Jean Stafford: Die Berglöwin

Aus dem amerikanischen Englisch von Adelheid und Jürgen Dormagen, Dörlemann 2020, 352 S., € 25,-

Stafford-Berglöwin-US-6.inddRalph und Molly sind die jüngsten Kinder einer amerikanische Mittelstandsfamilie. Wild, frech und spröde, fühlen sie sich einander auf symbiotische Weise verbunden und ihren großen, eitlen Schwestern sowie ihrer zimperlichen Mutter nicht zugehörig. Als sie mehrere Jahre hintereinander den Sommer auf der Ranch eines Onkels verbringen dürfen, scheint dies für sie zunächst ein unerwartetes Glück. Doch der zwei Jahre ältere Ralph schließt sich mit Beginn der Pubertät dem bewunderten Onkel an und Molly, die sich verraten fühlt, driftet immer mehr in ihre eigene störrische Welt ab. Schleichend baut sich in diesem 1947 erschienen Meisterwerk eine zum Reißen gespannte psychologische Spannung auf. Ein großes Stück Weltliteratur der heute fast vergessenen Pulitzerpreisträgerin, das es wiederzuentdecken gilt. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Dorothy Baker: Zwei Schwestern

Aus dem Amerikanischen von Kathrin Razum. Mit einem Nachwort von Peter Cameron. dtv 2015, € 19,90

16_baker_schwesternEine Wiederentdeckung und Neuübersetzung des Romans aus dem Jahr 1962, der klassisch beginnt: Cassandra fährt zur Hochzeit ihrer eineiigen Zwillingsschwester Judith nach Hause. Doch schon ihre Stopps zum Trinken machen klar, dass sie sich alles andere als freut. Um jeden Preis will sie diese Eheschließung verhindern, schließlich ist Judith auf dem Weg, eine berühmte Musikerin zu werden und gehört vor allem ihr allein. Auf der isolierten Ranch erwarten sie nur Judith, der Vater und die Großmutter, ihre Mutter, eine Schriftstellerin, lebt nicht mehr. Kompromisslosigkeit und sich selbst ganz und gar treu zu bleiben, zeichnet diese elitäre Familie aus. Widersprüche umgehen sie mit Rückzug. Mit der Ankunft Cassandras und später des Bräutigams platzt das heikle familiäre Gleichgewicht, nimmt Fahrt auf und steigert sich dank der Kunst Dorothy Bakers zu einem großen existentiellen Drama. Carson McCullers schrieb: “. . .einfach brillant.” Dem ist nichts hinzuzufügen. (Stefanie Hetze)