Mit Illustrationen von Nele Palmtag und mit Audio-CD, Carlsen 2015, 80 S., €16,99, ab 8
(Stand März 2021)
Max liebt seinen Großvater. Über alles. Doch den plagt das große Vergessen – denn er ist demenzkrank und lebt in einem Pflegeheim. Max hat Sehnsucht, nach dem wie es einmal war. Und er macht sich Sorgen, wie es einmal sein könnte, wenn Großvater sogar vergisst, dass es Max gibt und wie lieb er ihn hat. Eines Tages hält er Sehnsucht und Sorgen nicht mehr aus und beschließt, seinen Großvater zu entführen. Die beiden hauen ab und Fräulein Schneider kommt mit. Das Ziel ist ein magischer Ort: Blumental. Andreas Steinhöfel erzählt mit warmherzigem Humor und in poetischen Sprachbildern vom Alt- und Jungsein, von einer besonderen Beziehung, vom Abschiednehmen und von Erinnerungen, die trotz allem Festhalten manchmal entgleiten. Mit den Buntstiftbilderwelten von Nele Palmtag und 12 Klassikstücken von Bizet und Prokofiew, gespielt vom SWR-Sinfonieorchester, wird dieses Hör-Buch zum audiovisuellen Rund-um-Vergnügen – einfühlsam und anrührend auf allen Ebenen. (Jana Kühn)

32 Stunden, 12 Minuten und 10 Sekunden müssen sich Craig und Harry küssen, um den Rekord im Langzeitküssen zu brechen. Das ist offensichtlich nicht irgendein Kuss. Ein Symbol soll er sein für alle Homosexuellen. Und natürlich sorgen die beiden Jungen in ihrem kleinen Heimatort in der US-amerikanischen Provinz für Furore mit dieser öffentlichen Aktion. Aber nicht nur dort, sondern weltweit wird dieser Kuss im Live-Stream verfolgt. Auch von diesen Beobachtern erzählt David Levithan und verknüpft mehrere Erzählstränge geschickt miteinander. So sind es noch viele Jungen mehr, die in diesem Roman küssen, lieben, streiten, versöhnen, prügeln, weinen, straucheln sich und andere kennen lernen. In diesen 32 Stunden, Minuten und Sekunden verändert sich nicht nur für Craig und Harry ein ganzes Leben. Dabei ist “Two Boys Kissing” keinesfalls ein Roman nur für schwule Jungen, ganz sicher über sie, ja – vor allem aber erzählt David Levithan vielfältige, anrührende Geschichten über die Suche nach der eigenen Identität und über den enormen Stellenwert von Freundschaften und von Familie. Und noch mehr ist dieser Roman ist ein bewegendes Plädoyer für viele gleichberechtigte Arten zu Sein und zu Lieben, den einfach alle lesen sollten! (Jana Kühn)
29 und immer noch unverheiratet – eine Schande in den Augen von Valancy Stirlings Familie. Jahrelang musste sie unter dem Spott ihrer Familie leben. Nachdem sie die Nachricht ihres Arztes erhält, voraussichtlich nur noch ein Jahr zu leben zu haben, beschließt sie sich von ihrer Familie loszureißen und auszuziehen. Sie pflegt eine sterbenskranke Jugendfreundin bis zu deren Tod und erhält von deren Vater im Gegenzug einen Schlafplatz und Lohn. Sie verliebt sich, heiratet sogar und findet endlich das Blaue Schloss, von dem sie schon immer geträumt hat und mit dem sie sich einen Rückzugsort vor ihrer dominanten Familie schuf, im wahren Leben.
Jamie-Lee wohnt in der 11. Etage eines tristen Hochhauses, das mitten in einem sogenannten Problemviertel steht. Ihre Mutter ist Alkoholikerin, ihr großer Bruder geht nur selten zur Schule und gibt das wenige Geld schon mal lieber für Zigaretten aus – aber dann eben Chips zum Frühstück. Jamie-Lee ist lebensklug und sehr pragmatisch. Ausgerechnet als ihre Mutter ins Krankenhaus muss, die geliebte Oma nach Polen fährt und deshalb das Jugendamt schon sehr nervös klopfen kommt, trifft sie Fee. Die Millionärstochter ist auf der Flucht vor ihrer gemeinen Stiefmutter. Kurzerhand nimmt Jamie-Lee sie mit nach Hause. Und ab jetzt wird es richtig wild, denn nur wenig später lernt das Mädchen einen Obdachlosen und seinen alternden Jagdleoparden Kröger kennen – und bringt auch diese bei sich zuhause unter. Der Leopard ist irgendwie geklaut und die Polizei sucht schon in der ganzen Stadt nach Fee. Und nun? Der soziale Spagat zwischen den beiden Mädchen und ihren Familienverhältnissen wirkt anfangs etwas gewagt, doch gelingt der Autorin in großer Fabulierlust ein meisterlicher Spannungsbogen mit ungewöhnlichen und überzeugenden Figuren, sehr viel Witz und jeder Menge Sozialkolorit. (Jana Kühn)
Kaspar lebt bei seinem Opa, und Opa hat nicht viel Geld. Als der Motor seines Boots den Geist aufgibt, kommt ihm der Wettbewerb der Lokalzeitung, bei dem mit dem größten Hecht ein neuer Außenborder zu gewinnen ist, gerade recht. Aber darf man in der Not einen gekauften Hecht für seinen eigenen Fang ausgeben? Und was, wenn dein größter Konkurrent das auch tut, und der hat schon drei Motoren in der Garage? Kaspars Freundin Lina sagt, dem dürfte man sogar einen Motor klauen. Lina ist älter und will Polizistin werden. Die wird das schon wissen. Gut und böse, erlaubt und verboten – es ist gar nicht so leicht, hier zu einem Urteil zu gelangen. Engström verlangt viel von seinen jungen Lesern, aber er traut ihnen auch viel zu, und das ganz ohne erhobenen Zeigefinger und wunderbar vielschichtig, turbulent und voller Witz. Und da ist es einmal ganz sicher, dass er hier vollkommen richtig liegt. (Syme Sigmund)
Es geht richtig gut los. Aus dem Umschlag läßt sich mit ein bißchen Schneiden und Kleben ein kleines Pop-Up-Haus zaubern, das danach schreit, verschönert zu werden. Auf den ersten zwei Seiten können die Kinder eintragen oder einmalen, wo sie wohnen, wie es bei ihnen zu Hause aussieht, mit wem sie leben, ob sie gerne umziehen würden. Die nächsten Blätter stellen die Frage nach dem eigenen Zimmer, den Vor- und Nachteilen jeweils. Und dann machen die Künstlerinnen und Künstler der Labor Ateliergemeinschaft ihr Füllhorn an Ideen, Vorschlägen, Fragen und Anregungen auf. Schräge Skizzen, s/w-Fotos, witzige Comics, detaillierte Listen, lustige Suchbilder und Geschichten ermuntern die Kinder, sich mit vielfältigsten Aspekten des Wohnens, Bauens und Lebens zu beschäftigen. Da gibt es ein WG-Casting, schiefen Haussegen, abgefahrene Wohnideen und wie man im Weltall schläft. Das macht viel viel Spaß, dabei werden große Themen berührt wie Nachbarschaft, Ordnung, Flucht, Klima, Reichtum, Wohnungslosigkeit, Zukunftsvisionen … Enorm anregend. (Stefanie Hetze)
Ferien! Wie wunderbar und endlich kann es losgehen in den Sommer. Es wird gepackt und hoffentlich nix vergessen, aber natürlich vergisst man immer irgendetwas Wichtiges. Das fällt einem dann kurz vor der Autobahn noch ein – und zurück. Dann wird lange Auto gefahren und endlich, endlich sieht man das Meer. Und jetzt Zelt aufbauen – oje, wie ging das noch mal? Ja, die Nachbarn schnarchen, es gibt zu viele Krabbeltiere, und die Spaghetti sind klebrig. Aber dafür ist es nie nie langweilig! In detailreichen Momentaufnahmen und mit viel Humor erzählt Philip Waechter von den kleinen Fallstricken und dem dennoch großen Glück des Zelturlaubs. Ein wunderbarer Bilderspaß für alle Campingfans – Wiedererkennungseffekt garantiert! (Jana Kühn)
Wieder einmal ist Saras Mutter verschwunden. Deshalb wohnt sie nun bei ihrer Großtante Louise. Damit das Mädchen nicht so allein ist – vielleicht aber auch wegen der 17 Dollar pro Tag – nimmt sie noch Angel in Pflege dazu. Stella ist selbstständig, häuslich und ordnungsliebend, Angel dagegen distanziert, aufbegehrend und provozierend. Verschiedener können zwei Mädchen wohl kaum sein und die beiden haben sich nichts zu sagen. Bis sie miteinander reden und auskommen müssen, denn eines Tages sitzt Louise tot in ihrem Sessel. Eine Meldung würde für beide bedeuten, in wieder neue Familien geschickt zu werden. Also halten sie den Tod geheim und in der Not zusammen. Doch nicht nur das. Peu à peu lernen sich die beiden Mädchen kennen und werden einander Familie. Doch wie lang kann das gutgehen? Eine wunderbare Sommer- und Freundschaftsgeschichte! (Jana Kühn)
Was für ein Augenschmaus bereits auf dem leuchtenden Cover! Da versammeln sich große und kleine Tiere, harmlose und gefährliche, zahme und wilde. Sie alle sind retromäßig mit starker Farbigkeit gezeichnet, aufs Wesentliche konzentriert, wirken charakteristisch, aber mit einem leichten Augenzwinkern. Schlägt man die Enzyklopädie auf, werden nicht die typischen Tierfamilien bebildert, sondern sie gruppieren sich um bestimmte prägende Gemeinsamkeiten. Das fängt an mit den “Architekten”: Neben Bibern, Präriehunden, Termiten und Spinnen finden sich unter ihnen auch die eher unbekannten Siedelweber und Lehmwespen. Andere Kriterien sind z.B. “die Zitronengelben”, “die Großfamilien” und “Wanderer”, die “Gladiatoren”, “Riesen”, “Treuen” und und und. Da können schon kleine Kinder schwelgen und nebenbei viel über die Lebensweisen von Tieren erfahren. Und besonders schön das Kapitel mit den “Gezähmten”. Die zugehörigen Menschen sind ebenso verschieden und vielfältig. Ein tolles Hausbuch für die ganze Familie! (Stefanie Hetze)
Der Bär ist ein überaus gutmütiger Zeitgenosse. Einer zum Liebhaben, der niemandem auch nur das kleinste Krümel Böses will. Ganz im Gegenteil! Nur ist gut gemeint eben nicht immer gut. Nochzumal wenn man so ein großer tapsig tolpatschig ungeschickter Kerl ist wie der Bär. Doch damit soll nun Schluss sein, denn der Bär lernt den Einsiedler kennen, der nur auf einen gut erzogenen, freundlichen und gelehrigen Schüler gewartet hat. Könnte also passen mit den beiden. Tut es aber überhaupt nicht, weil sie verschiedener kaum sein könnten. Tut es dann aber doch, weil sich beide auf einander einlassen und den anderen einfach nehmen, wie er ist. Und so lernt der Bär von seinem geduldigen Privatlehrer so großartige Sachen wie Bootfahren, Mauerwerkausbesserungsarbeiten, Leibesübungen und gemeinnützige Aktivitäten. Dabei geht vieles schief und wird trotzdem ganz wunderbar. Das alles ist von John Yeoman zum Piepen komisch erzählt und von Quentin Blake in wenigen Strichen köstlich illustriert. Ein (Vor)Lesespaß für alle ab 6 Jahren und sowieso die ganze Familie! (Jana Kühn)