Es ist so weit: nach 30 wundervollen intensiven Jahren der Bücher und der Begegnungen übergebe ich im Sommer, zum 1. Juli 2024, die Dante Connection meinen Kolleginnen Jana Kühn, Katharina Bischoff und Kerstin Follenius. Für ihre Fans: Syme Sigmund wird in der Autorenbuchhandlung zu finden sein.
Ich bin sehr glücklich, dass es mit dem Buchladen weitergeht! Und ich danke allen Menschen, die auf vielfältigste Art der Dante Connection verbunden waren und sind.
Auf viele weitere Dantejahre am Oranienplatz!
Herzlich
Stefanie Hetze
Wir feiern Abschied und Neuanfang – der Veranstaltungsreigen:
+ Sonntag, 26. Mai: Rao Pingru „Unsere Geschichte“ – eine Literarische Matinee im Obermaier
+ Samstag, 1. Juni: Best-off mit Hinrich Schmidt-Henkel
+ Wochenende 8./9. Juni: Berliner Bücherfest auf dem Bebel Platz in Berlin-Mitte
+ Freitag, 21. Juni: Ein Fassadenrundgang zwischen Oranienstraße 45 und 165a mit Turit Fröbe
+ Samstag, 29. Juni: Lange Buchnacht mit Programm für Kinder und Erwachsene
+ Freitag, 5. Juli: Dante-Leseclub
Mit der Übernahme zum 1. Juli 2024 wird unser handverlesenes Sortiment aus Literatur und Sachbuch sowie der besonderen und besonders schönen Kinderbücher weitestgehend beibehalten. Literatur aus Italien wird mit Blick auf den Gastlandauftritt zur Frankfurter Buchmesse in den Fokus rücken.
Ab Juli kann neben dem gewohnten Stöbern vor Ort der Bestand auch im neuen Onlineshop eingesehen und bestellt werden. Auch die Website der Buchhandlung wird in diesem Zuge einen Relaunch erfahren.

Irgendwann hat Mely Kiyak buchstäblich an die Pforte der Benediktinerinnen in Fulda geklopft und sich Einlass verschafft mit ihrem Begehren, genau von diesen Klosterfrauen gärtnern zu lernen. Schon seit den vierziger Jahren betrieben diese Nonnen Garten und Landwirtschaft in naturnaher Mischkultur, hatten ein biologisches Gartenwundermittel entwickelt. Sie waren Gärtnerinnen durch und durch. Die Chemie zwischen den Expertinnen und der Praktikantin stimmte. Immer wieder und in langen Zeiträumen lernte und arbeitete Mely Kiyak bei ihnen, enge Freundschaften ohne Scheuklappen entstanden. Als Dank schenkte die Autorin dieser besonderen Gemeinschaft ein Buch über die Geschichte ihres Gartens. Der charmant-respektvolle Text, nun überarbeitet und mit einem persönlichen Nachwort Mely Kiyaks wieder aufgelegt, feiert diese Klosterfrauen: als tatkräftige Feministinnen und grandiose Visionärinnen mit genialen Marketingideen, immer gepaart mit Menschlichkeit und viel Humor. Leichtfüßig und zutiefst zugewandt hat die Autorin ihre Liebeserklärung an diese Frauen verfasst. Ein großes Leseglück! (Stefanie Hetze)
Ada ist anders, als die anderen. Das merkt sie im Kindergarten, in der Schule, als Erwachsene. Auf die Frage, woher sie kommt, weiß sie keine Antwort. Sie weiß nur, dass man da, wo sie herkommt stauchen statt treten und heben statt halten sagt. Die Frage nach der Dazugehörigkeit ist das Leitmotiv, an dem entlang Dilek Güngör durch Adas Leben mäandert. Unchronologisch erzählt sie in manchmal sehr konkreten, manchmal abstrakten Miniaturen von Adas Erleben einer Welt, die ihre Welt, ihr Alltag ist und in der sie sich doch oft als Gast, anders, fremd fühlt.
Die feministische Autorin und Intellektuelle bell hooks steht für außergewöhnliche Sachbücher, in denen sie sich richtungsweisend mit Geschlecht, Liebe, Klasse und Race auseinandersetzt. Endlich erscheint in deutscher Übersetzung ihr Memoir über ihre Kindheit, das im Original bereits 1996 erschien und in dem sie ihre großen Themen literarisch verdichtet. In kurzen Kapiteln erzählt sie vom Aufwachsen in einer armen Schwarzen Familie, in der viel Gewalt herrscht, in der die Mutter aber dennoch versucht, ihren Kindern mehr als Nahrung und Kleidung zu bieten. Nur bei dieser Tochter, die so sehr ihren eigenen Kopf hat, scheitert sie und sondert sie regelrecht aus. Als Kind schon Außenseiterin in der eigenen Familie retten sie die Bücher und die Erzählungen ihrer Vorfahren. Notgedrungen beginnt sie früh aus ihrer isolierten Position heraus, für sich nachzudenken und eigene Sichtweisen zu entwickeln. In ihren Erinnerungen wechselt sie dabei zwischen der Innenperspektive und einem Blick von Außen, erzählt so ganz persönlich von sich und objektivierend von vielen US-amerikanischen Schwarzen Mädchen ihrer Zeit. Das ist anregend, klug, großartig. (Stefanie Hetze)
Nach dem großen Erfolg von Alle zählen ist nun mit Alle Reisen ein ebenbürtiger, zweiter Band der norwegischen Künstlerin Kristin Roskifte erschienen, der nach dem gleichen Prinzip des Zählens und Erzählens, des Suchens und Entdeckens, des Vor- und Zurückblätterns funktioniert. Menschen träumen von Reisen, sie bereiten sie vor. Reisen finden in der Fantasie statt oder in der Erinnerung. Sie führen zu Aussichtspunkten, einmal um die Ecke oder in die weite Welt – manchmal auch in eine Buchhandlung. Die zahlreichen Geschichten des wiederum opulenten und in seinem Personal ausgesprochen vielfältig gestalteten Bildbandes bleiben in Text und Bild offen und laden regelrecht ein, weitergesponnen zu werden. Bilderreisen können nämlich ganz hervorragend im Kopf stattfinden. Ein Füllhorn schier endlos angeregten Bilderbestaunens, wir sind wieder große Fans! (Jana Kühn) 
25 Jahre nachdem die Kapitelmans die Ukraine verließen und als „jüdische Kontingentflüchtlinge“ Aufnahme in Deutschland fanden, hockt der Ich-Erzähler Dima bei seinen Eltern auf einer „von sibirischen Katzen vollgepissten Treppe“ und weiß plötzlich, dass er die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen will.
Migranten zu verstehen hilft.
Eine wirkliche Entdeckung nicht nur dieses Frühjahrs oder dieses Leipziger Buchmessen Gastlandauftritts ist dieser Familien-Roman. Ich nenne ihn so, weil ich ihn für eine perfekte Familienlektüre halte, der am besten alle gemeinsam lauschen. Vielleicht auch, weil es den einen oder anderen Moment gibt, für den ich manchen Kindern Begleitung wünsche, um die Geschehnisse einzuordnen. Aber von vorn, denn alles beginnt mit einem wortwörtlich großen Knall: Ein Laster rast in ein kleines Haus, genau in das Schlafzimmer von Juss. Der Junge wird schwer verletzt geborgen und hier beginnt in Rückblenden die Erzählung eines Sommers, gleichzeitig die Geschichte einer Großfamilie, die in ihrem Zusammenhalt beglückt. Fünf kleine Häuser stehen da am Fluss, in denen mehrere Familien, Onkel, Tanten und Großeltern leben. Da wird füreinander gesorgt und eingestanden, gestritten und sich vertragen, sich vertraut und verziehen. Zwischen Juss und seine Cousine Amber passt kein Blatt Papier, so unzertrennlich verbringen sie die Tage – bis eben besagter Unfall passiert … Das Happy-End sei hier vorweggenommen! (Jana Kühn)
Es ist der 15. März 2011. In Syrien bricht der Arabische Frühling aus, in Deutschland beginnt Aras sein Jurastudium, 12 Jahre nachdem er mit Schwester und Mutter Aleppo verließ. Der Jahrestag der Syrischen Revolution wird zum roten Faden, entlang dessen Luna Ali uns durch das Leben ihres Protagonisten führt. Hörsäle, Alltag zwischen Beziehung, Familienleben und Ausländerbehörde. Ein Interview zur Lage in Syrien. Die inhaltlichen Sprünge zwischen den Kapiteln werden gewagter, die sich zuspitzende Gewalt in Syrien wirkt sich auf Aras Leben in Deutschland aus, so wie andere Geschichten nach vorne dringen. Die sind schön erzählt, verstörend, nicht immer leicht zu lesen.