Attica Locke: Bluebird, Bluebird

Aus dem Amerikanischen von Susanna Mende, Polar Verlag,  327 S., € 20,-

Locke_Attica_Bluebird,_Bluebird_Danteperle_Dante_ConnectionEin Kaff in der tiefsten Provinz in Texas mit nur einem Café, in das die Schwarzen gehen, und einer Bar für Weiße, dem Treffpunkt der „Aryan Brotherhood of Texas“. Dazu der Highway durch den Ort, der außer dem Café der schwarzen Genoveva komplett einem Weißen gehört. Das ist das Setting, an dem zwei Morde passieren, der erste an einem unbekannten Schwarzen, einem durchreisenden  BMW-Fahrer in städtisch-teuren Klamotten, der zweite an einer jungen weißen Kellnerin, die mit einem Redneck verheiratet war. Der hiesige  Sheriff interessiert sich nur für den Mord an der blonden Weißen. Selbstverständlich ist jeder hier bewaffnet und lässt sich nicht in die eigenen Karten gucken, wie Darren Matthews, der übergeordnete schwarze Gesetzeshüter, ein eigentlich suspendierter Texas Ranger, schnell feststellt.
Was sich aus dieser hochexplosiven Gemengelage und den vielen Erscheinungsformen von Rassismus, von Hass, Angst und Gewalt entwickelt, ist leider erschreckend aktuell. Was diesen Krimi jedoch atemberaubend macht, ist wie die Autorin die Wucht alter und neuer Liebes- und Familiengeschichten mit den sozialen Beziehungen in einem zutiefst rassistischen Land verzahnt. (Stefanie Hetze)

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Iori Fujiwara: Der Sonnenschirm des Terroristen

Aus dem Japanischen von Katja Busson. Cass Verlag 2017, 352 S., € 19,95

Fujiwara_Iori_Der_Sonnenschirm_des_Terroristen_Dante_Connection_DanteperleEin Sommertag Anfang der 90er Jahre in Tokyo – wie immer liegt der alkoholsüchtige Barbetreiber und Loser Shimamura whiskytrinkend im Park. Es sind viele Leute dort, auch ein Mädchen, das sich nicht wie die anderen vor ihm wegdreht, sondern ihn wegen seiner zittrigen Hände anspricht. Plötzlich geht eine Bombe hoch, gibt es jede Menge Tote und Verletzte und ebenso plötzlich holt Shimamura seine Vergangenheit ein. Jahrzehntelang hatte er anonym in Deckung gelebt, denn er war nicht aus Japan geflohen wie Kuwano, sein Kumpel aus militanten Studentenrevoltenzeiten. Ihnen beiden war ein tödliches Attentat auf einen Polizisten zur Last gelegt worden. Wie in einem Déjà-vu ist Shimamura wieder an einem Tatort, an dem u.a. ein hoher Polizeibeamter ums Leben kommt, und gerät erneut mitten ins Visier der Ermittler. Nur er, der alkoholkranke und bettelarme Hauptverdächtige kann seine eigene Unschuld beweisen und gleichzeitig muss er unbedingt herausfinden, was mit dem Mädchen geschehen ist. Eine rasante Tour seiner Ermittlungen beginnt, bei der er in die Fänge der Polizei und der Yakuza gerät, in die Odachlosenszene und die der Finanzwelt einsteigt und sich vieles als ganz anders entpuppt, als es scheint. Feinste spannungsreiche Krimikunst und eine tolle Entdeckung des Cass Verlags! (Stefanie Hetze)

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