Carlsen 2026, 64 Seiten, 15 Euro
ab 8
Die Nachnamen Müller, Lange und Heinrich zählen zu den wohl häufigsten in Deutschland. Aber wie wieso heißen eigentlich so viele Familien so? Ausgehend vom frühen Mittelalter erfahren Kinder, dass die Menschen in dieser Zeit immer mehr wurden und bei gleichen Vornamen dennoch unterscheidbar bleiben mussten. Hans, der ein Müller war, wurde deshalb Hans Müller. Den großgewachsenen Hans nannte man Hans, der Lange. Und Hans, den Sohn von Heinrich, riefen alle Hans Heinrich. Einen Müller gab es in fast jedem Ort, Großgewachsene gab es immer schon viele, und Heinrich war als Vorname mindestens so häufig wie Hans. Das erklärt, warum diese Familiennamen so häufig existieren. Außerdem blickt Miro Poferl thematisch in unsere Gegenwart sowie in andere Sprachen. Miro Poferl gliedert das großformatige Sachbuch anschaulich in kurze und übersichtlichte Texte, zugängliche Infografiken sowie humorvolle Illustrationen. Kinder mit sicheren Lesekompetenzen manövrieren bestens allein durch die Seiten. Es bietet sich aber ebenso an, mit der ganzen Familie zu schmökern. Nach der interessanten wie lehrreichen Lektüre schauen Kinder sicherlich genauer auf die Namen ihrer Mitmenschen. (Jana Kühn)

Salomé Abergel – gefeierte Künstlerin jüdisch-marokkanischer Herkunft, in Amsterdam lebende ehemalige politische Dissidentin – verschwindet von einem Tag auf den anderen und setzt damit ein weit verzweigtes Geflecht von Beziehungen bis in die Peripherie in Bewegung. Aus vielstimmigen Perspektiven nähert sich der Roman der widersprüchlichen Künstlerin, vor allem aber einer Fülle von Figuren und deren Geschichten: Menschen, die selten konform, selten bürgerlich leben – Reisende, Zugewanderte, Suchende, die sich in Bars, auf Durchgangsstationen und in Erinnerungsräumen begegnen und wieder verlieren.
Eine polnische Dichterin beschließt in Bern, in der Aare, ihrem Leben ein Ende zu setzen und trifft dabei auf eine entlaufene Bärin. Nur dreieinhalb Stunden pro Woche hat die pflegende Mutter eines erwachsenen Sohns Zeit, um sich als anspruchsvolle Käuferin von Immobilien auszugeben und so von einem Leben in Luxus zu träumen. Eine schwerkranke, illusionslose Frau hütet ein Haus weitab von Warschau an einem dunklen Wald gelegen, den sie direkt durch die Gartenpforte betreten kann. Fasziniert verliert sie sich in dessen märchenhaftem Dickicht … Sechszehn makabre Erzählungen hat Joana Bator zu einem eindringlichen Labyrinth verwoben, in dem verfallende Häuser, verwohnte Zimmer und zuwuchernde Gärten vom Vergangenen erzählen und ihren Bewohnerinnen, den sie bewohnenden Menschen zusetzen. Nichts ist, wie es scheint. Selbst Dinge und vor allem Tiere greifen in das Geschehen ein. Eine eindringliche Melancholie durchzieht diese intensiven Geschichten, die alle miteinander verzahnt sind und so aus ganz unterschiedlichen Perspektiven von tiefen Sehnsüchten nach Selbstbestimmung erzählen. Lasst Euch davon verzaubern! (Stefanie Hetze)
Spanien, 1939, der Bürgerkrieg ist gerade vorbei, die Protagonist*innen des Romans sind vornehmlich Republikaner*innen, Besiegte. Auf Grundlage von Zeitzeug*innenberichten und in erster Linie aus der Perspektive von Frauen schildert „Was Hortensia nicht mehr erzählen konnte“ die desaströsen Zuständen in den Gefängnissen, die Willkür, die Gewalt, Krankheiten. Der Roman erzählt aber auch von Zusammenhalt und Schwesternschaft, von kleinen Siegen und großer Treue, erzählt vom Leben der Guerillas in den Bergen und dem Leben der Zurückgebliebenen in der Stadt.
Es ist der mutige Kick einer Frau in die Weichteile eines bewaffneten Mannes während einer Demonstration im Libanon, der dieses Buch initiiert. Andrea Böhm nimmt uns mit auf eine historische Weltreise: Suffragetten in den USA, Luchadoras in Mexiko, Agoije in Benin. Sie folgt keiner Chronologie, sondern mäandert assoziativ entlang von Reiseerinnerungen und Recherchefunden sowie ihrer eigenen Biografie. So lesen wir innerhalb weniger Seiten von den schlagenden Weibern in den Bärengärten Londons im 18. Jahrhundert und den US-amerikanischen Toughman Contests in West Virginia in den 2000er Jahren. Fighting like a Woman ist abwechselnd historisches Sachbuch, weltpolitische Reportage, Reisebericht sowie biografischer Essay.
Wir nehmen als Buchhandlung am 9. März am 