Mit Illustrationen von Marc Boutavant. Aus dem Niederländischen von Bettina Bach, Hanser Verlag 2021, 72 S., € 16,-, zum Vorlesen ab 4
(Stand Januar 2022)
Sechs lange Jahre mussten wir warten, bis zehn neue Wutgeschichten vom bewährten Team Toon Tellegen und Marc Boutavant Kinder und erwachsene Vorlesende erfreuen können. Nun ist es endlich soweit und wir können wieder eintauchen in die komplexen Gefühlswelten von Igel, Frosch, Ameise, Elefant und Konsorten, die einander ganz schön auf die Nerven gehen, aber neben Zorn- und Trotzausbrüchen, verletzten Befindlichkeiten und Missverständnissen auch viel Spaß miteinander haben. Das zeigen nicht zuletzt die vielschichtigen Bilder Marc Boutavants, der die Tiere und ihre Stimmungslagen mit einer heiteren Ironie versieht. Dieses Buch ist wie eine Schatzkammer, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen, miteinander zu philosophieren und sich dabei zu amüsieren. (Stefanie Hetze) (Leseprobe)

Was für ein Schatz, dieses kleine, dicke, aus der Zeit gefallene Buch! Drei Meister:innen ihres Fachs haben in der phänomenalen Naturkunden-Reihe passend zum Thema selbst gezaubert. Der wichtigste britische Vertreter des Nature Writings Robert Macfarlane versammelt verwunschene Beschwörungen und Sprüche, um Insekten, Vögel und anderes Getier herbeizulocken und in unsere Wahrnehmung zu bringen. Die englische Kinderbuchkünstlerin Jackie Morris zaubert nur mit Farben und Wasser all diese wunderbaren Wesen aufs Papier. Und die Poetin Daniela Seel überträgt aufs Feinste diese verwunschene wie noch reale Welt in ein lautmalerisches vielstimmiges Deutsch. Ein wunderschönes Hausbuch für den Reichtum von Vielfalt in Natur und Sprache. (Stefanie Hetze)
Aus ihrem weltumspannenden reichen Fundus hat die Internationale Jugendbibliothek in München wieder 53 Gedichte aus der ganzen Welt versammelt und sie mit entsprechend abwechslungsreichen Illustrationen aus den jeweiligen Ländern bestückt. Der Clou daran, die Texte sind in ihrer Originalsprache abgedruckt und von der Crème de la Crème der hiesigen Übersetzer:innen ins Deutsche übertragen. Das verheißt ein Jahr allwöchentliche Freude mit diesem Kalendarium vielstimmiger Phantasie. Und eine gute Nachricht. Der Moritz Verlag führt den Kinder Kalender weiter!
„Dramatische Rettung in Eis und Schnee“, so lautet der Untertitel dieses großformatigen opulenten Sachbilderbuchs. Es geht um eine wahre Geschichte, die sich im eiskalten Winter 1925 in Alaska ereignete. In der Goldgräberstadt Nome erkrankten Kinder an Diphterie, das dringend benötigte Serum dagegen musste von einer Schlittenhundenstaffel, die auf fast 700 Meilen gegen bitterste Kälte, Schnee, Eis, Stürme, Finsternis und Erschöpfung im Wettrennen mit der Zeit kämpfte. In Lena Zeises atemberaubenden Cinemascopebildern von der alles dominierenden Schneelandschaft und den Hunden, die einfach alles geben, können Kinder und Erwachsene diesen gefährlichen, gut ausgehenden Transport wie hautnah miterleben. Der chronologisch-dokumentarische Text, kleinere informative Zeichnungen, Anmerkungen und eine Landkarte tun ihr Übriges, um aus Balto & Togo ein Vergnügen, gerade für lange Wintertage zu machen. (Stefanie Hetze)
Ein Kunstwerk, das den zweidimensionalen Rahmen von Büchern auf eleganteste Weise sprengt und das Warten auf zum Beispiel eine ersehnte Verabredung oder das Ende schwieriger Zeiten zum schönsten Ereignis macht. Sweety hat einen sehr langen Weg zu absolvieren, bis sie am Hafen wohl hoffentlich noch Jacominus erreicht, der kurz davor ist, ein abfahrendes Schiff zu besteigen und mit dem sie dringend sprechen muss. Seite für Seite können wir mit der Liebenden durch diese filigrane Papierskulptur wandern und ihrem Ziel immer näherkommen. Ob sie es wohl vor Ablegen des Schiffes schafft? Ein Traum! (Stefanie Hetze)
Die Karten auf den Tisch, bitte! Drei wunderschön gestaltete Exemplare in der jeweils selben Hintergrundfarbe gehören hier zusammen. Alle drei zeigen Ausschnitte einer Märchengeschichte. Die Figuren haben per se einen großen Wiedererkennungseffekt, die Farben helfen jedoch zusätzlich beim Sortieren. So können Des Kaisers neue Kleider, Rotkäppchen und so mancher Märchenschatz mehr bestens nacherzählt werden. Ein Booklet hält aber auch alle Märchen zum Vorlesen bereit. (Jana Kühn)
Eli, der in Siebenbürgen in einer kleinen Stadt lebte, zusammen mit seiner Mama und seinem großen Bruder, erzählt seine Geschichte. Wie er anfing, ganz schnell zu rennen, um vor Vampiren weglaufen zu können. Wie er sich mit der gut gelaunten, immer hungrigen Luli aus seiner Klasse anfreundete, dauernd mit ihr um die Wette lief und sich ein Leben ohne sie gar nicht vorstellen konnte. Von einem gar nicht einfachen Alltag in den 1940er-Jahren, aber einem Geborgensein in Familie, Nachbarschaft und im Jüdisch-Sein. Und dann beginnt der Schrecken, Eli wird sehr krank, seine geliebte Freundin Luli zieht weit weg zu ihrem Vater in den USA. Krieg, Verfolgung und Vernichtung betreffen ihn und seine Familie. Doch seltenes Glück ist ihnen vergönnt. Als Erwachsene finden sie einander wieder, gründen in New York eine Familie, überredet Luli ihn, seine Geschichte für ihre Kinder aufzuschreiben.
Norwegens Kinderliteratur hat es in sich, nimmt sich mit Lockerheit und Ideenreichtum brisanter Themen an, so auch Nora Dåsnes in ihrer Graphic Novel über die 12jährige Tuva. Am letzten Ferientag freut diese sich auf ihre Freundinnen Bao und Linnéa, beginnt ihr Tagebuch mit fünf Vorsätzen für die 7. Klasse: Tagebuchvollschreiben, einen coolen Style finden, eine tolle Bude bauen, einen Übernachtungs-geburtstag feiern und sich vielleicht verlieben. Am nächsten Tag der Schock, es ist alles anders geworden. Linnéa hat einen Freund und hängt nur am Handy, Bao ist stinksauer, Tuva hin- und hergerissen – und dann kommt ein cooles Mädchen neu ins Schulorchester.
Er kennt es schon, aber heute war es in der Schule besonders schlimm, als wieder einmal die Worte nicht aus seinem Mund kommen wollten und alle Kinder über ihn lachten. Sein Vater – was für eine beglückende Figur! – fährt mit ihm an seinen Lieblingsort, den Fluss und hilft ihm, zu verstehen und zu akzeptieren, dass seine Sprache und auch er selbst wie der Fluss sind: mal sprudelnd, wirbelnd, mal weich und sanft. Autor Jordan Scott – der selbst ein Leben lang mit seinem Stottern haderte – erzählt wunderbar verdichtet und poetisch, gleichzeitig mit viel Empathie für ein Kind in Not. Der kanadische Illustrator – und selbst ebenfalls Kinderbuchautor – Sydney Smith findet dafür berückend schöne, für ein Bilderbuch ungewöhnlich künstlerische und mutige Bilder. (Jana Kühn)