Elvira Dones: Hana

Aus dem Italienischen von Adrian Giacomelli. Mit einem Nachwort von Ismail Kadare. Ink Press 2016, 252 S., € 19,00

(Vergine giurata, Feltrinelli 2016, €13,50)

 

In den Bergen im Norden Albaniens herrscht auch in kommunistischen Zeiten eine archaische Welt, in der die Geschlechterrollen fest zementiert sind. Für Frauen gibt es gar keinen Bewegungsraum. Nur wenn sie Jungfrau sind und ganz ihrem Geschlecht entsagen, können sie übertreten und als Mann lebend männliche Rechte erwerben. So bestimmt es das Gewohnheitsrecht Kanun.

Um für ihren schwerkranken Onkel Medikamente aus der Stadt besorgen zu können und einer Verheiratung zu entgehen, bleibt der jungen Hana keine andere Wahl, als einen Schwur abzuleisten und äußerlich zu einem Mann zu werden. Blitzschnell verwandelt sie sich in den fluchenden, trinkenden LKW-Fahrer Mark, der sich vor allem und jedem abschottet. Die literatur- und männerliebende Hana bleibt tief in ihrem Inneren verborgen. Erst viele Jahre später kann Mark über den Umweg des amerikanischen Exils versuchen, wieder zu Hana zu werden, das bedeutet zu einem begehrenden und begehrten komplexen Menschen. Das gestaltet sich alles andere als leicht. Um so erstaunlicher, wie mühelos und bravourös die Autorin diesen Prozess mit ihrem im Original auf Italienisch geschriebenen Roman beschreibt. Ein großes Lesevergnügen, das sehr zum Nachdenken über Gender anregt. (Stefanie Hetze)

Leseprobe

Das bestelle ich!

Edmondo de Amicis: Liebe und Gymnastik

Aus dem Italienischen von Barbara Kleiner, Manesse 2013, € 19,95. Italienische Ausgabe: Amore e ginnastica. Einaudi 2010, € 12,25

Liebe und Gymnastik von Edmondo de Amicis

Was für ein Titel! Schauplatz dieses literarischen Kleinods ist ein bürgerliches Haus im Turin des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Don Celzani, ein verklemmter ehemaliger Priesterseminarist, verliebt sich in die durchtrainierte Gymnastiklehrerin und Kämpferin für Frauensport Maria Pedani. Er, ein stotternder Hasenfuß voller erotischer Phantasien, sie, eine selbstbewusste junge Frau mit einer klaren  Mission, umgeben von einer Schar intrigierender Mitbewohner –  das kann eigentlich nicht gutgehen…
Der Manesse Verlag hat diese charmante Komödie zur Genderfrage, ursprünglich 1862 veröffentlicht, erstmals seit hundert Jahren von Barbara Kleiner in einer wunderbaren Übersetzung neu herausgebracht. Ein großes Lesevergnügen. (Stefanie Hetze)