Sonntag, 16. November 2025

Literarische Matinee im Obermaier

Einer reist mit  – LESUNG & GESPRÄCH mit der Übersetzerin Patricia Klobusiczky und dem Verleger Heinrich Berenberg

Gemeinsam mit dem Salon Obermaier laden wir zur literarischen Matinee ein.

Die französische Schriftstellerin Anne Serre ist eine virtuose Meisterin literarischer und sprachlicher Schelmenstücke. Eine Schriftstellerin im Zug auf dem Weg zu einem Literaturfestival erfindet sich einen besonderen Reisebegleiter, Frauen, die als Gouvernanten eigentlich untergeordnet arbeiten, gehen völlig frei ihren Interessen und Lüsten nach. Leichtfüßig, konzentriert und voller Anspielungen sind diese Texte, die der Rezensent der FAZ Cornelius Wüllenkemper begeistert in der deutschen Übertragung von Patricia Klobusiczky liest, die „… Serres geschliffenen Sprechgesang so brillant ins Deutsche übersetzt…“ hat.

Das bewährte Team aus Gastgeberin Dunja Funke, der Ideengeberin Stefanie Hetze sowie den musizierenden Schauspieler:innen Mariel Jana Supka und Olaf Helbing sorgt für eine abwechslungsreiche anregende Veranstaltung.

Die Dante bringt die Bücher mit. Und dass es im Obermaier dazu eine angemessene Bewirtung gibt, ist selbstverständlich.

Wann? Sonntag, 16. November 2025 um 12 Uhr
Wo? OBERMAIER. Restaurant-Salon

Eintritt 10 €

Anne Serre, geboren 1960 in Bordeaux, hat seit ihrem Roman­debüt 1992 sechzehn Romane und Bände mit Kurzgeschichten veröffentlicht. Für «Im Herzen eines goldenen Sommers», ihre erste Veröffentlichung auf Deutsch, erhielt sie 2020 den Prix Goncourt de la Nouvelle.

Patricia Klobusiczky, geboren 1968 in Berlin, Literaturübersetzerin, Moderatorin und Mentorin, übersetzt aus dem Französischen und Englischen, u. a. Werke von Louise de ­Vilmorin, Marie Darrieussecq, William Boyd, Maaza Mengiste, Anna Langfus und ­Petina Gappah.

Heinrich von Berenberg, geboren 1950 in Hamburg geboren. Verleger, Lektor, Übersetzer und Autor. 2003 gründete er zusammen mit Petra von Berenberg den Berenberg Verlag und brachte eine Vielzahl meist schmaler, aber inhaltlich und literarisch umso gewichtigere Bücher heraus.

 

 

Leon Engler: Botanik des Wahnsinns

Dumont Verlag 2025, 208 Seiten, 23 Euro

Leon Engler startet sein autofiktionales Familienherbarium mit einem Tusch: Die Firma, die die Wertsachen der Mutter vor ihrer Zwangsräumung aus der Münchner Zwei-Raumwohnung einlagern soll, irrt sich im Zimmer und nimmt die sieben Kartons mit, die für den Müll bestimmt waren. Alles Bewahrenswerte geht im Heizkraftwerk Nord in Flammen auf. Hier steckt bereits alles drin, was dieser Roman mit feiner Raffinesse und einem untrüglichen Gespür für die Absurdität von Selbstbetrachtungen verfolgt: Es sind irgendwie immer die falschen Kisten, die weitergegeben werden. Mit diesem Gepäck startet der Ich-Erzähler in seine Geschichte, verliebt sich, freundet sich mit seinem älteren Nachbarn an, streift durch Städte und Begegnungen und öffnet von Zeit zu Zeit einen der schwergewichtigen Kartons: Die Mutter alkoholkrank und, wie der Vater, depressiv, die Großmutter bipolar und suizidal, der Großvater schizophren. Sein Erbe scheint klar, doch fällt er seinen Prädispositionen in den Rücken, wechselt die Seiten und betritt die Psychiatrie mit einem Arbeitsvertrag. Begleitet von Bachmann und Hustvedt, von Freud, Lacan und Klein und nicht zuletzt dem Botaniker von Linné gelingt Engler ein psycholiterarischer Schulterschluss der superklug und einfühlsam schön Familie als einen absolut lebens- und lesenswerten Selbstversuch erzählt. (Kerstin Follenius)

Das bestelle ich bei Dante!

Zyta Rudzka: Lachen kann, wer Zähne hat

Aus dem Polnischen von Lisa Palmes
Friedenauer Presse
2025, 252 Seiten, 24 Euro

Eine Fischschuppe im Portemonnaie, keine Handtaschen auf dem Boden, Kreuze im Brot: Aberglaube ist in Polen weit verbreitet. Und so ist es für Wera, der Erzählerin in „Lachen kann, wer Zähne hat“, Herrenfriseurin ohne Salon, keine Frage, dass sie für ihren soeben verstorbenen Mann Jockey Schuhe für den Sarg besorgen muss. Denn „wenn der Sarg kurz aufgemacht wird, guckt jeder erstmal schnell auf die Schuhe, dann träumt man später nicht vom Toten.“ Aber Schuhe kosten Geld und eine Beerdigung kostet Geld und davon hat Wera, wie von allem anderen auch, weniger als ein bisschen. Also muss sie findig werden. Das kann sie und das wird sie.
Und während Wera versucht, das, wovon sie weniger als ein bisschen hat, zu verkaufen, trifft sie auf alte Bekannte und Liebhaber*innen, konfrontiert sich mit Erinnerungen und durchstreift die verschwindende Halbwelt ihres Lebens. Sie trauert um einstige Lieben, um die Schönheit, um die Welt, die mal die ihre war. Wera dabei zu begleiten, macht großen, großen Lesespaß. Diese herrliche Frauenfigur ist eigensinnig, frech und fordernd. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und keine Rücksicht auf Erwartungen und Konventionen. Witzig, derb und warmherzig! Grandios übersetzt von Lisa Palmes. (Katharina Bischoff)

Das bestelle ich bei Dante!

Phoebe Wahl: Hexe Hazel

Übersetzt von Nils Aulike, Bohem 2025,  96 Seiten, 22 Euro
ab 4 

Hexe Hazel ist eine Figur, die man sofort ins Herz schließt. Ihre Pausbacken leuchten rot wie ihre Zipfelmütze. Sie ist tatkräftig, geduldig, aber auch mal mürrisch. Sie reitet keinen Besen, sondern fliegt auf Eule Otis. Darüber hinaus steckt die Magie ihrer Welt vor allem im Zauber der Natur. Kinder begleiten Hazel in vier Geschichten durch ein Jahr. So erleben sie den Wald in all seinen jahreszeitlichen Veränderungen und lernen Hazels Nachbarschaft aus Tieren, Wichteln und Elfen kennen. Und so vielen ist Hazel eine fürsorgliche Freundin, wie sie im Bilderbuche steht. Phoebe Wahl erzählt in klarer, eingänglicher Sprache vom freundschaftlichen Zusammenleben und lässt ihren Märchenwald dafür in nostalgischen Vintage-Farben strahlen.  (Jana Kühn)

Das bestelle ich bei Dante!

Freitag, 7. November 2025

86 Stunden ›Sopranos‹ in 11 Tagen – da, wo andere Urlaub machen. Thorsten Nagelschmidt erzählt mit Witz, Tiefgang und schonungsloser Offenheit vom Versuch, seinem alljährlichen Weihnachtsunglück zu entkommen.

Als Roman gedruckt und erschienen im März Verlag, erscheint er nun vertont und frisch gepresst bei Clouds Hill.

„Nur für Mitglieder“ ist ein Werk, das sich allen Kategorien entzieht. Prosa-Jazz oder Buchtronica! Spoken-Word? Dafür wird zu viel gesungen. Hörbuch? Zu musikalisch. Soundtrack? Fast – aber dann doch wieder nicht. Was Nagelschmidt und Lambert hier erschaffen haben, ist eine fiebrige Mischung aus Literatur und Musik, aus Text, Stimme und dichten Soundcollagen.

Signiertstunde
mit Thorsten Nagelschmidt
wann? Freitag, 7.11. um 17 Uhr
wo? in der Dante

Mittwoch, 5. November

Was DIE DANTE liest?!

Liebe Leute,

wir laden herzlich zu einem literarischen Herbstabend in unsere Buchhandlung ein.

Auf dem Programm stehen unsere Empfehlungen aus dem Gastlandland der Frankfurter Buchmesse, den Philippinen, sowie unsere Lieblingsbücher der Saison.

Für Getränke und Snacks sorgen wir und freuen uns auf Euren Besuch & Eure Neugierde.

Wann? Mittwoch, 5. November um 20 Uhr
Wo? in der Dante

Eintritt frei. Um Anmeldung wird gebeten: anmeldung@danteconnection.de

Freitag, 17. Oktober

Lesung mit Andrea Bajani »Der Jahrestag«

Ausgezeichnet mit dem Premio Strega 2025 und dem Premio Strega Giovani 2025.

Zehn Jahre ist es her, dass der Sohn seine Eltern zum letzten Mal gesehen hat. Seither hat er seine Telefonnummer gewechselt, die Stadt verlassen, eine unüberwindbare Mauer errichtet, um der schmerzhaften Familiengeschichte zu entkommen. Es waren die zehn besten Jahre seines Lebens.Mit unerbittlicher Präzision erzählt er von seinen Eltern, zeichnet das ergreifende Porträt seiner Mutter, die ihr eigenes Leben aufgegeben hat, um den Ansprüchen des tyrannischen Vaters gerecht zu werden.

»Der Jahrestag« ist ein radikaler Befreiungsroman und eine eindringliche Ergründung der wahrscheinlich prägendsten Verbindung im Leben: der Beziehung zu den eigenen Eltern.

Wann? Freitag, 17. Oktober um 19 Uhr
Wo? Italienisches Kulturinstitut Berlin, Hildebrandstraße 2,  10785 Berlin

Auf Italienisch und Deutsch mit Simultanübersetzung.
Anmeldung erforderlich über Eventbrite: https://der-jahrestag.eventbrite.it 

Es liest auf Deutsch Elletra de Salvo.

Andrea Bajani, 1975 in Rom geboren, wuchs im Piemont auf. Bis heute schreibt der Schriftsteller und Journalist regelmäßig Essays und Artikel, u.a. fürLa StampaundLa Repubblica. Bereits seine dritte Veröffentlichung, der RomanMit herzlichen Grüßen, 2010 auf Deutsch erschienen, war ein enormer Erfolg. FürLorenzos Reise wurde Bajani mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Premio Mondello. Zuletzt erhielt er für Der Jahrestag (2025) den wichtigsten italienischen Literaturpreis, den Premio Strega.

In Zusammenarbeit mit Nagel & Kimche sowie dem IIC Berlin. Die Dante bringt die Bücher mit.

Angela Steidele: Ins Dunkel

Suhrkamp 2025, 357 Seiten, 26 Euro

Da hat sich eine einen ganz großen Spaß erlaubt, und so getan, als hätte sie intimste Kenntnis vom erotischen Privatleben der ikonischen Filmdiven Greta Garbo und Marlene Dietrich. Diese eine ist die Schriftstellerin Angela Steidele. In ihrem Roman lässt sie die junge Schwedin 1924 in einem Berliner „Damenclub“ auf die ebenso junge Dietrich, auf Erika und Klaus Mann treffen und versetzt sie nach ihren überwältigenden Erfolgen in Hollywood Jahrzehnte später in einen verschneiten Schweizer Bergort, wo sie wiederum auf Erika Mann und andere Berühmtheiten stößt. Steidele wirbelt durch Garbos Leben und dem manch anderer, schaut hinter die Fassaden, ist bei persönlichsten Momenten dabei. Das funktioniert, weil sie ihren Roman genial wie einen Kinofilm montiert hat. Sie spielt raffiniert mit Perspektivwechseln und Zeitsprüngen, mit Nahaufnahmen und mit Totalen, mit dokumentierten Fakten und phantasievollster Fiktion. Das geschieht nicht als luftleere Spielerei, sondern Steidele erzählt glasklar, wie sich das frühe Kino zu einem Macht- und Kapitalinstrument verändert hat und wie sich die gesellschaftlichen Verwerfungen auf das Leben, die Arbeit und die Liebe nicht nur dieser Ikonen ausgewirkt hat. Ein ungemein kluges und fundiertes Vergnügen. (Stefanie Hetze)

Das bestelle ich bei Dante!

Anna Maschik: Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten

Luchterhand 2025, 240 Seiten, 23 Euro

Und wieder so eine Geschichte, die im Titel beginnt und mitreißt, bevor die erste Seite überhaupt aufgeschlagen ist. Henrike, die Urgroßmutter, schlachtet heimlich ein Schaf, irgendwo auf dem südmarschen Land, auf ihrem Hof, den sie nach dem frühen Tod der Eltern alleine führt. Alma, ihre Urenkelin, schaut ihr dabei zu: Räuchern, Pökeln, Wurstmachen. Heiraten. Zwei Kriege. Kinder, gewollte und geschehene. Ein Onkel, der 15 Jahre lang schläft. Vier Generationen. Familie ist nicht immer die erzählte Geschichte, oft ist es die Auslassung, die Lücke, in der sich das gelebte Leben verdichtet. Jede Generation hinterlässt sie für die nächste. Jede Generation füllt sie für die vorhergehende. Mal ist das wortstark und bildreich, mal traurig, lustig oder eine Anekdote. Doch manchmal auch nur fadendünn. Eine Liste. Die Wiederholung eines einzigen Satzes, bis sich in seinem Nachklang ein Gefühl einstellt.
Anna Maschik traut sich das ganze Spektrum von Sprache auszuschöpfen, wagt zu verschweigen, im Detail zu verweilen oder mit einem einzigen Satz Jahrzehnte zu überspannen. Diese Form ist bestechend anders: zugänglich, dicht und gewagt zugleich. Ein wirklich schönes Buch. (Kerstin Follenius)

Das bestelle ich bei Dante!

Lara Haworth: Das Abschiedsmahl

Aus dem Englischen von Stefanie Ochel
Kjona Verlag, 2025, 144 Seiten, 23 Euro

„Was für ein Massaker denn? Welches?“ fragt sich Olga Pavić als sie den Brief mit dem amtlichen Stempel der Stadtverwaltung gelesen hat, in dem man ihr mitteilt, dass ihr Haus beschlagnahmt wird und einem Mahnmal weichen soll.
„Was für ein Massaker denn? Welches?“ fragen sich auch ihre Kinder Hilde und Danilo, fragen sich ihre Freund*innen, fragen sich ganz offensichtlich auch die drei Architekt*innen, die in den nächsten Tagen eintrudeln und ihre Ideen vor eine ebenfalls eintreffenden grauen Jury pitchen.
Währenddessen plant Olga ein letztes großes Abschiedsmahl in und für dieses Haus, dem Denkmal ihrer eigenen Lebens- und Familiengeschichte. Aus der Perspektive der verschiedenen Figuren fächert sich diese auf, erzählt von Festen und Gewalt, vom Scheitern, Sterben und Begehren.
In ihrem Debüt nähert sich Lara Haworth schwarzhumorig, klug und behutsam den drängenden Fragen der Erinnerungskultur. Wie kann ein Monument Geschichte einfangen. Wo liegt der schmale Grad zwischen erinnern und vergessen. Wie schreibt sich Erinnerung in den Körper ein. Wo treffen sich individuelles Erinnern und kollektives Gedächtnis. Das berührt und erheitert gleichermaßen. (Katharina Bischoff)

Das bestelle ich bei Dante!