seine Fingerabdrücke, und zu Hause liegt auch noch ein ungeöffneter Brief, wahrscheinlich der Abschiebebescheid, denn Shayan kommt aus dem Iran und hatte Asyl beantragt. Zusammen mit Davy (8 Jahre, aus einem Heim entwischt) haut er ab, auf der Flucht vor der Polizei und den wahren Mördern. So beginnt ein rasant-skurriler Roadtrip, von der Ostsee über Berlin und den Rhein bis nach Bayern, erzählt von Shayan selbst, dem Deutschland, seine Eigenheiten und seine Sprache noch reichlich viele Rätsel aufgeben, und in dem Kühe, Kaninchen, Wurstgulasch und das Mädchen Lotta keine unwesentliche Rolle spielen. Dass die jungen Leser nebenher nicht nur viel über den Iran und die Situation der dort lebenden Jugendlichen erfahren, sondern auch Deutschland mit anderen Augen zu sehen lernen, ist ein schöner Nebeneffekt dieses höchst komischen und doch viel Ernsthaftes enthaltenden Romans. (Syme Sigmund)

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Pija Lindenbaum: Pudel mit Pommes

Aus dem Schwedischen von Kerstin Behnken, Oetinger 2018, 32 Seiten, € 15,-, ab 4

Lindenbaum_Pudel_mit_Pommes_DanteConnection_DanteperleDie schwedische Kinderbuchmacherin Pija Lindenbaum ist bekannt für ihren unverfälschten wie fröhlichen, immer ein bisschen frechen Blick in Kinderwelten. Mit einem ebensolchen hat sie sich in ihrem neuesten Bilderbuch den Themen Flucht und Migration gewidmet, die sie in eine farbenfrohe Hunde-Fantasie-Welt verlegt. Dort leben drei Hunde auf einer ziemlich schönen Insel. Aber dann regnet es so lange nicht, bis sie nur noch eine Kartoffel haben und es wirft auch noch jemand einen großen Stein in ihren Pool. Sie können dort nicht bleiben, müssen fort. Wie die Drei ihre Insel über das Meer verlassen, erzählt Lindenbaum ohne zu beschönigen in allen Gefahren und Entbehrungen – bis endlich Land in Sicht kommt und damit auch die Pudel und davon gibt es wie im echten Leben nette und blöde. Viele Bilderbücher haben sich an der Thematik versucht. Dieses ist herausragend in seiner Direktheit vom Wunsch nach einem Zuhause zu erzählen, die anrührt und dabei viel Mitgefühl, Hoffnung und Gesprächsbedarf wecken wird.  (Jana Kühn)

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Kirsten Boie: Entführung mit Jagdleopard

Mit Illustrationen von Susann Opel-Götz. Oetinger 2015, € 12,99, ab 10

53_boie_entfuehrung_mit_schneeleopard_buchhandlung_dante_connection_danteperleJamie-Lee wohnt in der 11. Etage eines tristen Hochhauses, das mitten in einem sogenannten Problemviertel steht. Ihre Mutter ist Alkoholikerin, ihr großer Bruder geht nur selten zur Schule und gibt das wenige Geld schon mal lieber für Zigaretten aus – aber dann eben Chips zum Frühstück. Jamie-Lee ist lebensklug und sehr pragmatisch. Ausgerechnet als ihre Mutter ins Krankenhaus muss, die geliebte Oma nach Polen fährt und deshalb das Jugendamt schon sehr nervös klopfen kommt, trifft sie Fee. Die Millionärstochter ist auf der Flucht vor ihrer gemeinen Stiefmutter. Kurzerhand nimmt Jamie-Lee sie mit nach Hause. Und ab jetzt wird es richtig wild, denn nur wenig später lernt das Mädchen einen Obdachlosen und seinen alternden Jagdleoparden Kröger kennen – und bringt auch diese bei sich zuhause unter. Der Leopard ist irgendwie geklaut und die Polizei sucht schon in der ganzen Stadt nach Fee. Und nun? Der soziale Spagat zwischen den beiden Mädchen und ihren Familienverhältnissen wirkt anfangs etwas gewagt, doch gelingt der Autorin in großer Fabulierlust ein meisterlicher Spannungsbogen mit ungewöhnlichen und überzeugenden Figuren, sehr viel Witz und jeder Menge Sozialkolorit. (Jana Kühn)