Eine philosophische Gute-Nacht-Geschichte. NordSüd 2023, 40 S., € 18,-, ab 4 und für die ganze Familie
Genial dieses hinreißende Bilderbuch! In seinem nur von einer schwachen Lampe beleuchteten Zimmer entdeckt ein Kind neben sich auf dem Bett ein riesiges freundlich-dreinblickendes Nashorn. Der Vater glaubt nicht, dass ein Nashorn im Kinderzimmer sei und versucht, dies zu beweisen, indem er überall nachschaut und seiner Ansicht nach auch keines findet. Doch sein Sohn Ludwig und die das Buch anschauenden Kinder wissen es besser und entdecken sofort die vielen Nashornverstecke. Ludwig versucht, seinem begriffsstutzigen Papa auf die Sprünge zu helfen, der immerhin einsieht, dass der Mond da ist, obwohl sie ihn in diesem Moment nicht sehen können. Doch beim Nashorn Fehlanzeige, da bleibt er stur.
Inspiriert von Ludwig Wittgensteins Philosophie hat Noemi Schneider eine einfache wie komplexe Geschichte verfasst, die einlädt, schon mit den Jüngsten über das, was ist oder sein kann, zu debattieren. Die leuchtenden Bilder aus dem nächtlichen Kinderzimmer des Siebdruckkünstlerduos Golden Cosmos, einfach eine Augenweide, regen an, noch mehr zu entdecken. Ein riesiger Spaß zum immer wieder Anschauen und darüber Sprechen! (Stefanie Hetze) Blick ins Buch

Unvorstellbar, wie unsere Parks, Gärten und Straßen aussähen, auf welche Nahrungsmittel, Kräuter und Arzneien wir verzichten müssten, hätte es nicht die Menschen gegeben, die in ferne Kontinente reisten, große Strapazen auf sich nahmen und zum Teil ihr Leben riskierten, um möglichst viele unbekannte Pflanzen in anderen Teilen der Welt aufzuspüren. Sie beschrieben, zeichneten, sammelten, vermehrten gefundene Pflanzen und Samen und schickten sie an Botaniker und Pflanzenverrückte in ihre Heimaten! Hortensie, Ginkgo, Blauregen, Tee, Pfingstrose, Kaffee, Paranuss, um nur wenige zu nennen… Die abenteuerlichen Geschichten, wie sie entdeckt, oft illegal mit vielen Tricks erbeutet und verschickt wurden, wer sich an ihnen bereicherte, wie Politik mit ihnen gemacht wurde, werden mitreißend erzählt. Immer wieder thematisiert die Autorin, die auf die reichen Sammlungen und Expertisen der Königlichen Botanischen Gärten von Kew zurückgreifen konnte, dabei die kolonialistischen und kriminellen Aspekte des Pflanzenraubs. Gleichzeitig haben die wagemutige Entdeckerlust dieser Sammler:innen, zu denen auch Frauen wie Maria Sibylla Merian gehörten, unendlich zur Biodiversität beigetragen. Bestaunt kann diese Vielfalt, Pracht und Schönheit in den farbigen botanischen Illustrationen werden. (Stefanie Hetze)
Was gibt es in diesem tollen großformatigen Buch nicht alles zu entdecken! Vom Basstölpel über das Eurasische Gleithörnchen und den Pottwal bis zum Schopfalk und dem Walross kommen 33 Tiere hier zu Wort. Ja, zu Wort, denn jedes Tier erzählt selbst von sich, davon wie es aussieht, wie es lebt und was es Besonderes kann – der Gelbschopflund zum Beispiel sammelt bis zu 62 Fische gleichzeitig in seinem Schnabel – und auch, wie sehr und auf welche Weise es durch den Einfluss des Menschen und den Klimawandel bedroht ist.
Durchaus vergnüglich, dabei aber vor allem sehr informativ geht es in diesem Sachbuch zu, das viel Geschichte und viele Geschichten erzählt. Der noch im Odessa der UdSSR, in der heutigen Ukraine geborene und seit 1996 in Deutschland lebende Comiczeichner und Illustrator Vitali Konstantinov hat schon in zahlreichen Büchern bewiesen, dass er hervorragend in der Lage ist, fachlich, sachlich und historisch komplexe Zusammenhänge zeichnerisch zu veranschaulichen. Auch wenn eine jede Seite in Alles Geld der Welt auf den ersten Blick wahnsinnig wuselig wirkt, entpuppt sie sich bei genauerer Betrachtung als virtuos durchdachtes Tableau, das eine wahrhafte Flut an Informationen gekonnt bündelt. Vom Muschelgeld zur Kryptowährung – so der Untertitel des Sachbuches – erzählt in kurzen Comic Stripes, Infografiken und Landkarten Entwicklung, Geschichte und Wandel des Geldes. Es erklärt seine Funktion als Wertaufbewahrungs- und Wertübertragungsmittel. Und erläutert finanzpolitische Prozesse wie Währungsunionen. Und falls das jetzt trocken klingen sollte – man legt dieses Buch kaum wieder aus der Hand so unterhaltsam und lehrreich ist es. (Jana Kühn)
Voller Staunen erlebt ein Mädchen zum ersten Mal das Wunder von Schnee, der den noch bunten Garten mit zartem Weiß bedeckt. Aufgeregt läuft das Kind zur Großmutter, die verspricht, zu erzählen, woher der Schnee kommt. Und sie beginnt ein altes persisches Märchen, in dem es um unerfüllte Liebe und das nie nachlassende Warten auf Glück geht. Die bezaubernde Naneh Sarma, die hoch über den Wolken lebt und für Schnee, Regen und Hagel auf der Erde verantwortlich ist, ist in Nouruz verliebt, der nur einmal im Jahr, am 21. März erscheint, und ausgerechnet dann schläft sie tief. So muss sie weiter warten und auf das nächste Frühjahr hoffen. . .
Im Frauenfreibad ist immer etwas los: Neue Gesichter tauchen auf, der Eintritt verteuert sich, der Imbiss fängt an, nur noch vegane Speisen zu verkaufen, die Polizei kommt vorbei… Langweilig wird es den regelmäßigen Besucherinnen nie. Während die alten Freundinnen Gabi und Eva sich um das Konzept von weiblicher Freiheit zanken und Yasemin von ihren Familienangehörigen kritisiert wird, weil sie einen Burkini trägt, besucht eine Gruppe komplett verschleierter Frauen das Freibad. Die Atmosphäre eskaliert immer weiter, bis die Bademeisterin ihren Job kündigt.
Peanut ist ein ausgesprochen kreatives und künstlerisch begabtes Kind. Ihr Talent, vor allem aber ihre Begeisterung für Bildwelten hat sie von ihrem Vater, einem Maler. Derselbe ist aber auch ihr aktuell größtes Problem – er ist nämlich verschwunden. Abgehauen, so sieht es zumindest die wütende und mächtig gestresste Mutter. Doch Peanut kann und will das nicht glauben. Der überraschende Fund eines magischen Bleistiftes, der ihr buchstäblich die Tür in die zauberhafte wie gefährliche Stadt Chroma eröffnet, bringt sie endlich auf eine Spur zum so schmerzlich vermissten Vater. Wer Rob Biddulph – wie ich – bisher nur als Erzähler und Illustrator von spannenden wie urkomischen Bilderbuchgeschichten kannte, der wisse, dass ihm genau dies auch für ältere Kinder hervorragend gelingt. Peanut Jones Geschichte ist aber längst nicht nur ein turbulenter Abenteuerroman oder eine anrührende Erzählung von Freundschaft und Geschwisterliebe, sondern darüber hinaus noch gespickt mit mal mehr mal weniger versteckten Andeutungen auf zahlreiche Vertreter der modernen Kunstgeschichte. So entwickelt sich Peanuts von Neugier und Sehnsucht angespornte Suche zu nicht weniger als einer Rettungsmission für Chroma, der Quelle aller Fantasie – auch in unserer Welt. Fortsetzung folgt! (Jana Kühn)
Ein Hase rettet einem Wolf versehentlich das Leben. Laut dem Ehrenkodex der Wölfe muss sich der furchtlose Jäger nun fürsorglich um den ängstlichen Nager kümmern. Absurd genug, aber der Hase ist auch noch schwer krank und hat neben einem meterlangen Medikamentenplan immer einen Tropf für regelmäßige Infusionen dabei. Es wird also kompliziert! Josephine Mark schickt das ungleiche Paar in ihrem Comic auf eine farbenfrohe, dazu anrührende wie urkomische Tour de Force durch Wälder, Gebirge, Motels und Berghütten. Und in Eis und Schnee beginnt der einsame Wolf langsam aufzutauen … Bis dato punktete der Comics-für-Kinder-Verlag Kibitz mit namhaften und beliebten Autor:innen und Zeichner:innen wie Jutta Bauer, Martin Baltscheid, Anke Kuhl und Patrick Wirbeleit. Doch wie sich nun zeigt, entdeckt das Verleger-Team auch so manches noch unbekannte Talent, so wie Josephine Mark mit Trip mit Tropf. Mit wenigen Punkten und Strichen erweist sie sich als Meisterin einer jeden Mimik und Gefühlslage und schafft mit viel Feingefühl eine verblüffend ermutigende Geschichte um einen echten Brocken von Thema. (Jana Kühn)