Candy Gourlay: Wild Song

Übersetzt von Alexandra Rak, Rotfuchs, 319 Seiten, 19,90 Euro
ab 14

1904 ist die schwer zugängliche Region, im bergigen Norden der philippinischen Insel Luzon mit ihren dichten Wäldern und weitläufigen Reisterrassen von den Kolonialkämpfen nahezu unberührt geblieben. Die wenigen US-Amerikaner, die dort überhaupt ankommen, werden freundlich empfangen – so auch im Dorf von Luki. Das 16jährige Mädchen liebte schon als Kind am meisten, was den Jungen vorbehalten war: Kraftvoll und geschickt bewegt sie sich als Jägerin durch den Wald. Nach einer Auseinandersetzung mit den Dorfältesten kommt ihr das Angebot des vermeintlich freundlichen Truman Hunt, seinen Tross zur Weltausstellung nach Saint Louis zu begleiten, gerade recht. Die Menschen in den USA seien neugierig und wollten die Igorot, so die damals abschätzige Bezeichnung der indigenen Tribes, kennenlernen. Doch bereits am Tag der Ankunft zeigt sich, dass die Igorot vor allem Objekte der Gier nach Exotik sind. Für Luki wird die Reise zum schmerzlichen Erkenntnisprozess, der ihr wiederum vor Augen führt, wer sie ist und wofür sie steht – als Individuum und als Igorot. Wild Song stellt universelle Fragen über Macht und Privilegien, Zugehörigkeit und Entfremdung, Loyalität und Freundschaft. So ist dieser mitreißende Coming-of-Age Roman, bei aller Distanz in Zeit und Raum, im besten Sinne gegenwärtig. (Jana Kühn)

Das bestelle ich bei Dante!

Sonntag, 12. Oktober

Omer Bartov: Writing History after the Destruction of Gaza

Im Gespräch mit dem Herausgeber der »Berlin Review« Tobias Haberkorn spricht der Historiker Omer Bartov über die außerordentlichen Folgen des 7. Oktobers und der Zerstörung Gazas auf die moralische Ordnung der Welt.

In englischer Sprache.

Wann? Sonntag, 12.10. um 19 Uhr
Wo? bUm – Raum für solidarisches Miteinander Paul-Lincke-Ufer 21, 10999 Berlin

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Berlin Review und freundlicher Unterstützung von Suhrkamp.

Omer Bartov »Grenzenlose Lizenz« – der israelische Genozid in Gaza, in: Berlin Review, Ausgabe Nr. 4, Juni 2025 / Omer Bartov »Infinite License«, in: New York Review of Books, April 2025

Die Dante bringt die Bücher mit.

Sonntag, 12. Oktober 2025

Buchpremiere: Can Dündar „Ich traf meinen Mörder“ (Galiani)

Mit einem Artikel über geheime Waffenlieferungen der Türkei an eine verbotene syrische Islamistenorganisation macht sich der Journalist Can Dündar Staatspräsident Erdoğan zum Feind. Er wird zu 27 Jahren Haft verurteilt – und es wird ein Attentat auf ihn verübt, direkt vor dem Gerichtsgebäude. Jahre später erreicht ihn ein Brief von seinem möglichen Attentäter, der ihm brisante Informationen verspricht. Dündar trifft ihn und stößt auf ein Netzwerk von geheimen Deals zwischen demokratischen und autokratischen Regierungen. Eine unglaubliche Geschichte, spannend wie ein Thriller, aber leider real – ein erschreckender Blick in die Abgründe politischen Machtmissbrauchs.

Buchpremiere mit Can Dündar
Wann? Sonntag, 12. Oktober um 14 Uhr
Wo? Maxim Gorki Theater

Alle Infos & Tickets zur Veranstaltung … klick!

Die Dante bringt die Bücher mit.

1. bis 4. Oktober 2025

Einladung zum kollektiven Dialog in der Blackbox

An den Tagen um den 3. Oktober eröffnen die Theatermacherinnen Gesine Danckwart und Katrin Hentschel die erste OST-WEST-KANTINE. Um aus dem Untergrund die Wiedervereinigung zu befragen und neu und anders zu zelebrieren, stellen wir Dialog ins Zentrum. Sie laden Zuschauer, Künstlerinnen, Experten, Bürgerinnen und Interessierte ein: Mischt euch! Tauscht euch aus!

Am kollektiven Kantinenfeuer werden Geschichten, Haltungen, Entwürfe, Musiken und Menüs zu Vergangenheit und Gegenwart, zu europäischen Grenzen, Nachhaltigkeit und gemeinsamen Zukunftsvisionen performt und diskutiert. Es geht um das „Wir“ unserer Vergangenheit und Gegenwart: Ost. West. Frau. Mann. Oben. Unten. Gemeinsam.

Mit Songs von Masha Qrella, in einem Setting von Johanna Meyer und Alexander Wolf, in dem sich westliche und östliche Ikonen treffen, Fame sich mit sozialistischen Handschlag verschwistert, entwickeln wir ein neues künstlerisch-diskursives Format.

Die Dante bringt die Bücher mit.

Wann? 1. bis 4. Oktober
Wo? Akademie der Künste // Pariser Platz
Eintritt frei

Alle Informationen mit Uhrzeiten und Podien findet ihr hier.

Donnerstag, 25. September

Buchpremiere Kaśka Bryla »Mein Vater, der Gulag, die Krähe und ich«

Das Literaturhaus Berlin präsentiert Kaśka Bryla und ihren neuen Roman »Mein Vater, der Gulag, die Krähe und ich« (Residenz Verlag). Die Dante bringt die Bücher mit.

Der Sommer 2020 ist heiß und schön, und doch herr­schen überall Angst und Verunsicherung inmitten der Corona-Pandemie – auch auf dem Bauwagenplatz, wo die Autorin wohnt und mit einem schweren Krankheitsverlauf kämpft. Kraft geben ihr die inneren Gespräche mit dem Vater, der als Mitglied der polnischen Untergrundarmee im Gulag interniert war.

Seine Widerständigkeit hat sie geprägt. Ihr eigener Kampf um ein selbstbestimmtes Leben als queere Frau ist ähnlich und doch ganz an­ders. Kraft gibt ihr aber auch das gestrandete Krähenbaby Karl, für das sie sorgt, solange es nicht fliegen kann. Liebevoll, lakonisch und manchmal surreal ver­flicht Kaśka Bryla Aufnahmen der Gespräche mit dem Vater, Fieberträume und Einsamkeit.

Darüber, was es bedeutet, ein Versprechen zu halten und über ihr neues Buch spricht Kaśka Bryla mit der Literaturredakteurin Cornelia Geissler.

Wann? Donnerstag, 25. September um 19 Uhr
Wo? Bibliothek am Luisenbad, 13359 Berlin-Wedding
Eintritt 9 € / erm. 6 € / Berlin-Ticket S 3 €

Mittwoch, 17. September 2025

Buchpremiere A. L. Kennedy »Alle freuen sich«

Das Literaturhaus Berlin präsentiert A. L. Kennedy und ihren neuen Erzählband »Alle freuen sich« (Gepardenverlag). Die Dante bringt die Bücher mit.

Eine Panik-Attacke mitten in einem Londoner Bahnhof, eine frisch verheiratete Frau, die unsicher ist, ob sie nicht doch einen Fehler gemacht hat, und eine Protagonistin, die sich nach dem Verlust von Mann, Tochter und Mutter in einem neuen Leben einrichten muss.

Über die Kunst der Kurzgeschichte spricht A.L. Kennedy mit der Autorin und Übersetzerin Lucy Jones. Den deutschen Text liest Alina Vimbai Strähler.

Eine Veranstaltung in englischer Sprache.

Wann? Mittwoch, 17. September um 19 Uhr
Wo? Prinzenallee 33, 13359 Berlin-Wedding
Eintritt 9 € / erm. 6 € / Berlin-Ticket S 3 €

Miku Sophie Kühmel: Hannah

S. Fischer 2025, 301 Seiten, 24 Euro

Eine wahre Begebenheit: Hannah Höch, bereits erfolgreich in den ersten Stufen ihrer Karriere als Künstlerin und frisch befreit vom dominanten Dadaisten Raoul Hausmann, lernt 1926 die charismatische Autorin und Übersetzerin Til Brugman kennen, die noch kaum veröffentlicht hat.  Ihre gegenseitige Anziehung ist enorm, eine intensive Liebesbeziehung auf Augenhöhe entsteht, die fast zehn Jahre dauern sollte. Die beiden Frauen pendeln zwischen Den Haag und Berlin, zwischen zwei Sprachen, zwischen Erfolg und Misserfolg, Selbständigkeit und Zweisamkeit. Sie müssen Geld verdienen, ihren gemeinsamen Alltag, Freundschaften, Familien bewältigen und als Künstlerinnen vorankommen. Und dies als lesbisches Paar in Zeiten des erstarkenden Faschismus. Diese queere Geschichte selbst ist schon interessant genug, der Text aber, wie ihn die Autorin montiert und poetisiert hat, ist ein literarisches Ereignis. Kühmel hat sich von den beiden Figuren und ihren künstlerischen Praktiken inspirieren lassen und verwebt, verdichtet, zerschneidet, umkreist  Fakten, Briefe, Zitate, Erfundenes, Weltpolitisches und Privates zu einem hinreißenden Liebes- und Künstlerinnenroman. (Stefanie Hetze)

Das bestelle ich bei Dante!

Tom Percival: Der Junge in den falschen Schuhen

Übersetzt von Martina Tichy, Rotfuchs 2025, 336 Seiten, 14,90 Euro, ab 11

Wills Schuhe sind nicht nur auf gar keinen Fall cool, sie sind richtig oll. Genau wie alle seinen anderen Sachen auch. In der Schule wird er gehässig Ramschladen gerufen. Er wohnt mit seinem versehrten und arbeitslosen Vater in einer Gegend mit einschlägigem Ruf. Das Zuhause bleibt oft kalt, der Kühlschrank leer. Das war nicht immer so, aber je länger dieser prekäre Zustand Alltag ist, desto dünnhäutiger wird Will. Und irgendwann helfen selbst die einzigen beiden Lichtpunkte, sein bester Freund Cameron und das Zeichnen, nicht mehr darüber hinweg und Will droht allen Halt zu verlieren. In jeder Zeile des eindrücklichen Romans für Kinder liest sich mit, dass Tom Percival aus eigener Erfahrung genau weiß, wovon er schreibt. Detailreich sind nicht nur die beschwerlichen Lebensverhältnisse beschrieben, sondern ebenso die Strategien des Kindes davon abzulenken – Scham als grundsätzliches Lebensgefühl. Dennoch ist das Buch keinesfalls erdrückend in seiner Problematik, es zeichnet sich vor allem durch eine genaue emotionale Vielseitigkeit aus: das Glück gute Freund*innen um sich zu wissen, die tiefe Ruhe, die sich beim Zeichnen einstellt, der Stolz sich trotz aller Schwierigkeiten integer zu behaupten. Und wer Tom Percival bisher eher als Illustrator kannte, dem sei gesagt, dass auch dieses Buch mit stimmungsvollen Zeichnungen aus seiner Hand versehen ist. (Jana Kühn)

Das bestelle ich bei Dante!

Simonetta Agenllo Hornby: Er war ein guter Junge


Aus dem Italienischen von Christine Ammann, Folio Verlag, 2025, 252 Seiten, 26 Euro

„Was mag aus uns werden?“, diese Frage begleitet die Freunde Giovanni und Santino, die – beide vaterlos – gemeinsam in Sciacca, einer Hafenstadt im Südwesten Siziliens, heranwachsen.
Giovanni führt ein weitestgehend sorgenfreies Leben. Sein Großvater dient ihm als moralischer Gradmesser, seine Mutter sorgt für gute Bildung und die richtigen Kontakte. Santino hingegen versucht dem wirtschaftlichen Abstieg seiner Familie etwas entgegenzusetzen, indem er schon früh den Familienunterhalt aufbessert. Beide Jungs sind ehrgeizig: „Wir werden die Besten sein.“ Und sie werden die Besten – Santino als erfolgreicher Bauunternehmer, Giovanni als angesehener Anwalt. Sie waren gute Jungen und sind jetzt gute Söhne, Freunde, Ehemänner, Väter. Dabei verstricken sich, erst unbewusst, dann wissentlich, immer weiter in ein Netz aus Abhängigkeiten, Gefälligkeiten und Korruption.
Subtil erzählt und fesselnd geschrieben zeichnet der Roman zugleich das Porträt einer Freundschaft sowie der sizilianischen Gesellschaft der 1960er bis 1980er Jahre.
Die perfekte Lektüre für einen spätsommerliche Italienurlaub. (Katharina Bischoff)

Das bestelle ich bei Dante!

LESEN & SPIELEN für Kinder ab 8

 

Kommt mit uns nach Carp City, dem Wimmelspiel im Buchformat!

Das neue Meisterwerk der polnischen Illustrator*innen und Autor*innen Aleksandra Mizielińska und Daniel Mizieliński ist Geschichte, Abenteuer und Spiel zugleich.

Gemeinsam wollen wir mit Euch auf Streifzüge durch Carp City gehen und haben einige Geschichten aus dem Buch wandgroß in unseren Projektraum geholt. Ob es uns gelingt das Rätsel um den tanzenden Karpfen zu lösen? Kommt und rätselt mit …

Wann? Sonntag, 30.11 um 15 Uhr
Wo? Projektraum O45

mehr