Monique Truong: Sweetest Fruits

Aus dem Englischen von Claudia Wenner, C.H. Beck Verlag 2020, 347 S., € 23,-

truongDer Journalist und Reiseschriftsteller Lafcadio Hearn wurde 1850 auf der griechischen Insel Lefkas geboren. Sein irischer Vater war dort als britischer Militärarzt stationiert, seine Mutter war Griechin. In Irland und England in Internaten aufgewachsen ging er als junger Mann nach Amerika und später – nach verschiedenen Reisen unter anderem in die Karibik – nach Japan, wo er sein Sehnsuchtsland fand, die Tochter eines Samurai ehelichte und 1904 verstarb. Hugo von Hofmannsthal trauerte bei der Nachricht seines Todes um die „unvergleichliche Stimme“, Stefan Zweig rühmte den „überschwebenden Glanz“ seiner Beschreibungen. Monique Truong zeichnet sein Leben durch die intensiven Stimmen dreier Frauen nach – seiner Mutter, seiner afroamerikanischen Ehefrau, von der er nach wenigen Jahren wieder geschieden wurde, sowie seiner japanischen Gattin, mit der er drei Kinder hatte. So entfaltet sich nach und nach ein vielschichtiges Bild dieses außergewöhnlich sensiblen und poetischen Mannes und seiner Suche nach Zugehörigkeit. Zur erweiternden Lektüre sei der gleichfalls bei C.H. Beck erschienene Band mit Reportagen „Vom Lasterleben am Kai“ empfohlen. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Edith Wharton: Ethan Frome

Aus dem amerikanischen Englisch und mit einem Nachwort von Claudia Wenner. Marix Verlag 2017, 191 S., € 18,00

Wharton_Edith_Ethan_Frome_Dante_Connection_Buchhandlung_DanteperleEdith Wharton, berühmt für ihre Romane, in denen sie die Schattenseiten der New Yorker High Society aufdeckte und anprangerte, verfolgte mit Ethan Frome ein völlig anderes literarisches Ziel. Sie wollte das harte, buchstäblich auf Granit gebaute Leben in den abgelegenen Bergdörfern Neuenglands schildern und wählte dafür eine strenge Form, einen Kurzroman mit einer Rahmenhandlung und einem Zeitsprung, der das Drama ihrer Geschichte in ein kaum aushaltbares, da lebenslang andauerndes, Ausmaß katapultiert.
Die Geschichte hat es schon x-fach gegeben: ein junger armer Mann verliebt sich in die noch ärmere Cousine seiner kränkelnden Ehefrau und diese in ihn. Was aber Edith Wharton daraus macht, wie sie die Anbahnung und die Gefühle der Liebenden in die raue Winterlandschaft setzt und welche Rolle Schnee, Kälte, Wind, alte Pferde, dünne Holzwände, Tee und Pickles spielen, ist grandios. Und dann gibt es ja noch die dritte im Bunde, die nur wenige, dafür überaus kraftvolle Auftritte innerhalb der Erzählung hat. Gerade durch die Aussparung als Methode entwickelt Ethan Frome einen ungeheuren Sog. (Stefanie Hetze)

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