Saskia Gwinn, Ana Albero (Illustr.): Wer erforscht die Welt

Aus dem Englischen von Walter Ludwig, Prestel 2023, 32 S., € 15,-, ab 6

Eine Fernsehsendung löst bei einem Kind Interesse für die Arbeit von Wissenschaftler:innen aus. Seine Mutter erzählt von deren vielfältigen spannenden Tätigkeiten und Arbeitsfeldern, dass sie zum Beispiel Tiere und die Umwelt beobachten, vieles ausprobieren, geduldig experimentieren, durch die Welt reisen und interessante Dinge bauen. Dies geschieht nicht trocken und abstrakt, sondern wird in knappen anschaulichen Comicgeschichten erzählt. Toll an diesem Buch ist, dass konkrete Menschen vorgestellt werden (auch in Kurzbiographien im Anhang), zudem mehr weibliche Forschende als männliche und sie aus den unterschiedlichsten Ländern und Zusammenhängen stammen. All das macht Lust, selbst einmal etwas zu erforschen.

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Michael Engler & Juliana Swaney (Illustr.): Das alles sind wir

arsEdition 2023, 32 S., € 15,-, ab 5

Der dritte Band des Erfolgsduos Engler/Swaney. Lars, schon bekannt aus den vorherigen Büchern, geht nun zur Schule. Erst fühlt er sich fremd, doch schnell lernt er die anderen Kinder kennen und findet Freunde. Als Lisa andere Kinder ärgert und mobbt, stellt Lars sie zur Rede und verteidigt die, die sich selbst nicht wehren können. Am Ende sind sich alle einig – auch Lisa, die sich entschuldigt: hier darf jeder so sein, wie er ist, niemand wird geärgert, und alle gehören dazu.
Am Ende gibt es auch Platz für ein Foto der eigenen Schulklasse.

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Maria Bakhareva, Anna Desnitskaya (Illustr.): Märkte in aller Welt

Aus dem Russischen von Thomas Weiler, Gerstenberg 2023, 80 S., € 26,-, ab 8

In Zeiten gigantischer Supermärkte und Lieferservices nach Hause sind Orte, an denen Menschen sich treffen, um Lebensmittel direkt zu verkaufen und einzukaufen, für Kinder oft Terra incognita. Dieses großformatige wimmelige Sachbilderbuch, das neben zwei Märkten in Hamburg und München, berühmte Märkte, Basare und Hallen aus verschiedenen Ländern und Kontinenten vorstellt, lädt Kinder und Erwachsene ein, sich mit allen Sinnen in das vielfältige Marktgeschehen zu stürzen. Jede Menge Lebensmittel gibt es zu entdecken, Rezepte regen zum Kochen und Ausprobieren neuer Gerichte und Gaumenfreuden ein. Ein paar Begriffe in den verschiedenen Sprachen lassen sich lernen, Preise für Obst, Snacks usw. einordnen, die verschiedensten Einkaufsgewohnheiten anschauen – kurzum ein pralles tolles Buch, in dem es viel zu entdecken gibt und Lust macht, selbst einmal einen Wochenmarkt zu besuchen und / oder in der Gruppe sich über die Märkte, die die Kinder kennen, auszutauschen. Blick ins Buch

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Literarische Matinee am 7. Mai

Der gefeierte Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel stellt im Gespräch mit dem Verleger Sebastian Guggolz seine neue Übersetzung von Tarjei Vesaas poetisch-verknapptem gefühlsstarken Roman Der Keim vor.

Tarjei Vesaas beschreibt darin eine Gruppe von Inselbewohnern, die eine verschworene Gemeinschaft bilden. Ein Neuankömmling auf der Insel bricht in dieses fest gefügte familiäre Miteinander ein und wirft einen dunklen Schatten auf den sonnigen Sommertag. Sein triebhafter Wahnsinn lässt ihn zum Mörder werden – der Mord führt unvermeidlich zu einem zweiten, und die ganze Insel lädt Schuld auf sich.

Die Schauspieler:innen Mariel Jana Supka und Olaf Helbing lesen und musizieren, Dunja Funke interveniert, Dante Connection bringt die Bücher mit.

Norwegisch inspirierte kleine Speisen können erworben werden.

 

wann? Sonntag, 7. Mai um 12 Uhr
wo? Café Obermaier – Erkelenzdamm 17

Eintritt 10 € inklusive Kaffee und Wasser
Reservierung via info@danteconnection.de

Tarjei Vesaas (1897–1970) war der älteste Sohn eines Bauern in Vinje/Telemark, dessen Familie seit 300 Jahren im selben Haus lebte. Vesaas wusste früh, dass er Schriftsteller werden wollte, verweigerte die traditionsgemäße Übernahme des Hofes und bereiste in den 1920er und 1930er Jahren Europa. Vesaas verfasste Gedichte, Dramen, Kurzprosa und Romane, die ihm internationalen Ruhm einbrachten.  Er schuf  ein hochmodernes, lyrisch-präzise verknapptes Werk mit rätselhaft-symbolistischen Zügen, für das er mehrmals für den Nobelpreis vorgeschlagen wurde. Als seine größten Meisterwerke gelten »Das Eis-Schloss« und »Die Vögel«, das Karl-Ove Knausgård als »besten norwegischen Roman, der je geschrieben wurde« bezeichnete.

Hinrich Schmidt-Henkel, geboren 1959 in Berlin, übersetzt aus dem

© Ebba D. Drolshagen

Französischen, Norwegischen und Italienischen u. a. Werke von Henrik Ibsen, Kjell Askildsen, Jon Fosse, Tomas Espedal, Louis-Ferdinand Céline, Édouard Louis und Tarjei Vesaas. Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet, u. a. (gemeinsam mit Frank Heibert) mit dem Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW und zuletzt 2018 mit dem Königlich Norwegischen Verdienstorden.

 

 

 

 

 

Nils Mohl: Wilde Radtour mit Velociraptorin

Mit Illustrationen von Halina Kirschner. Mairisch Verlag 2023, 56 S., € 20,-, ab 4

Am Anfang ist die Arbeit des Autors anstrengend. Der Kopf braucht Abwechslung, also ab aufs Rad und schon geht es von A nach B und auf nach C! Dort im dritten Kapitel taucht nun auch die Velociraptorin auf, eine menschhohe Dinodame, die mit auf wilde Radtour geht und sogar ein Radrennen gewinnen will. Dabei rollen die beiden sprachspielerisch und poetisch durch das Alphabet und über Fahrräder lernt man auch noch jede Menge. Aber alles zu seiner Zeit, bzw. im passenden Alter. Oder wie Mohl & Kirschner es im kleinen Vorwort auch selbst formulieren: Kann man wissen, muss man aber nicht, und am wichtigsten ist, dass die Geschichte gefällt! Die jüngsten Zuhörer*innen finden sicherlich vor allem Gefallen am lautmalerischen Erzählton, für ältere Kinder sind die technischen Details bestimmt schon wieder spannend. Die tollen Illustrationen im wunderschön gestalteten Band als Sonderfarbendruck in knalligem Grün und Pink machen Lust auf den Frühling und endlich wieder Radtouren. Eine Empfehlung für Dino-Fans, Fahrrad-Begeisterte, ABC-Lernende, Sprachverliebte und die ganze Familie! (Jana Kühn) Blick ins Buch

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Herbert Clyde Lewis: Gentleman über Bord

Aus dem amerikanischen Englisch von Klaus Bonn, leinengebunden im Schuber, mare 2023, 176 S., € 28,-

Henry Preston Standish ist ein Gentleman der alten Schule, stets elegant, sportlich und distinguiert. Und so erscheint ihm sein Fall von einem Ozeandampfer in den Pazifik zunächst als peinliches Missgeschick. „So etwas machte man nicht“. Nun treibt der junge, durchtrainierte Mann Stunde um Stunde im Wasser und macht sich Gedanken über seine Lage, sicher, dass dies eine äußerst erzählenswerte Anekdote aus seinem Leben sein wird. Doch an Bord wird sein Verschwinden lange, viel zu lange, nicht bemerkt, und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Dass eine derart tragische Konstellation einen überaus unterhaltsamen Roman ermöglicht, ist überraschend, doch Lewis hält meisterlich die Balance zwischen der immer auswegloser werdenden Situation, den illusorisch-selbstgefälligen – und sehr amüsant zu lesenden – Gedanken seines Protagonisten und der Beschreibung der Ereignisse an Bord, die ein Entdecken seines Verschwindens slapstickartig eins ums andere verzögern.
Erschienen ist das Buch im Original 1937. Es wurde hier erstmals ins Deutsche übertragen. (Syme Sigmund)

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Judith Hermann: Wir hätten uns alles gesagt

S. Fischer 2023, 192 S., € 23,-

In einer schon fortgeschrittenen Nacht, als sie mit einem alten Freund unterwegs ist, trifft Judith Hermann in einem Späti auf der Kastanienallee zufällig ihren ehemaligen Analytiker. Zum ersten Mal außerhalb des geschützten Raums seiner Praxis, als sie und ihr Freund in ein langes Müttergespräch eingetaucht waren. Diese zufällige surreale Begegnung, die die Autorin wie eine filmreife Szene beschreibt, lässt sie nicht los. Sie folgt ihrem Ex-Analytiker in eine Kneipe und nutzt das Aufeinandertreffen und all das, was es bei ihr an Erinnerungen und Reflexionen auslöst, zum Ausgangspunkt ihres Buches zum „Schweigen und Verschweigen im Schreiben“ und erschafft einen ganzen Kosmos aus ihrer ungewöhnlichen Kindheit und Jugend. Aus Familie und Freundschaften, Berlin und dem Land, Tagen und Nächten, Dingen und Ideen, Alltag und Literatur. Mit ihrer direkten verdichteten Sprache gelingt ihr bravourös der Spagat, sehr Privates zu erzählen und gleichzeitig darüber hinaus vom Lebensgefühl einer Frau in der Mitte des Lebens zu schreiben – und dies in ihrem unverwechselbaren tollen Sound! (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Anne Rabe: Die Möglichkeit von Glück

Klett-Cotta 2023, 384 S., € 24,-

Stine – wie ihre Autorin 1986 geboren und zum Mauerfall erst drei Jahre alt – erinnert kaum Details der DDR-Zeit. Die Lebenserfahrungen ihrer Eltern und Großeltern prägen sie dennoch und sind auch prägend für diesen Roman. Doch Rabe erzählt auch von Generationskonflikten jenseits der Wende-Thematik, von (Groß)Eltern, denen bedürfnisorientiertes Begleiten von Kindern fremd ist, für die Kinder funktionieren und vor allem gehorchen müssen. Dafür verschränkt die Autorin Kindheitserinnerungen mit Erfahrungen von Mutterschaft, wobei dies nur eines der sehr vielen Themenfelder Rabes ist. Dreh- und Angelpunkt sind die Recherchen zu Stines systemtreuen Opa Paul, die immer neue Fragen aufwerfen – Fragen nach Gewalt in der Familie, aber auch in der Gesellschaft der Nachwendezeit. Dabei schaltet sich stetig eine zweite Erzählinstanz zur Ich-Erzählerin Stine, die hinterfragt, kommentiert oder fortschreibt. Wäre der Text eine Bühnensituation oder Filmsequenz, hätte man eine Stimme aus dem Off im Ohr. Anne Rabe debütiert zwar literarisch, man erkennt jedoch deutlich die Handschrift der erfahrenen Essayistin, Dramatikerin und Drehbuchautorin. Im collagenhaften Aufbau, mal faktenreich, mal erzählerisch droht das Buch manchmal etwas zu zerfasern. Doch gelingt es Anne Rabe stets, die disparaten Teile fesselnd zusammenzuhalten. (Jana Kühn) Leseprobe

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Joachim Sartorius: Die Versuchung von Syrakus

mareverlag 2023, 192 S., € 20,-

Die uralte Stadt Syrakus, vor 2500 Jahren Schmelztiegel im Mittelmeerraum, liegt am südöstlichen Rand Siziliens am Ionischen Meer. Der Ätna, Griechenland und Nordafrika sind nah. Im historischen Zentrum auf der vorgelagerten schmalen Insel Ortigia, auf der sich die Antike in unzähligen Schichten niedergelagert hat, hat der Autor seit geraumer Zeit seinen zweiten Wohnsitz. Hier spürt der belesene Flaneur in ausgedehnten Streifzügen durch die Straßen, Märkte und Lokale den vielschichtigen Facetten der immer noch lebendigen Geschichte Syrakus nach. Sie ist tief im Bewusstsein der Bevölkerung verwurzelt, wie seine Gespräche mit Einheimischen anschaulich verdeutlichen. Künstler verarbeiten sie in ihren Gemälden, Adlige pflegen leidenschaftlich ihre Sammlungen antiker Gegenstände. Bei seinem Barbier, den Wirt*innen, einem Polizisten, einer Übersetzerin … gehört das Erinnern zu ihrem Alltag. Gleichzeitig gibt es die Gegenwart, die Bedeutungslosigkeit der Randexistenz, die vielen Probleme durch Verkehr, Armut, Immigration, Lethargie, aber auch die reichen Genüsse an guten Speisen und köstlichen Dolci, die Schönheit und Kraft des die Stadt umgebenden Meeres. Auch wenn wir nicht vor Ort sind, können wir mit diesem Buch diese besondere mediterrane Stadt erkunden, zwei Stadtpläne verschönern den literarischen Spaziergang. (Stefanie Hetze)

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Steven Guarnaccia & Raum Italic: Das kleine Pasta-ABC

Hatje Cantz 2023, 136 S., € 18,-

Zu Recht trägt dieses sympathische kleine Buch den Untertitel „Ein heiteres Nudelbuch“. Immer schon war der Amerikaner Steven Guarnaccia von den klangvoll auszusprechenden Pastasorten angezogen gewesen. Erst bei einem langen Italienaufenthalt lernte er die Fülle der Sorten und vor allem der für die jeweilige Beschaffenheit besten Saucen kennen. In seinem ABC stellt er uns nun die Varianten von Acini di pepe über Gigli, Radiatori bis hin zu den Ziti vor mit kurzen Beschreibungen ihrer Besonderheiten und Erklärungen ihrer Namen. Dazu gibt es als echte Hingucker charmante anspielungsreiche Illustrationen und im zweiten Teil über 40 wirklich tolle abwechslungsreiche Pastarezepte, die sich leicht und lecker nachkochen lassen und sich jenseits der klassischen Tomatensauce bewegen. (Stefanie Hetze) Blick ins Buch

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