Olga Grjasnowa: Gott ist nicht schüchtern

Aufbau Verlag 2017, 309 S., € 22,-

Grjasnowa Gott ist nicht schüchtern_Danteperle_Dante_Connection Buchhandlung Berlin KreuzbergAmal ist jung, aus reichem Hause und steht am Beginn einer vielversprechenden Schauspielerkarriere. Hammoudi hat sein Medizinstudium in Paris mit Auszeichnung abgeschlossen und ist nur nach Syrien zurückgekehrt, um seinen Pass verlängern zu lassen. Beide werden durch den Beginn des Krieges aus ihrem Leben gerissen. Amal sympathisiert mit den Protesten gegen das Regime und nimmt in Damaskus an Demonstrationen teil. Dadurch gerät sie ins Visier des Geheimdienstes. Nach Verhaftung und Folter entkommt sie nach Beirut. Hammoudi überraschen die beginnenden Kämpfe in seiner Heimatstadt im Osten Syriens. Er versucht unter improvisierten Bedingungen so vielen Verletzten wie möglich als Chirurg das Leben zu retten und sieht tausende sterben. Die Machtübernahme des IS zwingt auch ihn zur Flucht. Olga Grjasnowa verschont den Leser nicht, erzählt in nüchtern klarer Weise von Folter, Flucht und Krieg und führt uns vor Augen, was wir zu gern verdrängen. Ein wichtiges Buch, das unter die Haut geht. (Syme Sigmund)
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Fatma Aydemir: Ellbogen

Hanser 2017, 272 S., € 20,00

Aydemir_25441_MR1.inddDie junge Weddingerin Hazal Akgündüz wehrt sich. Sie will leben, lieben, frei sein. Ganz anders ihre Realität: keine Perspektive und zu Hause den konservativen Eltern Tee servieren müssen. Nur mit Tricksereien gelingt es ihr, ihren 18. Geburtstag mit Freundinnen zu verbringen. Gemeinsames Auftakeln und Wodkakippen und dann ab in den Club gestöckelt. Anders als die westlichen Ausländer dürfen sie nicht rein, alles ist versaut. Gedemütigt und betrunken wissen die jungen Frauen nicht wohin. Es kommt zu einer Begegnung mit einem blöden Jutebeutelträger, die so extrem eskaliert, dass Hazal in Istanbul, wo sie noch nie war, untertauchen muss.

Mit umwerfender Direktheit und Nuancenreichtum erzählt Fatma Aydemir von der Wut junger Deutschtürkinnen die ohne Chance auf eine eigene Lebensperspektive sich eben nicht ducken wollen. Großartig! (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Fatma Aydemir liest am Donnerstag, den 30. März um 20.15 Uhr in unserer Buchhandlung.

Deniz Yücel: Taksim ist überall

Die Gezi-Bewegung und die Zukunft der Türkei, Edition Nautilus 2014, € 14,90 .

nautilus_pbAls es Ende Mai 2013 in Istanbul zu Protesten gegen den geplanten Abriss des an den Taksim Platz angrenzenden Gezi Park kam, wurden diese von der türkischen Regierung im Stil eines Polizeistaates und mit enormer Gewalt niedergeschlagen. Binnen weniger Tage weitete sich der Protest dennoch aus, wurde zum Kampf einer heterogen Gemeinschaft, die Studenten, Homosexuelle, Gewerkschafter, Alt-Linke und junge politische Aktivisten ebenso wie bis dato politisch nur wenig Interessierte vereinte. Ihnen allen ging es um weit mehr als um die Rettung einer Grünanlage. Nicht weniger als ein sozialer Aufstand gegen die islamisch-konservative AKP-Regierung und Erdogans autoritären Regierungsstil fand statt. Der taz-Redakteur Deniz Yücel verbrachte neun Monate in Istanbul, um von den Geschehnissen zu berichten. Aus seinen Aufzeichnungen entstand diese Flugschrift, die anschaulich politische, historische und stadtplanerische Zusammenhänge rund um den Taksim-Platz erklärt und eine Vielzahl an persönlichen Interviews enthält, die Yücel mit sehr unterschiedlichen TeilnehmerInnen des zivilen Widerstands führte. Die entsprechend vielstimmige Flugschrift zeigt ein komplexeres, gleichwohl verständlicheres Bild der Gezi-Bewegung als es bisher von deutschen Medien gezeichnet wurde und ist darüber hinaus ein sehr lesenswerter Bericht über die gegenwärtige türkische Gesellschaft. (Jana Kühn)