Ruth Maria Thomas: Die schönste Version

S.Fischer 2024, 272 Seiten, 24 Euro.

Jella und Yannick. Leidenschaftlich. Voneinander überrascht. Verliebt. Am Anfang ihres Lebens. Ein Paar wie es so viele gibt. Bis ein Beziehungsstreit eskaliert, es fallen heftige Worte auf beiden Seiten und mit einem Mal ist alles anders als zuvor. Seine Hände schließen sich um ihren Hals und sie rettet sich in letzter Minute. Was der jungen Protagonistin Jella passiert ist etwas Normales. Häusliche Gewalt gegen Frauen ist kein Phänomen vom Rand sondern sie geschieht. Ruth Maria Thomas nimmt sich dieses Themas an und wagt das Spagat, eine solch wichtige Geschichte zu erzählen, ohne sie zu reduzieren auf Fragen der Täter- oder Opferschaft. In die Wohnung des überforderten Vaters zurückgekehrt, folgen wir der Protagonistin auf ihrer Suche nach all den kleinen Kompromissen und übergangenen Zweifeln, die sie an diese Stelle führten. Welchen Preis hat sie gezahlt, um den begehrtesten Jungen im Dorf zu daten? Wie leicht war es, die beste Jugendfreundin in der Lausitz zurückzulassen, weil deren Lipgloss und T-Shirts durch die Augen der neuen Studienfreunde sonderbar aussahen? Eine Coming of Age Geschichte der späten Nullerjahre. Kompromisslos erzählt. Nicht aus der Hand zu legen. (Kerstin Follenius)

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David Wagner: Verkin

Rowohlt 2024, 400 Seiten, 22 Euro

In seinem Prolog teasert der Autor bereits kräftig an mit Ingredienzien wie Gartenparty, weißhaariger Armenierin im metallisch glänzenden Paillettenkleid, einer geschmuggelten weißen Van-Katze mit blauem und braunem Auge sowie mit Anspielungen auf „seltsame“ Reisen durch Istanbul, die Türkei und das Leben der besagten Verkin. Sogleich startet das erzählerische Feuerwerk, spielt David Wagner mit Fakten und Fiktion rund um ihr schillerndes Leben: Verkin, aus der wohlhabenden Oberschicht stammend, die schon als Jugendliche im Orientexpress zwischen ihren Schweizer Internaten und Istanbul unzählige Liebschaften anfing, X Mal verheiratet war, X Sprachen spricht, X wichtige Menschen kennt und als verfolgte Armenierin gleichzeitig AKP-Lokalpolitikerin ist.. . Oder ist doch alles erfunden? Eigentlich wollte sein Alter Ego, der Ich-Erzähler David, ein Buch über türkische Shopping Malls schreiben, aber bereits ein erster Besuch in ihrem sagenhaften Haus am Bosporus, eigentlich nur zur Übergabe deutscher Wurstwaren für ihren Katzenschmuggel bestimmt, treibt ihn in ihre Umlaufbahn. Immer wieder begleitet er sie als Teil ihrer Entourage in Istanbul und der Türkei und befragt sie über ihr Leben. Und sie erzählt freimütig, spottet über seine Begriffsstutzigkeit und setzt immer wieder eins drauf auf ihre phantastischen Geschichten, worauf der Erzähler weiter nachhakt. Es ist ungemein vergnüglich, dieser eigensinnigen kosmopolitischen Scheherazade zu lauschen! (Stefanie Hetze)

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KAYABU – eine Ausstellung

Eymard Toledo „Kayabu“

Wir freuen uns ein weiteres Mal auf Eymard Toledo. Mit Originalen aus ihrem neuen Bilderbuch Kayabu (Baobab 2024) gestaltet sie eine Ausstellung in unserem Projektraum O45.

Für Kinder ab 6 und ihre Erwachsenen. Eintritt frei

Die Ausstellung  ist Do/Fr/Sa 15 bis 19 Uhr geöffnet.
Letzter Ausstellungstag 4.10.2024.

Projektraum O45 – Oranienstraße 45 – 10969 Berlin

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Der Kita-Buchclub

Schon lange gab es bei der Fachstelle Kinderwelten den Wunsch, gemeinsam mit Kindern Bücher zu lesen und zu bewerten. Zusammen mit VIEL & MEHR e.V., der sich der Veröffentlichung diskriminierungssensibler Kinderbücher verschrieben hat, legten wir los. Beteiligt waren außerdem DasBuchprojekt, ein partizipatives und kollektives Arbeitsbündnis von Kunstschaffenden verschiedenster Profession, die zahlreiche Projekte an Berliner Grundschulen mit dem Ziel, die Lust am Buch und am Lesen zu fördern, durchgeführt haben sowie die Buchhandlung Dante Connection, einer Kreuzberger Kiezbuchhandlung mit großem Sortiment an diversitätsbewussten und vielfältigen Kinderbüchern, mit der wir seit vielen Jahren zusammenarbeiten.

Unser Anliegen war es, neben der kreativen Leseförderung Stimmen und Meinungen von Kindern zu ausgewählten Büchern zu erhalten und den Einschätzungen junger Menschen mehr Raum zu geben. Der partizipative Ansatz spiegelt dabei die Haltung und die Konzepte aller Beteiligten wider.

Die Bücher, die gemeinsam mit den Kindern gelesen werden sollten, basierten auf einer Auswahl der Empfehlungen der Fachstelle Kinderwelten. Einzelne Aspekte sollten über performative und bildnerische Aktivitäten vertieft werden. Auf diesem Wege sollte Kindern das Medium Buch nahegebracht sowie ihre Lust auf Geschichten geweckt werden. Weiterhin sollten gemeinsam mit den Kindern Werkzeuge und Kriterien entwickelt und erprobt werden, um die vorgestellten Bücher zu bewerten – der Kita-Buchclub, ein Pilotprojekt.

Als Ort wurden die Vereinsräume von VIEL & MEHR ausgewählt, wo gemeinsam mit DasBuchprojekt ein Projektraum für kreative Leseförderung betrieben wird. Als Partnerinstitution wurde im nächsten Schritt die INA Kita Dresdener Straße ins Boot geholt, die sich einerseits in fußläufiger Entfernung zum Projektraum, andererseits auf der unmittelbaren Rückseite des Kottbusser Tors befindet – also in einer komplexen sozio-ökonomischen Gemengelage aus Gentrifizierung und damit einhergehender Verdrängung der bisherigen Mieter*innenstruktur, wozu in Kreuzberg auch viele Menschen mit Migrationsbiografie gehören. In diesem Kiez sind Armut und Reichtum nebeneinander sichtbar. Die sozialgesellschaftlichen Probleme zeigen sich anhand besonders vulnerabler Menschen, wie obdachloser Personen oder der aufsuchenden Straßensozialarbeit für Drogengebrauchende. …

Den kompletten Artikel zum Download … klick!

Der Kita Buchclub wird noch bis Ende 2024 durch die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. (BKJ) im Rahmen von „Künste öffnen Welten” gefördert.

Tobias Roth – Italien der Renaissance

Wie kein Zweiter vermag es Tobias Roth, nicht nur sein immenses Wissen über das Italien der Renaissance, sondern auch seinen Enthusiasmus für das Thema und seine eigene Freude am Staunen zu vermitteln. Im inzwischen dritten Band seiner „Städtereihe“ nimmt Roth uns mit nach Rom – und diese Zeitreise ist so packend und macht so viel Spaß, dass man am Ende des Buches eigentlich gar nicht so recht wieder daraus auftauchen will.

Wir wandern mit Petrarca und Bracciolini durch die marmornen Ruinen, staunen über Sonette aus der Feder Michelangelos (u.a. über die Kröpfe lombardischer Katzen) und subversive Gedichte von Vittoria Colonna, werden Zeuge von der zufälligen Entdeckung des Laokoon, sind zu Gast bei einem gigantischen Mittagessen im Vatikan, erstarren bei Augenzeugenberichten von der Plünderung der Stadt während des sacco di Roma, amüsieren uns über das Testament des päpstlichen Elefanten Hanno und und und …

wann? Dienstag, 24. September um 20 Uhr
wo? in der DANTE
Der Eintritt ist frei.

Eymard Toledo: Kayabu

Wir freuen uns ein weiteres Mal auf Eymard Toledo. Mit Originalen aus ihrem neuen Bilderbuch Kayabu (Baobab 2024) gestaltet sie eine Ausstellung in unserem Projektraum O45 – wir laden herzlich ein zu Vernissage, Lesung & Workshop für Kinder.

Eymard Toledeos von persönlichen Reisen in verschiedene Amazonas Gebiete inspirierte und meisterhafte wie stimmungsvolle Papier-Collagen erzählen von einer indigenen Familie auf der Suche nach einem neuen Zuhause in einer fremden Welt.

Vernissage: Samstag, 14. September  ab 19.30 Uhr
Workshop: Sonntag, 15. September um 11 Uhr
Für Kinder ab 6 und ihre Erwachsenen
Eintritt frei, um Anmeldung wird gebeten: anmeldung@danteconnection.de

Die Ausstellung  ist Do/Fr/Sa 15 bis 19 Uhr geöffnet.
Letzter Ausstellungstag 4.10.2024.

Projektraum O45 – Oranienstraße 45 – 10969 Berlin

 

 

Freitag, 13. September

Signierstunde mit Thorsten Nagelschmidt

Thorsten Nagelschmidt kommt in die Dante, um seinen neuen Roman Soledad zu signieren.

„Wie in seinem hochgelobten Roman Arbeit erzählt Thorsten Nagelschmidt in Soledad mit beeindruckendem Einfühlungsvermögen und Witz von auf den ersten Blick sehr ungleichen Menschen, die sich in ihrem Wunsch nach Anerkennung und Zugehörigkeit näher sind, als sie anfangs dachten.“

Kommt auch!

wann? Freitag, 13.9.24 ab 17 Uhr

Ihr könnt nicht kommen? Dann bestellt doch gerne ein signiertes Buch vor:
Vorbestellung im Webshop

oder

Zum Bestellformular

 

NEU unser Webshop ist online

Ab sofort ist unser Webshop online, in dem von überall und rund um die Uhr recherchiert und bestellt werden kann – und zwar in zwei Varianten:

+  zur Abholung und Bezahlung bei uns in der Buchhandlung (mit dem Button Click & Collect sieht man sofort, was wir vorrätig haben)

oder auch

+ mit Versand und Online-Bezahlung (aktuell nur paypal) an eine deutschlandweite Lieferadresse.

 

Auf zum Webshop!

 

 

Nilsson, Frida: Martin & Jack

Illustriert von Torben Kuhlmann, übersetzt von Friederike Buchinger, Gerstenberg 2024, 376 Seiten, 22 Euro.

In ihrem neuen Roman für Kinder erzählt Frida Nilsson aus einem Schweden zu Beginn des 20. Jahrhunderts, ohne sich komplett an historische Tatsachen zu halten, besonders was Hunde betrifft. Einerseits agieren sie wie Menschen, andererseits führen sie in einem buchstäblichen wie übertragenen Sinne ein Hundeleben – gesellschaftlich geächtet und allerseits herabgewürdigt. Zu Beginn schuften Martin und Jack, Pflegekind und bediensteter Hund, schon viele Jahre zusammen auf dem Hof eines strengen und unerbittlichen Bauern. Erst als der Bauer den altersschwachen Jack verstößt, schließt sich der Junge dem Hund an und flieht – auch weil Jack Martin endlich Details über seinen vermeintlich verschwundenen Vater verrät. Schnell stoßen neue Gefährten zur Reisegruppe, allerdings ebenso Verfolger, denn, so liest man es in allen Zeitungen: Der Hund hat den Jungen entführt! Frida Nilsson ist es erneut wunderbar gelungen, ihre Figuren mit charakterlicher Tiefe voller Grauzonen zu erzählen. Martin & Jack ist historischer Abenteuerroman und große Parabel über bis heute und weltweit ungeklärte Ungerechtigkeiten und verhandelt en passant Fragen zu Freundschaft und Wahlverwandtschaft. Ein großer Wurf und tiefgründiger Schmöker! (Jana Kühn)

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Andrej Bulbenko & Marta Kajdanowskaja: Elektrizität und Himmelsfische

dtv 2024, 192 Seiten, aus dem Russischen von Olga Radetzkaja und Henriette Reisner, ab 12

Ein schwerhöriger Großvater hinterm Steuer, der unentwegt die falsche Abfahrt nimmt. Die Großmutter auf dem Beifahrersitz schimpft, vom Opa konsequent mit N-Ä-Ä-Ä-Ä übertönt. Die Mutter auf der Rückbank, eingeklemmt zwischen Taschen, dem Vater und den beiden Kindern wüsste einen Weg – es ist aber ohnehin vergeblich, denn die Familie steht im Stau. Nichts bewegt sich. Was klingt wie der Beginn einer turbulenten Urlaubsgeschichte ist in Wirklichkeit jedoch etwas ganz anderes. Die Familie ist auf der Flucht. Ihre Heimatstadt steht unter Beschuss und die Großeltern haben entschieden, zu evakuieren. Die Enge des Autos ist schwer zu ertragen für die 14jährige Marzia, die dem Familienkäfig entflieht und zur Erzählerin wird. Sie findet messerscharfe Worte für ihre Wut über das Unvermögen der Erwachsenen, ihr all das nicht erspart zu haben. Das ukrainische Autor*innenduo, ein bekannter Schriftsteller und eine 15jährige Schülerin, ist ein phantastisch gutes Gespann. Beide haben je eigene Fluchterfahrungen und wissen, an welchen Stellen sie innehalten und das nicht Auserzählte Bilder aufruft, die noch sehr lange nachwirken, ohne je die Leichtigkeit zu verlieren. Grandios übersetzt und rhythmisiert. Eine Geschichte vom Erwachsenwerden und vor allem eine Geschichte über Krieg, Flucht und Heimatlosigkeit aus einer bislang unerzählten Perspektive. Technisch meisterhaft, voller Humor und tief. Ein Buch für unbedingt alle ab 12. (Kerstin Follenius)

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