Ulrich Alexander Boschwitz: Menschen neben dem Leben

Klett-Cotta 2019, 303 S., € 20,-

2194_01_Boschwitz_MenschennebendemLeben.inddBerlin, Anfang der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Es sind die Jahre der Weltwirtschaftskrise, der Massenarbeitslosigkeit, der Heere von Bettlern, Kriegsversehrten und Verzweifelten in den Straßen der schillernden, lärmenden, rasanten Großstadt. Einigen von ihnen folgt der Roman über vierundzwanzig Stunden, um sie am Ende in einem explosiven Finale aufeinandertreffen zu lassen. Es sind Menschen, die ihre Illusionen, ihre Träume oder sogar ihren Verstand verloren haben, Frauen, die sich aus Not prostituieren, ein Arbeitsloser, der sich mit seinem Schicksal noch nicht abfinden will, ein Kriegsblinder voller Wut.
Boschwitz – der vor den Nationalsozialisten nach Schweden floh – blickt in seinem Debut, das nun erstmals auf Deutsch erscheint, voller Humanität in die Seelen seiner Figuren, urteilt nicht über sie, und bringt sie dem Leser so umso näher. Ein veritabler Großstadtroman mit Anklängen an Döblins „Berlin Alexanderplatz“. Neben dem „Reisenden“ (und zwei verschollenen Manuskripten) blieb dies Boschwitz einziges Buch. Er kam – erst 27-jährig – 1942 ums Leben. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Ulrich Alexander Boschwitz: Der Reisende

Klett-Cotta 2018, 303 S., € 20,-

Boschwitz Der Reisende_Danteperle_Dante_ConnectionBerlin 1938. Der wohlhabende jüdische Kaufmann Otto Silbermann verliert in der Nacht vom 9. November seine Wohnung und seine Firma, nur einen Koffer mit Geld kann er retten. Verzweifelt und in steter Angst, verhaftet zu werden, lebt er die folgenden Wochen in Zügen, fährt kreuz und quer durch Deutschland. Er trifft auf Menschen aller Couleur, Nazis, mutige Helfer, Mitläufer oder Flüchtlinge wie er selbst. Silbermann ist kein Held, er traut sich den illegalen Grenzübertritt nicht zu, und zerbricht immer mehr an der Ausweglosigkeit seiner Situation sowie dem Unglauben darüber, dass Recht kein Recht mehr ist in diesem seinem Land.
Boschwitz schrieb den Text 1938 mit nur 23 Jahren unmittelbar nach den Novemberpogromen. Beklemmend und kaum erträglich wird die Atmosphäre und schreckenerregende Lebenswirklichkeit jener Tage unmittelbar lebendig. Nun erscheint das Buch endlich erstmals in Deutschland. Ein wichtiges, verstörendes, außerordentliches Stück Literatur. (Syme Sigmund)

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