Amanda Lee Koe: Sister Snake


culturebooks 2026, 328 Seiten, 24 Euro

Die jahrhundertealte chinesische Legende der weißen Schlange dient als Folie des wunderbaren Romans Sister Snake von Amanda Lee Koe, kein Fantasy-Roman im eigentlichen Sinne, gleichwohl ein großartig lustvoll erzähltes Spiel mit Identitäten, Begehren und Vergänglichkeit.
Su und Emerald lebten einst in enger Verbundenheit als weiße und als grüne Schlange zusammen am schönen Westsee, bevor sie mit Hilfe eines Zauberlotus zu Menschen werden und ewige Jugend erhalten. Seit Jahrhunderten leben sie in Gestalt junger Frauen, Su inzwischen sehr wohlhabend, zum wiederholten Male verheiratet und angepasst in Singapur, Emerald hingegen führt in New York ein sehr bohèmehaftes Leben und kämpft ständig mit Geldsorgen und wechselnden Liebhaber*innen. Als Menschen brauchen sie Abstand voneinander, behalten sich aber über die große Entfernung immer im Blick, bis eine Zeitungsnotiz sie wieder zusammenführt  – anders als erwartet – zurück an den schönen Westsee.
Sister Snake erzählt klug und mit feinem Witz von bedingungsloser Sisterhood und den Zumutungen übergriffiger Liebe, von verschiedenen Hürden queerer Identitäten, von der Melancholie ewiger Jugend – in einer hervorragend eleganten und pointierten Übersetzung von Zoe Beck. (Katharina Bischoff)

Das bestelle ich bei Dante!

Samstag, 27. Juni

Herzliche Einladung zu einer poetisch-illustrativen Reise nach Brasilien!

Heute bin ich ein Horizont / Hoje sou um horizonte
Illustrierte Lyrik aus Brasilien
Lesung mit kleiner Illustrations-Ausstellung
Mit Leonardo Tonus & Lilli-Hannah Hoepner & special guests
Moderation: Martin Pflanzer
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wann? Samstag, 27. Juni 2026 um 19:00 Uhr
wo? Projektraum O45
Soli-Eintritt 8/10/15 Euro
Reservierung möglich per Mail an anmeldung@danteconnection.de
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Herausgeber Leonardo Tonus, Übersetzerin Lilli-Hannah Hoepner und Verleger Martin Pflanzer präsentieren die frisch erschienene Lyrik-Anthologie »Heute bin ich ein Horizont / Hoje sou um horizonte«. Gelesen werden Gedichte von elf brasilianischen Autor*innen, deren Lyrik erstmalig ins Deutsche übersetzt wurde. Begleitet wird die Lesung von Video-Rezitationen der Dichter*innen und Original-Illustrationen aus dem Buch in einer kleinen Ausstellung. Lesung und Moderation sind auf Deutsch mit einigen brasilianisch-portugiesischen Passagen.

Dienstag, 23. Juni

Werkstattgespräche #1
mit Lene Albrecht und Laura Lichtblau

Neben unseren Autor*innenlesungen wollen wir in der Dante ein neues Format starten, mit dem wir den Raum hinter dem Buch genauer in Augenschein nehmen. Den Auftakt zu dieser Reihe von Werkstattgesprächen machen wir mit den beiden Autorinnen Lene Albrecht und Laura Lichtblau. Beide thematisieren in ihren letzten Büchern Aspekte ihrer Familiengeschichten und schreiben gleichzeitig über einen konkreten Zeitraum deutscher Geschichte. Laura Lichtblau beschäftigt sich in ihrem Buch Sund mit der Rolle ihres Urgroßvaters im Nationalsozialismus, während Lene Albrechts Roman Weiße Flecken die familiäre Verflechtung mit der Kolonialgeschichte Togos in den Blick nimmt. Durch die Perspektive der eigenen Familiengeschichte ist eine distanzierte Recherche nach nüchtern wissenschaftlichen Kriterien kaum möglich und literarisch vermutlich nicht gewünscht. Wiederum gehören Generationenromane und Familiengeschichten  zu den gefragtesten Formaten im Buchhandel.

Am Anfang einer Geschichte steht oft eine Recherche, die je nach Inhalt, je nach Autor*in ganz unterschiedliche Wege nimmt. Über diesen Findungsprozess tauschen wir uns im Werkstattgespräch #1 aus mit Lene Albrecht & Laura Lichtblau.

Wann? Dienstag, 23. Juni, 20 Uhr
Wo? in der Dante
Eintritt/Spende 6 Euro

Sharon Dodua Otoo: So, in etwa, ist es gewesen

S. Fischer 2026, 144 Seiten, 22 Euro

Unerhört ist das. Otoos Protagonistin macht etwas, was sich die meisten Frauen und vermutlich noch mehr Schwarze Frauen angesichts unerträglicher männlicher und rassistischer Übergriffigkeit schon einmal gewünscht haben: sich einfach des Problems zu entledigen. Mühelos stranguliert die Schwarze Deutsche ihren penetrant gutmeinenden Chef auf einer heißen Autofahrt mit seinem eigenen Schal. Er hatte sich ihr, die in Zeitstress war, aufgedrängt, sie an die Lübecker Bucht zu fahren, wo sie zu einem privaten und gleichzeitig überaus politischen Treffen mit ihrer Mutter verabredet war. Amata steht zu ihrer Tat, aber sie steht auch ziemlich allein da. Selbst aktivistische Freund*innen und Kolleg*innen verurteilen ihre kompromisslose Radikalität. In der Nacht vor ihrer Gerichtsverhandlung schreibt sie in ihrer engen Zelle ohne Larmoyanz ihre Sicht des Hergangs der Ereignisse auf.

Dies ist kein klassisch erzählter Roman. Otoo kombiniert verschiedenste Texte, nicht nur Amintas Aufzeichnungen, sie bezieht sich auf Schwarze Autor*innen, historische Figuren, Ereignisse, auf Deutschlands Kolonialgeschichte, aber auch auf aktivistische Debatten, sie zitiert und kommentiert. Auf nur 140 Seiten gelingt der Autorin so das Kunststück, einen gedanklichen Raum zu schaffen, der das Entweder–Oder überwindet, keine Lösungen anbietet, statt dessen aufrüttelt und lange nachhallt. (Stefanie Hetze)

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Heike Geißler: Michaela Kohlhaas

Suhrkamp 2026, 253 Seiten, 24 Euro

Heike Geißler ist mit ihrem neuen Buch etwas ganz Großes gelungen. Michael Kohlhaas, Kleists
wutbürgernder Selbstjustiziar, dieses Urbild eines deutschen Aufbegehrens gegen die Obrigkeit, dass als Idee einer bürgerlichen Gegenwehr gerade von Rechts her ins Bild zu flimmern scheint, ist wieder sicher. Es brauchte dazu die Stimme einer Frau, die diesen männlichen Stolz, dieses Recht auf Rache hinter sich lässt und einer Kränkung Raum gibt, die endlich wieder politisch sein kann. Heike Geißler wagt sich hinein, in jenen Bereich zwischen zivilem Ungehorsam und Wutbürger*innentum, diesem aktuell so brandgefährlichen, weil so schwer fassbaren Terrain. Sie schickt eine Frau auf diesen schmalen Grat, die bestens ausgestattet ist, ihre Linie zu halten, sich nicht vereinnahmen zu lassen von populistischer Vereinfachung. Michaela Kohlhaas ist die „Stütze des Systems a.D.“, eine Mutter Courage, die mit ihrem Planwagen durch „leergeförderte Landschaften“ zieht, die eigene Zahmheit bekämpft und sich dem Unrecht des Systems sehr präzise und sichtbar entzieht. Sie ist die Möglichkeit eines Ausstiegs, der lockt und doch sehr hoch im Einsatz ist, was Geißler stets miterzählt: Immer wieder tritt die Erzählerinnenstimme hervor und zeigt ihr Ringen mit Michaela, der Zivilcourage, die diese Michaela in die Welt bringt. Eine Kampfschrift voller Demut. Ein so kluger, leiser Aufschrei nach Engagement. Eine Sprache, so präzise, wie verschlungen, um die Komplexität unserer Gegenwart einzufangen. Die wichtigste Überschreibung seit langem. (Kerstin Follenius)

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Judith Schalansky: Marmor, Quecksilber, Nebel

Suhrkamp 2026, 176 Seiten, 24 Euro

Judith Schalansky schreibt nicht nur Bücher, sie gestaltet sie auch. Und so ist davon auszugehen, dass sie auch bei der Gestaltung ihres jüngsten Buches die Finger mit im Spiel hatte. Schon in der Erscheinung greift das Buch den Titel auf, fast marmoriert wirkt der Umschlag, quecksilberschillernd die Schrift. Und auf dem Titelblatt im Inneren löst sie sich fast nebulös auf. Ein Band, der schon optisch genau das einlöst, was sein Titel verspricht. In drei großen Kapiteln – Marmor, Quecksilber, Nebel – basierend auf ihren Frankfurter Poetikvorlesungen 2025, nimmt Judith Schalansky die Leser*innen jeweils mit an einen bestimmten Ort – die Ägäis, Guadalajara (Mexiko) und den Brocken – um von dort aus und unter dem Eindruck des titelgebenden Stoffes, gedanklich die Welt zu erforschen. „Es ist nicht das erste Mal, dass ich mit einbilde, die gesamte Weltgeschichte ließe sich anhand eines einzigen Gegenstandes erklären“schreibt die Autorin gleich auf einer der ersten Seiten. Diesem Versuch beizuwohnen und den mäandernden, gleichwohl konsequenten Gedankenströmen zu folgen, macht große Freude.
Ein wunderbares Buch zum Lesen und Verschenken, das den Blickwinkel weitet und Horizonte zu verschieben vermag. Aber Achtung: Rabbithole Gefahr! (Katharina Bischoff)

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Christian Linker: Fische sind scheiße

dtv, 256 Seiten, 15 Euro
ab 10

Mit einem regelrechten Paukenschlag beginnt Christian Linker seinen umwerfenden Roman für Kinder: Tills Vater wird mit Polizei und Rettungswagen abgeholt, sein Hund Flocke wird ins Tierheim gebracht und der Junge selbst von einem Sozialarbeiter in eine Wohngruppe. Was genau an diesem Tag geschehen ist, enthüllt der Autor geschickt erst einiges später und auch nur Stück für Stück. Relativ schnell ist jedoch klar, dass Till und Flocke sich wohl von ganzem Herzen, aber ganz sicher kein gutes Zuhause hatten. In der Wohngruppe wiederum findet Till schnell Anschluss, Freundschaft sogar, um nicht zu sagen eine Wahlfamilie – nur Flocke vermisst er schmerzlich. Als Till seinen Hund endlich im Tierheim besuchen kann, ist dieser jedoch gerade an eine andere Familie weitergegeben worden. Was Till komplett aus der Bahn wirft, wird im Buch zum Auslöser einer rasanten erzählerischen Beschleunigung. Gemeinsam mit seinem neuen Freund Pawel folgt Till der Spur der neuen Hundefamilie bis an die holländische Nordseeküste, wo es zum spektakulären Showdown kommt. Es ist ein Kinderbuch, es braucht ein Happy End – dieses hier ist wirklich stimmig. Christian Linker erzählt berührend und spannungsgeladen von Kindern aus Familien in Schieflage, die ihren Weg finden gemeinsam mit Freund*innen und Wahlverwandschaften. Diesen mitreißenden Ferienschmöker mit Tiefgang legt niemand so schnell aus der Hand! (Jana Kühn)

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Mittwoch, 10. Juni

RECHERCHEWORKSHOP für AUTOR*INNEN
mit Lene Albrecht und Laura Lichtblau

Oft gibt es einen Impuls oder Ausgangspunkt, dann aber verliert man sich in einer (aufgeschobenen) Recherche – oder lässt sich von einer fiesen Schwellenangst ganz abhalten. In einem Auftaktworkshop stellen die beiden Autorinnen verschiedene Methoden vor, z.B. Archivarbeit, partizipative Recherche oder „Machen als Recherche“. Im Anschluss steht die eigene Idee im Mittelpunkt. Jede Woche werden kurze Prompts als Einladung versendet, sie mit unterschiedlichen Mitteln weiterzuentwickeln. Über die Ergebnisse wird am zweiten Termin ausgetauscht. Welche Spuren sind hier bereits angelegt und welche lohnt es weiter zu entwickeln.

Kompaktworkshops I und II
wann? am 10.06. und 01.07. jeweils 18-21 Uhr
wo? in der O45

Anmeldung bis spätestens 07. Juni und weitere Infos hier: recherchesommer@gmail.com
Kosten pro Teilnehmer*in 195 Euro (inkl. beider Workshops, Impulsen zwischen den Terminen und einer Lesung)

LESUNG

Der literarische Herbst wird eröffnet

Angelina Maccarones Romandebüt beeindruckt mit seiner leichten und klaren Erzählstimme und dem lakonischen Humor ihrer krisengeschüttelten Heldin Giuseppina, die sich einem Familiengeheimnis stellt und zugleich Einblicke in die vermeintlich so glamouröse Filmwelt gewährt.

wann? Donnerstag, 10.9 um 20 Uhr

wo? in der Dante

Soli-Eintritt 8/10/15 Euro

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Samstag, 13.6.

BUCHPREMIERE & APERITIF

Die Dante lädt herzlich ein zur Buchpremierenfeier von Insel der Hundertjährigen mit seiner Autorin Geraldine Voss!

Warum Sardinien so glücklich macht oder das Geheimnis eines langen Lebens – so lautet der Untertitel des Buches, das die vielen Facetten des sardischen Lebens erkundet: gutes Essen, viel Bewegung, unberührte Natur und starke soziale Bindungen. Das Buch lädt ein zu einer inspirierenden Reise über die einzigartige Mittelmeerinsel, auf der Tradition, Gemeinschaft und modernes Lebensgefühl harmonisch zusammenkommen. Ein liebevoller Appell, das Beste der mediterranen Lebenskunst in den eigenen Alltag zu integrieren.

Wir feiern die Veröffentlichung zusammen mit Autorin Geraldine Voss und einem kleinen Aperitif nebst sardischen Snacks.

wann? Samstag, 13. Juni ab 18 Uhr
wo? in der Dante

Eintritt ist frei.

Geraldine Voss hat lange als Filmproduzentin gearbeitet, bevor sie ihre zweite große Leidenschaft zum Beruf gemacht hat: das Reisen. Sie schreibt über Reisen und Nachhaltigkeit – und meistens über nachhaltiges Reisen. Sardinien hatte es ihr schon bei ihrer ersten Reise vor zwanzig Jahren angetan. Seitdem kehrte sie immer wieder zurück.