Helon Habila: Öl auf Wasser

Aus dem Englischen von Thomas Brückner, Unionsverlag 2019, 256 S., € 12,95

HabilaRufus ist ein junger Journalist, der sich mit seinem Job bei einer kleinen Zeitung über Wasser hält. Als sich ihm die Gelegenheit bietet, mit dem legendären Reporter Zaq die von Rebellen entführte Ehefrau eines englischen Ölingenieurs aufzuspüren, lässt er sich diese nicht entgehen. Die Reise führt sie in die Sümpfe des Nigerdeltas, eine vergiftete apokalyptische Welt, in der Vögel und Fische sterben, die Mangroven von einem Ölfilm überzogen sind, die Landschaft unter Pipelines begraben liegt, die Nacht von Abgasfackeln erhellt wird und die Fischer, ihrer Lebensgrundlage beraubt, entweder ins Elend der Slums oder zu den Rebellen getrieben werden. Zwischen die Fronten geratend, erfahren Rufus und Zaq hautnah, wie die Soldaten, welche die Rebellen bekämpfen sollen, die lokale Bevölkerung terrorisieren und Macht- gepaart mit Habgier die Menschenrechte mit Füßen treten. Ein spannend und großartig geschriebener Krimi, der uns drängend vor Augen führt, welchen Preis Menschen und Natur für die von internationalen Großkonzernen verschuldete Umweltkatastrophe in Nigeria zahlen müssen.
Der Roman war 2012 auf Deutsch bei Wunderhorn erschienen und lange vergriffen. Wir freuen uns sehr, dass er vom Unionsverlag nun als Taschenbuch wieder aufgelegt wurde. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Aya Cissoko: Ma

Aus dem Französischen von Beate Thill, Wunderhorn 2017, 180 S., € 24,80

Cissoko_Ma_Danteperle_DanteConnectionMassiré Dansira kommt im Alter von 15 Jahren aus Mali nach Frankreich. Sie folgt einem Ehemann, dem sie in der Hoffnung auf ein besseres Leben und regelmäßige Geldsendungen von ihrer Familie anvertraut wurde. Aber es kommt anders. Das Leben in Frankreich ist fremd und ungewohnt, in vielerlei Hinsicht entbehrlich. Nach dem Tod ihres Mannes zieht sie drei Kinder allein und nach bestem Wissen und Gewissen auf, folgt dabei so gut es geht sowohl den Traditionen ihrer Herkunft als auch den weiterhin unverständlichen Codes der ihr so fremden Welt – und hadert kämpferisch mit beiden. Besonders Aya, das mittlere Kind, bereitet ihr Sorgen. Von Aya kommt Widerstand, Aya hinterfragt, Aya fordert ein Leben als junge Französin. Ma ist die beeindruckende Liebeserklärung einer erwachsenen Tochter an ihre Mutter, trotz oder vielleicht sogar wegen eines Verhältnisses, das nie einfach war. Ein versöhnliches Buch, das einer Mutter den liebevollen Respekt erweist, den sie ihr ganzes Leben hat missen müssen – sowohl seitens der französischen Gesellschaft als auch aus dem unmittelbaren malisch-migrantischen Umfeld. (Jana Kühn)
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