Carlsen 2024, 32 S., € 15,-, ab 4
Fröhlich, ängstlich, traurig und wütend sein, sind sicher Kindern am meisten bekannte Gefühle. Dieses Sach-Bilderbuch zeigt in anschaulichen Kürzesttexten und Mini-Bildergeschichten, dass es noch viele Gefühle mehr gibt und wie unterschiedlich Menschen fühlen und mit ihren Empfindungen umgehen können. Nach dem erfolgreichen Bilderbuch übers Streiten, legen die beiden Bücherfrauen hier noch einmal sehr gelungen nach. Der gekonnt nicht niedliche Strich überzeugt ebenso wie die die Präzision und Anschaulichkeit der Sprache.

Frei von Zuschreibungen und Genderklischees werden Kindern in dem stabilen Pappbilderbuch verschiedene Berufe vorgestellt, Krankenpfleger, Koch, Pilotin und Försterin, aber auch kreative Berufe wie Modedesigner und Tänzer. In der erfolgreichen Reihe ist weiterhin zeitglich ein Titel zu Gefühlen erschienen.
In diesem wimmeligen Sachbilderbuch können Kinder genau verfolgen, wie ein großes verfallenes Gebäude abgetragen und neu gebaut wird. Jeder einzelne Schritt der Bauphase wird detailliert gezeigt und erklärt. Es dauert, bis ein geräuniges Wohnhaus für viele Familien entstehen kann. Die Menschen, die auf der Baustelle arbeiten, sind sehr vielfältig gezeichnet. Diverse Frauen arbeiten hier in „Männerberufen“ wie die Kranführerin Ann. Wichtige Bauberufe, große Maschinen, benötigte Werkzeuge und Hilfsmittel werden dazu im anhang anschaulich vorgestellt.
Mit ihrem (noch) unverstellten Blick auf die Welt haben viele Kinder ein sicheres Gespür für kleine Ungleichheiten wie große Ungerechtigkeiten. Vielleicht gibt es nicht immer das passende Wort dafür, aber die Schieflage wird erkannt. In diesem Sachbuch für Kinder in der Grunschule geht es um Fairness und Gerechtigkeit bzw. werden die klaren Regeln oder sogar Gesetze im Zusammenleben sowie die trotzdem vorhandenen Grauzonen und individuellen Empfindungen darum erkundet. Thematisiert werden u.a. Menschenrechte und Teilhabe. Gesetzgebungen und Moral, historische und aktuelle Kämpfer*innen für Gerechtigkeit. Ein klug wie humorvoll gestaltetes Sammelsurium, das die vielen Facetten von Gerechtigkeit anregend anreißt.
Warum gibt es Armut und Reichtum? Der Untertitel ist Programm und versucht die Frage, aus verschiedenen Blickwinkeln zu beantworten. Mit alltagsnahen Episoden von Kindern im Alter von 6 bis 14 Jahren, begleitet durch kurze Sachtexte und einen großen Bildanteil lenkt das Sachbilderbuch den Blick vor allem auf soziale Unterschiede. Es wird erklärt, was es mit Geld aufs sich hat, wie Lohnarbeit funktioniert und ob es dabei denn immer chancengleich zugeht. Ein wirklich toller Band für die Grundschule!
Endlich thematisiert ein Bilderbuch die Gefühle von Kindern, die ihre Großeltern, die in einem anderen Land leben, nur selten sehen können. Hier geht es um den geliebten Großvater, der in Persien lebt und die Familie nur im Winter besucht. Ganz aus der Perspektive der Enkelin erzählt es von ihrem Glück, ihn endlich am Flughafen aus der Tür kommen zu sehen und bei seiner Umarmung von seinem Bart gekitzelt zu werden… Opa hat Köstlichkeiten aus der Heimat mitgebracht, die Familie feiert ein Fest, das Mädchen zeigt ihm stolz ihre Umgebung. Doch bei aller Nähe und Zärtlichkeit schwingt eine Traurigkeit mit., da sie sich wieder trennen müssen. Ein intensives Buch, um über all die Gefühle zu sprechen, wenn Kiner ihnen liebe Menschen nur selten sehen können.
Tonis Tag beginnt um 6:30 Uhr, ihr Babybruder brabbelt die müde Mama voll, der noch müdere Papa snoozed ein paar Minuten und Oma föhnt sich die Haare. All diese herrlich alltäglichen Gleichzeitigkeiten zeigt Lilly L’Arronge in genau beobachteten, detailreichen Einzelbildern, vereint die Familie anschließend um halb acht zum Frühstück in der Küche. Nach diesem Prinzip erfahren wir, wie sich der Tag für die einzelnen Familienmitglieder in Kita, Schule, im Büro und im Blumenladen gestaltet. Ein Zeitstrahl auf jeder Seite und viele in den Illustrationen versteckte Uhren bezeugen zusätzlich, wie die Zeit über den Tag vergeht.
Wohl fast jeder Kita-Tag endet mit dem gleichen Ritual der Kinder, ein lautes ABGEHOLT! schallt durch bunte Räume und über Spielplätze. So auch in Bens Waldkindergarten. Nur ist er fast immer das letzte Kind, denn sein alleinerziehender Vater schaffte es oft erst spät von der Arbeit zu kommen. Das macht Ben traurig, bis er sich eines Tages eine spannend fantasievolle Geschichte rund um Papas Supermarktjob erdenkt und so in voller Selbstwirksamkeit die anderen Kinder begeistert – und dies nicht nur auf der Erzählebene. Dafür durchdringen sich Realität und Fantasie in einfühlsamen Bildern und warmen Farben.
Alia ist ein erfinderisches und kreatives Kind. Ganz allein hat sie ein Raumschiff gebaut und nun viel vor auf ihren Wegen durch das Weltall – ein bisschen Hilfe wäre allerdings gar nicht schlecht, denkt sie. Einige Assistent*innen stellen sich vor, doch es passt irgendwie nie so richtig. Bis Alia erkennt, dass zusammen spielen, Fantasien teilen und gemeinsam Lösungen finden, genauso toll sein kann, wie die einzige Astronautin oder gar Chefin zu sein. Und so erzählt das Buch von den kleinen und großen Kompromissen, dem Aufeinanderzu- und Aufeinandereingehen, die es braucht, um befreundet zu sein.
Sich dauernd verstellen zu müssen, zu einem Doppelleben gezwungen zu sein, damit wächst die Ich-Erzählerin als trans Mädchen in einem völlig heruntergekommenen Arbeiterviertel im Madrid der Achtziger Jahre auf. Ihre Suche nach Glück und Selbstverwirklichung trifft hauptsächlich auf Gewalt und Diskriminierung, wären da nicht andere Transpersonen. Ein Roman, der schillert, vibriert, fasziniert.