Alea Horst, Mehrdad Zaeri: Manchmal male ich ein Haus für uns

Klett Kinderbuch 2022, 48 S., € 16,-, ab 8

In 2016 ging die Fotografin Alea Horst zum ersten Mal als ehrenamtliche Nothelferin nach Lesbos, um in Moria im Lager für Geflüchtete zu arbeiten. Ihre Kamera begleitete während zahlreicher folgender Aufenthalte den Alltag vor Ort und sie führte viele Interviews – besonders mit Kindern. Das Bilderbuch versammelt nun Portraitfotos und Texte von Kindern aus 2020, als in dem Lager über 20.000 Menschen unter verherrenden Bedingungen leben mussten. Alea Horst holt die Kinder aus der Distanz und Anonymität der Nachrichten und Medienberichte und gibt berührende Einblicke in eine Realität, von der Kinder und auch ihre Erwachsenen hierzulande nur wenig wissen. Der Illustrator Mehrdad Zaeri hat die Texte und Bilder mit viel Feingefühl grafisch ergänzt und gestaltet. Die vollständig transkribierten Interviews mit den Kindern und Jugendlichen sind auf der Verlagswebsite zum kostenlosen Download bereitgestellt. Die kompletten Einnahmen des Buches werden für zukünftige Projekte von Alea e. V. verwendet. Blick ins Buch

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Susann Hoffman: Spielzeug ist für alle da!

Zuckersüß Verlag 2021, 26 S., € 14,90, ab 2

Entgegen aller gängigen Klischees und Zuschreibungen in Geschlechterfragen zeigt Susann Hoffmann hier, dass jedes Kind jede Art von Spielzeug mögen kann. Nicht nur Spielzeug hat kein Gender – wie es auf dem Cover steht – auch das biologische Geschlecht der Kinder wird nicht benannt. Die Bilder zeigen verschiedene Kinder mit unterschiedlichen Hauttönen, Haarfarben und – längen. Ohne Namensnennungen und aus der Ich-Perspektive erzählen sie, welches Spielzeug sie mögen und warum. Beispielsweise Autos wegen der schönen Farben, Skatebords weil sie schön schnell sind und Dinos, weil es so viele Arten gibt – das lässt viel Raum für Identifikation für viele verschiedene Kinder.
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David Barrow: Elefant, wo bist du?

Aus dem Englischen von Bernd Stratthaus, Annette Betz Verlag 2022,  32 S., € 14,95, ab 3

Der Elefant warnt seinen Freund, den Jungen, noch, dass er ziemlich gut im Verstecken ist – aber sei’s drum! Gezählt wird bis zehn, dann startet eine farbenfroh fröhliche Suche. Und tatsächlich ist der Elefant kaum zu finden. Nur wer gaaaaanz genau schaut, entdeckt den wirklich großen Spielfreund hinter der Gardine oder unter der Bettdecke. David Barrow hat sich eine so simple, wie herrlich lustige Geschichte erdacht, die mit nur wenigen Worten auskommt, aber dafür mit viel Farbigkeit und einem großartigen, finalen Twist erzählt wird. Protagonist*innen sind neben dem Elefanten ganz beiläufig die Menschen einer mixed race family.   Blick ins Buch

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Jordan Scott, Sydney Smith (Illustr.): Ich bin wie der Fluss

Aus dem kanadischen Englisch von Bernadette Ott, Aladin Verlag 2021, 44 S., € 18,-

Er kennt es schon, aber heute war es in der Schule besonders schlimm, als wieder einmal die Worte nicht aus seinem Mund kommen wollten und alle Kinder über ihn lachten. Sein Vater – was für eine beglückende Figur! – fährt mit ihm an seinen Lieblingsort, den Fluss und hilft ihm, zu verstehen und zu akzeptieren, dass seine Sprache und auch er selbst wie der Fluss sind: mal sprudelnd, wirbelnd, mal weich und sanft. Wunderbar verdichtet und poetisch, gleichzeitig mit viel Empathie für das Kind erzählt Jordan Scott. Sydney Smith findet dafür berückend schöne, für ein Bilderbuch ungewöhnlich künstlerische und mutige Bilder. Das Buch ist nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2022.

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Helen Stephens: Huhu, Herr Schuhu

Aus dem Englischen von Christiane Lawall, Annette Betz Verlag 2021, 40 S., € 14,95, ab 4

Jeden Abend schaut Ben freudig aus seinem Kinderzimmerfenster. Davor steht ein großer Baum, in dem Herr Schuhu wohnt. Jeden Abend ruft Ben nach ihm und die Eule antwortet tatsächlich – aber nur ihm. Bens Eltern zeigt sie sich nicht, deshalb glauben sie auch nicht so recht an die Eule im Baum vorm Haus. Bis eines Tages der Baum gefällt werden soll und Ben all seine kindliche Energie darauf verwendet, Herrn Schuhus Zuhause zu retten. Mal kleinteilig, mal seitenfüllend zeigt sich Helen Stephens als feinfühlige und gekonnte Erzählerin und Illustratorin, die ihrem Protagonisten wunderbar viel zutraut und erreichen lässt. Und was das Cover nicht erzählt: Ganz beiläufig spielt die Geschichte in einer Mixed Race Familie.

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Kenesha Sneed: Die Farbe von Zitronen

Aus dem Amerikanischen von Katrin Köller, Prestel Verlag 2021, 32 S., € 16,-, ab 4

Eishas Mama ist Töpferin und gestaltet außergewöhnliche und besondere Gegenstände aus Ton, die zu zerbrechlich sind, als dass die Tochter damit spielen darf. Aber sie bekommt ein eigenes Stück Ton, um sich selbst auszuprobieren. Sie formt eine Zitrone, denn die erinnern sie immer an ihren Vater. Ein unachtsamer Moment – und die zitronengelbe Form zerspringt am Boden in viele Stücke. „Was zerbrochen ist, kannst du nicht immer heile machen. Aber du kannst es versuchen.“, sagt Eishas Mutter und hilft ihr, die Zitronenstücke zu etwas neuem Schönen zu gestalten. Die Erinnerung an den Vater bleibt so erhalten. Warme, flächige Farben und eine ebenso warmherzige wie einfache Sprache vermitteln auch schon jungen Kindern viel Trost, wenn etwas oder jemand verloren gegangen ist. Blick ins Buch

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Mieke Scheier: Alles Arbeit oder was?! Was die Erwachsenen den ganzen Tag so tun

Beltz & Gelberg Verlag 2021, 40 S., € 16,-, ab 5

Wimmelige multiperspektivische Bilder, die ganz viele Fragen und Antworten rund um die vielen Aspekte des Arbeitens und Geldverdienens in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufwerfen und beantworten.
Mieke Scheier zeigt verschiedenste Berufe aus Industrie, Service, Wissenschaft und Büroalltag. Was kann eine Arbeit sein? Wie sehen verschiedene Arbeitsplätze aus? Wann fing das eigentlich an mit der (Lohn)Arbeit? Dabei scheut die Autorin auch keine kritischen Hinterfragungen und führt Kinder so an aktuelle Themen und Debatten heran, denn wird alle Arbeit gesellschaftlich gleich bewertet und entsprechend gerecht bezahlt?

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Pija Lindenbaum: Wir müssen zur Arbeit

Aus dem Schwedischen von Jana Hemer, Klett Kinderbuch Verlag 2021, 32 S., € 15,-, ab 4

Das Baby soll endlich schlafen, die drei Kinder in Pija Lindenbaums rasanter Geschichte müssen schließlich los! Auf geht es im roten Auto und da sind sie schon in ihrer Arztpraxis angekommen. Gleich eine OP – was für ein Start! Mit einer Zugreise, einem Lagerfeuer und einer Hexe wird es sogar noch besser. In einer variantenreichen, je nach Gefühlslage wechselnden Farbpalette spielen die Kinder erwachsene Lebensrealitäten nach. Die Schwedin bürstet sie jedoch märchenhaft gegen den Strich und hinterfragt sie ganz nebenbei mit viel Humor. Aufs Herrlichste bekommen Erwachsene den Spiegel vorgehalten: Was wir nicht immer alles müssen! Blick ins Buch

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Reza Dalvand: Plitsch platsch – pitsch patsch

Aus dem Persischen von Nasli Hodaie. Baobab Books 2021, deutsch-persisch, € 12,90, ab 2

Durstig ist das Vogelkind, läuft zur Pfütze hin geschwind. Aber ei, da fliegt es hin und landet … mittendrin! Der Erste zieht es raus, der Zweite reibt es ab und auch der Dritte macht sich nützlich. Doch wer hat das Vogelkind eigentlich in die Pfütze geschubst, fragt der Vierte. »Ich hab‘s doch nur gestupst«, gesteht leicht zerknirscht der Fünfte. Dieses Fingerspiel mit Abzählreim kennt im Iran jedes Kind. Nun können Kinder hierzulande ihren Spaß damit haben. Dazu wunderschön illustriert, auf Recyclingkarton gedruckt und gestanzt, ist die Originalsprache kreativ in die Gestaltung einbezogen und toll übersetzt. Endlich einmal ein „hochwertiges“ und unterhaltsames zweisprachiges Buch für Krippenkinder!

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Pete Oswald: Berg – ein Tag mit Papa

Von Hacht Verlag 2021, 48 S., € 14,-, ab 4

In einer Vorstadtsiedlung erwacht ein Kind und ist gleich großer Aufregung. Heute geht es mit seinem Vater in die Berge! Mit dem Auto verlassen sie die Stadt und erreichen schließlich eine ursprüngliche Gebirgslandschaft, in der sie den Tag mit Wandern, Klettern und Naturentdeckungen verbringen. Höhepunkt ist das Pflanzen eines Baumsetzlings, eine alte Familientradition, in ihrem Fotoalbum zu entdecken. In sehr schönen Farbstiftillustrationen zeigt Pete Oswald das Verhältnis von Kind und Vater ganz ohne Worte wunderbar zugewandt und vertrauensvoll. Das Familiensetting ist in jedem Fall ein finanziell sorgenfreies, eine Mutter kommt zumindest in der Erzählung nicht vor. Ob und warum sie fehlt, bleibt genauso offen wie das Geschlecht des Kindes. Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2022.

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