Emilia Roig präsentiert ihr neues Buch Das Ende der Ehe. Für eine Revolution der Liebe | Feministische Impulse für die Abschaffung einer patriarchalen Institution.
Die Ehe normiert Beziehungen und Familie, kontrolliert Sexualität, den Besitz und die Arbeitskraft. Sie ist eine wichtige Stütze des Kapitalismus und lässt uns in binären Geschlechterrollen verharren. In ihrem mutigen und provokanten Buch ruft Emilia Roig daher das Ende einer patriarchalischen Institution aus. Sie hinterfragt die Übermacht der Paare und untersucht, ob man Männer lieben und zugleich das Patriarchat stürzen kann. Letztlich wäre eine Abschaffung der Ehe nicht nur für Frauen befreiend, sondern für alle. Denn nur dann können wir Liebe in Freiheit und auf Augenhöhe miteinander neu denken und leben.
Es moderiert Theresa Bücker.
wo? Maxim Gorki Theater
wann? Mittwoch, 15. Juni 2023 um 19 Uhr
DIE VERANSTALTUNG IST BEREITS AUSVERKAUFT.
Wir begleiten die Veranstaltung mit einem Büchertisch.

Damani, schwarz, bisexuell, scheinselbständig als Fahrerin für ein Fahrdienstunternehmen, das sie knebelt, reibt sich auf. Sie fährt ihr Auto Tag und Nacht durch den extremen stressigen Verkehr der namenlosen Großstadt, in der ständig demonstriert wird und die Stimmung aufgeladen ist. Das Geld reicht trotzdem von hinten und vorne nicht und dann muss sie sich nach dem Tod ihres geliebten Vaters auch noch um ihre pflegebedürftige Mutter kümmern. Hätte sie nicht ihr Krafttraining und ihre coolen Freund*innen, mit denen sie sich in einem besetzten Haus trifft, wäre sie aufgeschmissen. Und dann geschieht etwas völlig Unerwartetes, sie verknallt sich in eine scharfe Frau. Nur ist sie weiß, reich und wohlmeinend. Wie da zwei Lebensrealitäten und Haltungen bei starker sexueller Anziehung aufeinanderprallen, hat die Autorin in ihrem Feuerwerk eines Debütromans in schnellen Szenen, rasanten Wechseln von Diskursen, Schauplätzen und Figuren sowie einer direkten schnörkellosen Sprache eingefangen. Das macht trotz aller Dramatik großen Spaß. (Stefanie Hetze)
Hasen haben – das wissen wir alle – zu Ostern Hochkonjunktur. Aber auch während des restlichen Jahres bietet dieses kleine, wie immer im Rahmen der Naturkunden äußerst ansprechend gestaltete Buch viel Interessantes zu entdecken.
Elisabeth, wie ihre Autorin eine glühende Jungsozialistin, erfährt, dass auch ihr zweiter, noch mehr geliebter Bruder Uli die DDR verlassen will. Verzweifelt versucht sie, ihn zum Bleiben zu überreden. Im Jahr des Mauerbaus begonnen, 1963 erstmals veröffentlicht, ist die Erzählung wohl als Reimanns Antwort auf die Abriegelung des Staates zu verstehen. „Die Stasi-Szene gestrichen, die Kunst-Diskussion gestrichen; alles, was an Gefühl … oder gar Bett gemahnt, ist gestrichen, und jetzt kann man meine schöne Geschichte getrost in jedem katholischen Mädchenpensionat auslegen.“* Doch heute liegt das stark autobiografisch angelehnte Buch in einer Version vor, welche die Zensurbehörde der DDR noch nicht kannte und die nun ohne die später durchgesetzten Streichungen gelesen werden kann. Der Aufbau Verlag nutzt die Gelegenheit dieses Überraschungsfundes für eine ganze Reihe sehr schön gestalteter Neuausgaben, u.a. „Franziska Linkerhand“ und Reimanns Tagebücher „Ich bedaure nichts.“ (Jana Kühn)
träumten vom Sozialismus” über Brigitte Reimann, Maxie Wander und Christa Wolf empfohlen – es ergänzt sich so wunderbar! Mit ihrem nicht (be)wertenden Blick und sehr anschaulich beschrieben zeigt die 1986 geborene Journalistin, wie sich die drei so unterschiedlichen Autorinnen in ihrem Glauben an eine Utopie und dem gleichzeitigen Hadern mit dem dahinter stehenden Staat treffen. Mit ihrer Neubetrachtung eröffnet Würfel Tür und Tor, diesen Kosmos aus spezifisch weiblichen Erfahrungen in der DDR wieder zu entdecken.
Schaukeln macht richtig Spaß. Es kann hoch hinaus gehen, beinahe himmelhoch lässt es sich fliegen, aber auch das Fallen ist nahe. Und dann sind noch die anderen, die auch alle gerne schaukeln wollen. . . Die Künstlerin Britta Teckentrup hat eine Schaukel oberhalb eines Meeres gezeichnet und Jahre voller Freuden, Begegnungen und Stimmungen an diesem besonderen Ort festgehalten, der sich ständig verändert. Kindern kommen zum Toben und Spielen, Jugendliche zum Flirten und Nachdenken, Erwachsene zum Nachdenken und gesellig Sein. Tiere begegnen sich dort, das Wetter, die Tageszeiten ändern sich, auch nagt die Zeit an ihr. Pflanzen und Gestrüpp wuchern sie zu, bis ein Vater, der sich an diese Schaukel aus seiner Kindheit erinnert, sie mit seinem Kind wieder davon befreit. Menschen kommen hinzu und reparieren sie, bis endlich wieder auf ihr geschaukelt werden kann! Ein stimmungsvolles illustriertes Buch zum immer wieder Anschauen, Gedanken nachzuhängen und miteinander über das Leben zu philosophieren. (Stefanie Hetze)
Es ist eine sehr spezielle Hölle, diese Familie. Der paranoide Vater zieht in der engen Wohnung Trennwände ohne Ende, die depressive Mutter verfolgt die Tochter mit Telefonterror, der Bruder ist ein Überflieger. Verbote, seltsame Regeln und Usancen prägen die Kindheit der Ich-Erzählerin, die sich als Jugendliche da mühsam herauszustrampeln versucht und als junge Erwachsene höchst kreativ originelle Taktiken entwickelt, um ein eigenes Leben zu führen. sie muss tricksen, lügen, verschiedenste Rollen spielen, obwohl sie am liebsten nichts tut und schweigt, wie sie behauptet. Verika, Vero, Gans, Mistkäfer, Spillerix, V., Veca … jede:r nennt und kennt sie anders. Gekonnt spielt die Autorin, ihr scheinbares Alter Ego, dabei mit den Erwartungen an Autofiktion von uns Leser:innen, die wir alles für bare Münze nehmen. Aber Nichts davon ist wahr oder vielleicht doch? Ihr bitterböser Sarkasmus, hinter dem eine tiefe Zuneigung für ihre Figuren aufblitzt, macht durch ihre leichtfüßige pointierte Sprache großes Vergnügen. (Stefanie Hetze)
Eigentlich ist die 17-jährige Schwarze Berlinerin Nova hart trainierende Rollschuhläuferin, doch hat ihr misshandelnder Stiefvater ihr einen Arm gebrochen und ihr nicht nur den Sport unmöglich gemacht. Doch jetzt startet eine neue Zeit. Zusammen mit ihrer Mutter und ihrem jüngeren Halbbruder kann sie nach häuslicher Gewalt und Frauenhaus in einer neuen Wohnung endlich zur Ruhe kommen, traut sie sich sogar hinaus in den neuen Kiez, lernt den queeren Felix* kennen und verliebt sich blitzartig in die schwarz leuchtende Akoua. Eine aufregende lesbische Coming-of-Age-Geschichte beginnt mit vielen Up’s und Downs, nicht nur in der Beziehung der beiden jungen Frauen. Rassismus und Sexismus sind leider omnipräsent. Doch so viel sei verraten, ihre Liebe, ihre Ressourcen und ihre Community sind stark. Das alles wäre schon genug für einen fantastischen empowernden Roman, doch hat Chantal-Fleur Sandhon durch die Form, die sie gewählt únd bravourös ausgeführt hat, eine wirkliche Perle geschaffen. Nova erzählt ihre Geschichte in Versen, die sich vortasten, tänzeln, kreisen, vibrieren, anhalten, Luftsprünge machen. Das ist atemberaubend zu lesen und auch optisch ein Genuss. (Stefanie Hetze)
Das Eisvogelmädchen Pips ist sich sicher: Heute findet ihr erster Flug statt. Salto hopp und los! Grandios, wie Corey R. Tabor das Entsetzen und die verzweifelten Versuche von Eichhörnchen, Bienen und Spinnen einfängt, um Pips vielleicht doch noch zu retten. Doch Pips saust nach unten! Doch aufgepasst, hier kommt der Clou: Hat Pips im Sturzflug die Mitte des Bilderbuches erreicht, muss es gedreht werden. Und hoppla: Pips fliegt ja! Aus dem scheinbaren Fallen wird ein stolzer Aufstieg, den nun alle Bewohner des Baumes überschwänglich beklatschen. So simple wie genial – in der Idee der Buchgestaltung, vor allem mit einer selbstbewussten Bilderbuchheldin, die Mut macht und begeistert! (Jana Kühn)
Am Samstag, den 25. März 2023 ist Indiebookday – der Feiertag des unabhängigen Verlegens!