Aus dem Schwedischen von Jana Hemer, Klett Kinderbuch Verlag 2021, 32 S., € 15,-, ab 4
Das Baby soll endlich schlafen, die drei Kinder in Pija Lindenbaums rasanter Geschichte müssen schließlich los! Auf geht es im roten Auto und da sind sie schon in ihrer Arztpraxis angekommen. Gleich eine OP – was für ein Start! Mit einer Zugreise, einem Lagerfeuer und einer Hexe wird es sogar noch besser. In einer variantenreichen, je nach Gefühlslage wechselnden Farbpalette spielen die Kinder erwachsene Lebensrealitäten nach. Die Schwedin bürstet sie jedoch märchenhaft gegen den Strich und hinterfragt sie ganz nebenbei mit viel Humor. Aufs Herrlichste bekommen Erwachsene den Spiegel vorgehalten: Was wir nicht immer alles müssen! Blick ins Buch

Durstig ist das Vogelkind, läuft zur Pfütze hin geschwind. Aber ei, da fliegt es hin und landet … mittendrin! Der Erste zieht es raus, der Zweite reibt es ab und auch der Dritte macht sich nützlich. Doch wer hat das Vogelkind eigentlich in die Pfütze geschubst, fragt der Vierte. »Ich hab‘s doch nur gestupst«, gesteht leicht zerknirscht der Fünfte. Dieses Fingerspiel mit Abzählreim kennt im Iran jedes Kind. Nun können Kinder hierzulande ihren Spaß damit haben. Dazu wunderschön illustriert, auf Recyclingkarton gedruckt und gestanzt, ist die Originalsprache kreativ in die Gestaltung einbezogen und toll übersetzt. Endlich einmal ein „hochwertiges“ und unterhaltsames zweisprachiges Buch für Krippenkinder!
In einer Vorstadtsiedlung erwacht ein Kind und ist gleich großer Aufregung. Heute geht es mit seinem Vater in die Berge! Mit dem Auto verlassen sie die Stadt und erreichen schließlich eine ursprüngliche Gebirgslandschaft, in der sie den Tag mit Wandern, Klettern und Naturentdeckungen verbringen. Höhepunkt ist das Pflanzen eines Baumsetzlings, eine alte Familientradition, in ihrem Fotoalbum zu entdecken. In sehr schönen Farbstiftillustrationen zeigt Pete Oswald das Verhältnis von Kind und Vater ganz ohne Worte wunderbar zugewandt und vertrauensvoll. Das Familiensetting ist in jedem Fall ein finanziell sorgenfreies, eine Mutter kommt zumindest in der Erzählung nicht vor. Ob und warum sie fehlt, bleibt genauso offen wie das Geschlecht des Kindes. Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2022.
Merle lernt schwimmen, Niko wird von zwei Hunden angebellt und Pauli beobachtet viele Merkwürdigkeiten beim EInkaufen … Schnörkellos, ganz auf Augenhöhe mit ihren Protagonist:innen und mit je einer zarten, sehr differenzierten Illustration versammelt Tanja Székessy in dem Erzählband Erlebnisse und Erfahrungen von verschiedensten Kindern, die das Leben und ihre Welt erkunden und die dabei auch auf viel Widriges stoßen. Die kurzen, mal fröhlichen, mal nachdenklichen Geschichten und Bilder bieten vielerlei Gesprächsanlässe. 
Isabell erlebt, was gesellschaftlich und politisch als Kinderarmut bezeichnet wird. Das Geld der Familie reicht nicht, um die Heizung zu bezahlen, so manche Rechnung bleibt offen – doch sie fühlt sich mit ihren Eltern geborgen und ist glücklich. Schließlich muss die Familie an den Rand der Stadt ziehen. Hier verliert sie ihre Lebensfreude und hat das Gefühl unsichtbar zu werden. Und sie sieht immer mehr Menschen, die wie sie nicht wahrgenommen werden. Isabell spricht mit diesen Menschen, hilft ihnen und bringt sie zusammen. Die empowernde und hoffnungsvolle Geschichte einer Selbstermächtigung, die persönliche Erfahrungen des Autors verarbeitet.
Clara hat einen Lieblingsonkel, mit dem sie stets besondere Dinge unternimmt. Als er seine anstehende Hochzeit verkündet, freut sie das gar nicht, weil sie befürchtet, dass er nun weniger Zeit und Aufmerksamkeit für sie haben werde. Doch Bobby und sein Zukünftiger können Clara davon überzeugen, dass die Liebe einfach nur größer wird und sie nichts zu befürchten hat. Eine regenbogen-farbenfrohe Feier der LGBTQIA -Love!
Ein Kind trauert, weswegen bleibt schönerweise völlig offen, und es beschließt, der Traurigkeit ein Zuhause zu geben. Die Trauer darf alles, ihr wird es in einem Haus aus Ästen gemütlich gemacht, das Kind besucht sie immer wieder. Gemeinsam erleben sie unterschiedlichste Stimmungen. Im Frühjahr legt das Kind für sie einen Garten an, hellt sich alles auf. Auch wenn das Kind spät im Herbst manchmal zu beschäftigt ist, um seine Traurigkeit zu besuchen, tröstet der Gedanke, dass diese einen Ort hat, wohin es jederzeit zurückkehren kann.
Diese Neuausgabe der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist in leicht verständlicher Sprache verfasst, wobei ein jeder Artikel von einer mal fröhlichen, mal ernsthaften, immer jedoch hintersinnigen Illustration begleitet wird. Für ein gemeinsames Vorlesen und miteinander Austauschen in Vor- und Grundschule bestens geeignet. Das Buch ist in Zusammenarbeit mit Amnesty International entstanden.
Ob in der Kita oder der Schule, Kinder lieben es, sich zu bewegen, zu toben, sich Spiele ohne Einflussnahme der Erwachsenen auszudenken und sie gemeinsam weiterzuspielen. Dieses Bilderbuch in warmen erdigen Farben ist ein phantastisches Plädoyer dafür, Kinder ihren Freiraum zu lassen und nicht einzugreifen. Kinder können gut für sich sorgen! Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2022.