Sandra Kegel (Hrsg.): Prosaische Passionen

Die weibliche Moderne in 101 Short Stories, Übersetzungen aus 25 Weltsprachen, Manesse 2022, 928 S., € 40,-

Was für ein Wurf! Autorinnen der Weltliteratur nach 1900 sind hier in einem Band versammelt, und dabei liegt der Fokus keineswegs nur auf Europa und den USA. So sind neben bekannten Namen wie Zelda Fitzgerald, Elsa Morante oder Marguerite Yourcenar auch für Literaturkenner:innen sicher einige – viele – neue Namen zu entdecken. Ein Anhang mit Informationen zu den Autorinnenviten sowie ein kluges Nachwort Sandra Kegels zur Geschichte weiblichen Schreibens liefern bei Interesse weitere Informationen. Eine Schatztruhe mit 101 Erzählungen, welche die Welt aus weiblicher Sicht in Worte fassen. Ein großes Fest! (Syme Sigmund) Leseprobe

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Ambra Edwards: Pflanzenjäger

Wie exotische Pflanzen in unsere Gärten kamen. Aus dem Englischen von Anke Albrecht, Gerstenberg 2022, 304 S., € 40,-

Unvorstellbar, wie unsere Parks, Gärten und Straßen aussähen, auf welche Nahrungsmittel, Kräuter und Arzneien wir verzichten müssten, hätte es nicht die Menschen gegeben, die in ferne Kontinente reisten, große Strapazen auf sich nahmen und zum Teil ihr Leben riskierten, um möglichst viele unbekannte Pflanzen in anderen Teilen der Welt aufzuspüren. Sie beschrieben, zeichneten, sammelten, vermehrten gefundene Pflanzen und Samen und schickten sie an Botaniker und Pflanzenverrückte in ihre Heimaten! Hortensie, Ginkgo, Blauregen, Tee, Pfingstrose, Kaffee, Paranuss, um nur wenige zu nennen… Die abenteuerlichen Geschichten, wie sie entdeckt, oft illegal mit vielen Tricks erbeutet und verschickt wurden, wer sich an ihnen bereicherte, wie Politik mit ihnen gemacht wurde, werden mitreißend erzählt. Immer wieder thematisiert die Autorin, die auf die reichen Sammlungen und Expertisen der Königlichen Botanischen Gärten von Kew zurückgreifen konnte, dabei die kolonialistischen und kriminellen Aspekte des Pflanzenraubs. Gleichzeitig haben die wagemutige Entdeckerlust dieser Sammler:innen, zu denen auch Frauen wie Maria Sibylla Merian gehörten, unendlich zur Biodiversität beigetragen. Bestaunt kann diese Vielfalt, Pracht und Schönheit in den farbigen botanischen Illustrationen werden. (Stefanie Hetze) Blick ins Buch

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Weihnachten 2022

Auch in diesem Jahr kommt der 24. Dezember und sind Bücher wunderbare Geschenke – so wie immer.

Online-Stöbern

Rund um die Uhr können hier auf unserer Website Bücher entdeckt werden. Hier finden sich tolle Empfehlungen für Groß und Klein, unsere Danteperlen und besonders zum Verschenken geeignet, unsere schönen  Weihnachtsperlen! Und für alle, die Italienisch lesen, neue Stelle di Natale.  All diese Bücher können direkt auf unserer Website oder per Mail oder Telefon bestellt werden.

Zeitfenster – in aller Ruhe 

Für alle, denen es im vorweihnachtlichen Trubel absehbar zu voll wird in unserer Buchhandlung, bieten wir auch in diesem Jahr wieder individuell vereinbarte  Öffnungszeiten an. Wir freuen uns darauf, Euch und Sie allein oder auch in kleiner Gruppe in aller Ausführlichkeit und persönlich beraten zu können.

Terminvereinbarung unter 030 – 615 76 58.

Verpackungsservice

Gerne verpacken wir die gekauften Bücher liebevoll und prächtig zur Abholung am nächsten Tag. Es eilt sehr – das kriegen wir auch hin!

Eure & Ihre Dantedamen

Stefanie Hetze, Franziska Kramer, Jana Kühn, Syme Sigmund, Giulia Silvestri

Telefon: 030 – 615 7658
Mail: info@danteconnection.de

Stefan Ineichen: Principessa Mafalda

Biografie eines Transatlantikdampfers. Wagenbach 2022, 256 S., € 34,-

In nur 16 Tagen gelang 1908 die Reise von Genua nach Buenos Aires mit dem schnellen neuen Dampfer, der stolz den Namen der italienischen Prinzessin Mafalda trug. Das Schiff, das für den Transport großer Mengen europäischer Migrant:innen vorgesehen war, die darin eng zusammengepfercht hausen mussten, aber auf ihr Glück in Argentinien hofften, bot gleichzeitig reichen Menschen privilegierten Komfort in einer Luxus- sowie der Ersten Klasse. Die spannenden Geschichten, Herkünfte, Reiseziele, Missionen dieser unterschiedlichsten Reisenden, die der Autor aus einer beeindruckenden Vielfalt an Quellen gehoben hat, reichen weit hinein in die damalige Historie Italiens und der ganzen Welt. Wie in einem Schmelztiegel begegnen sie einander in dem Ozeandampfer, der mit einer Pause im Ersten Weltkrieg bis zu seinem dramatischen Untergang 1927 zwischen Europa und Südamerika hin- und herpendelte. Eine kenntnisreiche und unterhaltsame Biografie nicht nur des Schiffes und seiner Passagiere, sondern auch der sehr bewegten analogen Zeiten. (Stefanie Hetze)

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Luise F. Pusch: Gegen das Schweigen

Meine etwas andere Kindheit und Jugend. Aviva 2022, 280 S., € 22,-

Der Corona-Lockdown ließ bei der feministischen lesbischen Sprachwissenschaftlerin Luise F. Pusch dunkle Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend hochkommen. Im Zeitalter extremer Homophobie in der Nachkriegszeit bis zum Beginn der Neuen Frauenbewegung versteckte sie ihr Gefühlsleben notgedrungen zur Gänze vor ihrer Umwelt und lebte in einer Art innerem Lockdown. So wie damals das Lesen und Studieren sie rettete, nutzte sie die durch die Pandemie erzwungene Isolation und Stille, von ihrer Kindheit und Jugend bis zu ihren Anfängen als Studentin zu schreiben, endlich das Schweigen zu brechen. Das ist alles andere als eine heile Welt, die sie beschreibt. Mit zwei Geschwistern einer alleinerziehenden Mutter im Ostwestfalen der Vierziger, Fünfziger Jahre. Das Geld ist knapp, Kirche, Sexualmoral, heteronormative Werte tun ihr übriges. Äußerlich versucht sie sich anzupassen, während die Gefühle in ihr nur so toben. Zum Glück sind diese restriktiven Verhältnisse hierzulande Vergangenheit. Bislang hat dieser wichtige Aspekt von Lesbengeschichte gefehlt, diese Autobiografie füllt endlich diese Leerstelle. (Stefanie Hetze)

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Jesse Goossens: Unser wildes Zuhause

Tiere im hohen Norden. Aus dem Niederländischen von Eva Schweikart, mit Illustrationen von Marieke Ten Berge, Aladin 2022, 88 S. im Großformat, € 20,-, ab 5 und für alle

Was gibt es in diesem tollen großformatigen Buch nicht alles zu entdecken! Vom Basstölpel über das Eurasische Gleithörnchen und den Pottwal bis zum Schopfalk und dem Walross kommen 33 Tiere hier zu Wort. Ja, zu Wort, denn jedes Tier erzählt selbst von sich, davon wie es aussieht, wie es lebt und was es Besonderes kann – der Gelbschopflund zum Beispiel sammelt bis zu 62 Fische gleichzeitig in seinem Schnabel – und auch, wie sehr und auf welche Weise es durch den Einfluss des Menschen und den Klimawandel bedroht ist.
Begleitet wird jede der unterhaltsam-informativen Doppelseiten durch wunderschöne Illustrationen – meist kolorierte Linoldrucke – der Autorin, die allein schon das Buch zu einem wahren Kunstwerk machen.  (Syme Sigmund) Blick ins Buch

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Tom Gauld: Der kleine Holzroboter und die Baumstumpfprinzessin

Aus dem Englischen von Jörg Mühle, Moritz 2022, 40 S., € 16,95, ab 5

Wie in so manchem Märchen sind da zu Beginn ein König und eine Königin, die sich lange schon sehnlichst ein Kind wünschen. Eine Erfinderin und eine Hexe werden zu Rate gezogen und siehe da, ein kleiner Holzroboter und eine Baumstumpfprinzessin beglücken ihnen von nun an die Tage. Bis, ja bis durch ein Versehen die Baumstumpfprinzessin verloren geht … Das war es aber auch mit der Erzähltradition, denn Tom Gauld lässt herrlich viel Raum für eigene Geschichten und Fantasien. In großen und kleinteiligen Bildtafeln wird das aufregende Abenteuer der wohl niedlichen, aber keinesfalls süßlich gezeichneten Geschwisterkinder erzählt. Ein Genie-Streich! (Jana Kühn)

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Hervé Le Tellier: Ich verliebe mich so leicht

Aus dem Französischen von Romy und Jürgen Ritte, Rowohlt 2022, 128 S., € 20,-, TB Dezember 2023, € 13,-

Unser Held – einen anderen Namen werden wir nicht erfahren – ist verliebt. So verliebt, dass er seiner zwanzig Jahre jüngeren Affäre nach Schottland hinterher reist – gegen jede Vernunft, was ihm schon im Flugzeug klar ist, und gegen ihren ausdrücklichen Willen. Sie ist liiert und bei ihrer Mutter zu Besuch, stimmt dann aber doch einem Treffen zu – und zeigt ihm deutlich, wenn auch mit Feingefühl, dass er nicht erwünscht ist. So bemitleidet er sich selbst in im Voraus gebuchten Hotelzimmern mit zu großen Betten, ruft sie erneut und erneut und erneut an, ringt um ein weiteres Treffen, weiß, dass er sich – anders lässt es sich kaum sagen – zum Affen macht … und kann doch nicht anders.
Ein äußerst amüsantes kleines Stück Literatur über das Altern des Mannes und die Vergeblichkeit der Liebe. Ein kunstvoll-ironisches, sehr charmantes Büchlein für ein paar Stunden der Leichtigkeit. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Chantal Akerman: Meine Mutter lacht

Aus dem Französischen von Claudia Steinitz, Diaphanes 2022, 208 S. mit zum Teil farbigen Abbildungen, € 22,-

Eine Tochter versucht den Spagat, ihr eigenes Leben zwischen den Kontinenten zu bewältigen und gleichzeitig ihrer alten pflegebedürftigen Mutter in ihrer Wohnung beizustehen und nahezukommen. Die Mutter, eine Auschwitzüberlebende, die nicht über ihr Leid spricht, sich endlos über die unangepasste Tochter aufregt und gleichzeitig stolz auf sie ist. Die Tochter, die zwischen Brüssel, Paris, New York pendelt, schwierige Liebesbeziehungen zu Frauen lebt und mit schweren Depressionen kämpft. Das ist das Material, aus dem die Autorin Chantal Akerman ein intensives berührendes nachhallendes Journal gezaubert hat. So wie sie sich als Filmemacherin einen Deut um cineastische Konventionen scherte und mit ihrer rigorosen Herangehensweise die feministische Filmkunst prägte, findet sie in ihrem literarischen Vermächtnis, zwei Jahre nach der Veröffentlichung nahm sie sich das Leben, wieder eine ganz eigene Form. Ihr autofiktionaler Text, der zwischen Erinnerungen, Aufzeichnungen ihrer Mutterbesuche und Reflexionen und Empfindungen changiert und dem sie private Fotos und Standfotos aus ihren Filmen zugefügt hat, passt wie das Leben der Mutter und das Chantal Akermans in keine Schublade. Mehr als bereichernd. (Stefanie Hetze)

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Dacia Maraini: Caro Pier Paolo. Briefe an Pier Paolo Pasolini

Aus dem Italienischen von Maja Pflug, Rotpunkt 2022, 208 S., € 25,-

(Caro Pier Paolo, Neri Pozza 2022, ca. € 22,80)

Fast ein Vierteljahrhundert nach seinem gewaltsamen Tod erscheint Dacia Maraini sanft lächelnd und sie direkt ansprechend ihr guter Freund Pier Paolo im Traum. Als sie ihn, glücklich ihn wiederzusehen, umarmen will, ist er verschwunden. Doch nimmt die Schriftstellerin die damit plötzlich wieder aufgetauchte Intensität an mit ihm verbundenen Erinnerungen zum Anlass, Briefe an ihn zu schreiben. Voller Zuneigung, aber auch mit dem liebevoll-kritischen Blick einer wirklich Vertrauten, erinnert sie sich an Pasolini, den Streitbaren, den Menschenfreund, den Dichter . . . An ihre Zusammenarbeit bei Drehbüchern, an ihre abenteuerlichen Reisen zusammen mit Alberto Moravia, manchmal mit Maria Callas, an ihren unaufhörlichen persönlichen und intellektuellen Austausch. Vor allem aber ist es ein intimes Buch über von einem großen Kreis rund um Pasolini, Moravia und Maraini innig und leidenschaftlich gelebte Freundschaften im Rom der Sechziger und Siebziger Jahre, die trotz aller Nähe und Zuneigung die innere Einsamkeit und Zerbrechlichkeit des Freundes nicht auflösen konnten. Fein ausbalanciert, was durch die meisterliche Übersetzung Maja Pflugs im Deutschen ein Genuss ist, ist das Buch nicht nur ein Muss für Pasolinifans. (Stefanie Hetze) Blick ins Buch

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