Carlsen 2023, 32 S., € 12,-, ab 2
Mal ein ganz anderes Einschlafbuch, das bereits vor dem Zubettgehen startet. Verschiedenste Kinder erzählen von den ganz persönlichen abendlichen Abläufen und Ritualen in ihrer Familie. Was sie zu Abend essen, wer es zubereitet, wer sie zu Bett bringt, ihnen etwas vorliest, sich mit ihnen unterhält oder kuschelt. Da gibt es ganz individuelle Rituale in den einzelnen Familien, aber ebenso lassen sich viele Gemeinsamkeiten entdecken. Alle Kinder gehen in geborgener stimmiger Atmosphäre ins Bett. Die in warmen Tönen gehaltenen Illustrationen mit zahlreichen Details aus dem Leben der Kinder und ihrer Erwachsenen bringen viel Abwechslung ins Einschlafritual.

„Paps? Pawe? Bereit? Der Rucksack ist gepackt!“ … und also geht es los „bis zur spitzigen Spitze“ des Berges. Neugierig, voller Mut und Tatendrang eilt das Kind vorweg und feuert den Vater an, weiter und höher zu steigen bis nach ganz oben. Der Aufstieg ist mühsam und voller Abenteuer. Ein grandioser Ausblick belohnt die beiden. Wie bereit sin seinem Kinderbuch-Debüt erzählt Baptiste Paul lautmalerisch, poetisch verdichtet und mit Anleihen aus dem lokalen Kreol, das auf der Insel Santa Lucia, seinem Geburtsort, gesprochen wird. Jacqueline
Viele Kinder werden im vergangenen Jahr ihre Eltern mit großen Fragen konfrontiert haben. Auch Willi Weitzel ging das so: „Papa, da ist etwas ausgebrochen …“. Der Autor hat darüber eine Geschichte geschrieben, die ausgehend von einer Spielplatzsituation und im Dialog von Vater und Kind von Frieden und Krieg erzählt. Mit wohl reduzierten, aber ungeschönten Details wird für Kinder im Kita- und Grundschulalter erklärt, was Krieg bedeutet und wie wichtig Frieden ist. Der warmherzige Illustrationsstil von Verena Wugeditsch und die dem Gespräch innewohnende Geborgenheit federn die unvermeidbare Dramatik des Themas gelungen ab.
Die 6-jährige Vilja ist ein fröhliches Kind. Sie mag Einhörner und Piratenschiffe und spielt am liebsten mit ihrem besten Freund Sindre. Beide Kinder leben seit Monaten auf einer Kinder-Krebsstation. Dorthin nimmt dieses beeindruckende Bilderbuch mit und gibt Einblicke in den dann doch normalen Alltag einer kräftezehrenden Ausnahmesituation. Mariangela di Fiore trifft Viljas unverstellte, niemals rührselige Erzählstimme, die voller Mut und Hoffnung von ihrem Leben im Krankenhaus erzählt. In Lisa Aisatos unverkennbarem Stil betten anmutige und fantasievolle Illustrationen die Geschichte zurückhaltend und gefühlvoll ein.
Astronautin Mira wünscht sich Kontakt zu anderen Kindern – wer spricht ihre Sprache? Astronaut Tim mag es nicht, wenn alles durcheinander ist und ordnet jeden Tag aufs Neue seine Planeten. Astronautin Zara kann manchmal ihre Rakete nicht steuern und ihr Abwehrsystem feuert in alle Richtungen. Diese und andere Astronautenkinder stellt das großformatige und bildstark, wie einfühlsam illustrierte Buch vor. Seine Macherinnen greifen darin sehr wahrscheinlich die Vorstellung auf, dass neurodiverse Menschen „in ihrer ganz eigenen Welt leben“ und gestalten daraus ein Weltall, in dem die „Astonautenkinder“ unterwegs sind und einander begegnen. Über die Bezeichnung lässt sich bestimmt diskutieren, wiederum gibt es kein anderes Buch, das in dieser Bandbreite, empowernd und informativ von Neurodiversität erzählt.
Eindringlich und poetisch verdichtet mit wenigen Worten, gleichzeitig detailreich und künstlerisch illustriert erzählt das Bilderbuch die Geschichte einer Flucht von Vater und Sohn aus einem Kriegsgebiet. In großer Anschaulichkeit wird darin deutlich, wieviel unermessliche Geduld, Mut und auch Hoffnung Menschen auf der Flucht aufbringen müssen – auf langen Fußmärschen, gefährlichen Überfahrten und in immer neuen Situationen des Wartens auf etwas zu Essen, auf ein Nachtlager, eine Dusche, einen Bescheid. Zu den zahlreichen Bilderbüchern zum Thema Flucht, die in den vergangenen Jahren erschienen sind, ist es eine unbedingte Ergänzung.
Alles beginnt mit einer Tomatendose. Wir Menschen sind nämlich kein bisschen wie eine Tomatendose, erklärt gleich zu Beginn das Kind, das uns sehr schlau durch dieses Bilderbuch begleitet. Es folgen zahlreiche, auf den ersten Blick ebenso absurd anmutende Vergleiche mit einem Schwimmbad, einer Hyäne und dem titelgebenden Pilz. Schritt für Schritt führt das alles zur Erkenntnis, dass wir Menschen uns alle miteinander sehr ähnlich sind und viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede haben. Die ein wenig an Altmeister Miroslav
Lo hat da in der Kita etwas aufgeschnappt: „Papa, was bedeutet Untenrum?“ Ganz genau will es das Kind wissen und gemeinsam finden sie viele lustige Untenrum-Wörter wie Schniedel, Schneckchen oder Mutzel. Wunderbar beiläufig kommt Mama (von der Arbeit) nach Hause, wo Papa gerade die Wäsche aufhängt und bringt sich mit neuen Ideen in die Untenrum-Wörter-Suche ein. (Wort)Spielerisch, dennoch sachlich genau und kindgerecht werden Körper, Genitalien und Geschlechter genauer vorgestellt und auch Inter- und Transszenarien mitgedacht. Lo und sein Geschwisterkind Mika sind in der Bild- und Textebene genderneutral beschrieben. Empowernd für Kinder, den eigenen Körper neugierig und selbstbestimmt kennen zu lernen – ein richtig großer Wurf!
Eine Fernsehsendung löst bei einem Kind Interesse für die Arbeit von Wissenschaftler:innen aus. Seine Mutter erzählt von deren vielfältigen spannenden Tätigkeiten und Arbeitsfeldern, dass sie zum Beispiel Tiere und die Umwelt beobachten, vieles ausprobieren, geduldig experimentieren, durch die Welt reisen und interessante Dinge bauen. Dies geschieht nicht trocken und abstrakt, sondern wird in knappen anschaulichen Comicgeschichten erzählt. Toll an diesem Buch ist, dass konkrete Menschen vorgestellt werden (auch in Kurzbiographien im Anhang), zudem mehr weibliche Forschende als männliche und sie aus den unterschiedlichsten Ländern und Zusammenhängen stammen. All das macht Lust, selbst einmal etwas zu erforschen.
Der dritte Band des Erfolgsduos Engler/Swaney. Lars, schon bekannt aus den vorherigen Büchern, geht nun zur Schule. Erst fühlt er sich fremd, doch schnell lernt er die anderen Kinder kennen und findet Freunde. Als Lisa andere Kinder ärgert und mobbt, stellt Lars sie zur Rede und verteidigt die, die sich selbst nicht wehren können. Am Ende sind sich alle einig – auch Lisa, die sich entschuldigt: hier darf jeder so sein, wie er ist, niemand wird geärgert, und alle gehören dazu.