Frida Nilsson: Ich und Jagger gegen den Rest der Welt

Illustriert von Ulf K. Aus dem Schwedischen von Friederike Buchinger, Gerstenberg Verlag 2018,  180 S., € 14,95, ab 9 

U_5904_1A_ICH_UND_JAGGER.IND13Ob in jenem Sommer alles so passiert ist oder doch nur geträumt? Mit dieser Frage startet ein unzuverlässiger Erzähler seine Geschichte, einer der zahlreichen Geniestreiche der schwedischen Autorin. Sie lässt Bengt erzählen, einen Achteinhalbjährigen mit Übergewicht und ohne Freunde. Seine Eltern wünschten, er hätte welche und wäre ein normales Kind wie die anderen im Haus. Aber von denen wird ihm regelmäßig übel mitgespielt. Bis ihn eines Tages Jagger aus einer solchen verzwickten Situation rettet. Jagger: ein obdachloser Hund, der spricht und der verspielt sein kann wie ein Kind, aber auch durchtrieben, grob und eifersüchtig – eine so fantastische wie schmerzlich lebensnahe Figur. Das Leben auf der Straße hat ihn geprägt. Er weiß sich zu wehren und das soll nun auch Bengt. Er soll sich an allen, die gemein zu ihm waren, rächen. Jagger stachelt den Jungen regelrecht an, wobei so manches, was spaßig und abenteuerlich beginnt, in Schieflage gerät. Die Scheinheiligkeit der Erwachsenen, die nur halbherzig versuchen, zwischen den Kindern zu schlichten, führt Nilsson dabei genauso vor, wie Fragen, deren Beantwortung ihr vielschichtiger und fordernder Roman für Kinder und Erwachsene verweigert.  Wie wehrt man sich, ohne zu verletzen? Fragen wie diese stellen sich und bleiben offen für Gespräche nach einer intensiven Lektüre. (Jana Kühn)  

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Anneliese Mackintosh: Verdammt perfekt und furchtbar glücklich

Aus dem Englischen von Gesine Schröder, Blumenbar 2018,  400 S., € 20,-

Verdammt_perfektNichts im Leben von Ottila McGregor ist perfekt, von Glück kann keine Rede sein. Seit dem plötzlichen Tod ihres Vaters hat sie jeden Halt verloren. Das schlechte Gewissen plagt sie, zu weit weg von ihrer psychisch kranken Schwester zu leben und ihre Mutter mit zu vielen Sorgen allein zu lassen. Die Affäre mit ihrem verheirateten Chef ist eine komplette Katastrophe, wobei sie ihre Arbeit in einem Krebs-Therapiezentrum ohnehin genug belastet. Aus all diesen Gründen trinkt Ottila, nein, sie säuft regelmäßig bis zur Besinnungslosigkeit. Dann kommt Das kleine Buch vom Glück ins Spiel. Von Anfang an kann Ottila es nicht ausstehen. Auf halbleeren Seiten versammelt es in ihren Augen debile Kalendersprüche à la „Eine Freude vertreibt hundert Sorgen“. Dennoch behält sie es und formt daraus eine Art Tagebuch, indem sie Seiten herausreißt und neue hinein klebt. Diese Textcollage liest man mit. Sie besteht aus Kurznachrichten, E-Mails, Zeitungsartikeln, Drehbuchentwürfen und nicht zuletzt transkribierten Therapiegesprächen. Vielstimmig und stilistisch verschieden erzählt Anneliese Mackinstosh auf diese Weise. Verzweifelt geht es zu, aber auch urkomisch, immer geradeheraus und vor allem warmherzig – darin liegt der besondere Reiz dieses Tagebuches. Denn ja, Ottila versucht es: Trocken und endlich glücklich zu werden. (Jana Kühn)

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Nino Haratischwili: Die Katze und der General

Frankfurter Verlagsanstalt 2018, 750 S., € 30,-

Haratischwili die Katze und der General_Danteperle_Dante_Connection Buchhandlung Berlin KreuzbergEin Oligarch ist er, einer, der seiner Tochter einen Palast in Venedig kaufen kann, unermesslich reich und mit grenzenloser Macht, Alexander Orlow – genannt „der General“. Im Baugewerbe hat er sein Geld gemacht, doch wo er herkommt ist unbekannt, nichts lässt er nach außen dringen. Die junge Tschetschenin Nura wurde im Krieg brutal misshandelt, vergewaltigt und ermordet und Orlow ist irgendwie in das Verbrechen verstrickt – aber was ist seine Schuld? Als Orlow eine georgische Schauspielerin entdeckt, die Nura wie aus dem Gesicht geschnitten ist, sieht er die Zeit zur Abrechnung gekommen. Und was hat der junge schüchterne Russe Malisch mit der ganzen Geschichte zu tun? Nino Haratischwili hat einen fesselnden Roman geschrieben, über Schuld und Sühne, Russland nach 1989 und den Tschetschenienkrieg, die Abgründe der menschlichen Psyche und die Unmöglichkeit moralischen Handelns in einer unmoralischen Welt. Packend wie ein Krimi zieht einen das Buch von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann. Großartig! (Syme Sigmund)

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Minna Rytisalo: Lempi, das heißt Liebe

Aus dem Finnischen von Elina Kritzokat, Hanser Verlag 2018, 224 S., € 21,-

LempiDer junge Bauer Viljami kehrt Ende des Zweiten Weltkriegs nach Hause ins finnische Lappland zurück. Er ist voller Verzweiflung, denn er weiß, dass seine geliebte Frau Lempi ihn nicht erwartet – sie ist tot. Fast wie von Sinnen gibt er sich den Erinnerungen an ihr gemeinsames Glück hin, das nur einen Sommer währte. Doch Elli, die Magd, und Sisko, Lempis Zwillingsschwester, erzählen jeweils von einer ganz anderen Frau und von ihrer eigenen Sicht auf die Geschichte. Wer war Lempi wirklich? Liebevolle Ehefrau, falsche Schlange oder lebenshungrig-naive Kaufmannstochter? Und ist sie wirklich tot oder zusammen mit einem der abziehenden deutschen Soldaten verschwunden, den neugeborenen Sohn zurücklassend? Nach und nach entfaltet sich ein vielschichtiges, ja brüchiges Bild der jungen Frau und ihres Lebens, eingebettet in die Wirren des Krieges, voll emotionaler Wucht und stiller Momente, eindringlich, tragisch und poetisch. (Syme Sigmund)

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Deutscher Buchhandlungspreis 2018

Zum vierten Mal in Folge erhalten wir den Deutschen Buchhandlungspreis!!!!

Nein, wir haben kein Abo darauf, sondern feilen jeden Tag daran, immer besser zu werden und mit Leidenschaft ausgewählte gute Bücher an unabhängige Leserinnen und Leser zu bringen.

Bei der feierlichen Preisvergabe durch die Ministerin für Kultur Monika Grütters am 31. Oktober in Kassel werden wir erfahren, in welcher Kategorie wir ausgezeichnet werden. Auf jeden Fall sind wir sehr stolz und freuen uns riesig über diese Anerkennung. Im Herbst werden wir den  Preis mit Ihnen und Euch gebührend feiern. Den Termin geben wir hier noch rechtzeitig bekannt.

Es grüßen sehr herzlich und in Champagnerlaune

die überglücklichen Dantedamen

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Sonntag, 21.10.

Kirsten Reinhardt und Marie Geissler: Karl und Knäcke lernen räubern (Carlsen)

9783551553850Wir läuten die Herbstferien mit einer fulminanten Lesung ein! Die Autorin Kirsten Reinhardt und die Illustratorin Marie Geissler stellen uns ihr neues spannendes Buch vor: Karl und Knäcke wären gerne die gefürchtetsten Räuber der Stadt – nur haben sie eigentlich noch nie etwas gestohlen. Das muss anders werden! Sie planen eine räubermäßige Einbruchsserie. Doch in jeder Wohnung findet sich so viel Spannendes, dass sie das Räubern glatt vergessen – außer, dass sie sich nach den erlebten Abenteuern etwas zu Essen genehmigen. Denn in fremden Küchen kocht es sich besonders gut!

Für Kinder ab 4

wann? Sonntag, 21. Oktober um 11.00 Uhr
wo? in unserer Buchhandlung

Vorverkauf 4 € Erwachsene / 2 € Kinder
Tageskasse 5 € Erwachsene / 3 € Kinder

 

Anna Woltz: Für immer Alaska

Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann, Carlsen Verlag 2018, 176 S., € 12,- , ab 10

Woltz_Anna_Für_immer_Alaska_Danteperle_Dante_Connection_BuchhandlungNeues Schuljahr, neue Schule, ein Mädchen und ein Junge an der Schwelle zwischen Kindheit und Jugend. Anna Woltz lässt abwechselnd beide sprechen. Parker, das Mädchen, ist schlecht drauf. Sie musste ihren geliebten Hund Alaska abgeben, weil einer ihrer kleineren Brüder dagegen allergisch ist. Dazu kommt, dass nach einem bewaffneten Raubüberfall auf das Fotogeschäft ihrer Familie zu Hause alle gerade nur noch einigermaßen klarkommen. Sven, der Junge, ist Epileptiker mit vielen Anfällen und dramatisch wirkenden Situationen. Damit er nicht als totaler Freak abgestempelt wird,  will er an der neuen Schule sofort etwas ganz Großartiges machen, er weiß nur nicht, was. Da kommt ihm diese komische schwarzgekleidete Parker ganz recht, er führt sie gemein vor und amüsiert sich auf ihre Kosten. Ihr Konflikt spitzt sich noch weiter zu. Zu Parkers  großem Entsetzen ist „ihr!“ Hund Alaska jetzt sein Assistenzhund.
Das beeindruckende Kämpfen um Alaska und ihr gegenseitiges Kräftemessen, das sich ganz langsam in eine Freundschaftsgeschichte verwandelt und sogar dazu führt, dem Kriminellen auf die Spur zu kommen, der Parkers Vater angeschossen hat, ist starkes Lesekino, mitreißend und sehr spannend. (Stefanie Hetze)

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James Baldwin: Beale Street Blues

Mit einem Nachwort von Daniel Schreiber. Aus dem Amerikanischen von Miriam Mandelkow, dtv 2018, 221 S. , € 20,-

Baldwin_James_Beale_Street_Blues_Danteperle_Buchhandlung_Dante_ConnectionWas für ein Buch! Die 19jährige Tish und der drei Jahre ältere Fonny sind leidenschaftlich ineinander verliebt. Beide kommen aus Harlem, kennen einander seit ihrer Kindheit, haben Großes vor. Tish erwartet ein Baby und Fonny möchte Künstler werden. Als sie tatsächlich einen Speicher zum Leben und Arbeiten mieten können und ihr Glück so nahe scheint, kommt es zur Katastrophe. Fonny wird zu Unrecht als Vergewaltiger inhaftiert, für ihn beginnt das Inferno, für Tish mit dem Baby im Bauch fühlt es sich wie „die Sahara“ an. Täglich besucht sie ihn im Knast, versucht ihn aufzubauen und ihn gleichzeitig neben ihrer Arbeit in einem Kaufhaus aus dem Gefängnis herauszuholen. Doch das rassistische System schlägt gnadenlos zu. Dabei kämpfen ihre Familie und Fonnys Vater mit all ihren – knappen – Mitteln für den Unschuldigen.
Wut und Zärtlichkeit sind die beiden Pole dieses so beeindruckenden Romans, der im Rhythmus des Blues die vielen Facetten der  Beziehung des jungen schwarzen Liebespaars mit der für sie brutalen Wirklichkeit konfrontiert und der auch dank der wunderbaren Übersetzung Miriam Mandelkows ergreift und zornig macht und ganz große Literatur ist! (Stefanie Hetze)

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Wanda Marasco: Am Hügel von Capodimonte

Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki, Zsolnay Verlag 2018, 240 S., € 22,- (La compagnia delle anime finte, Neri Pozza 2017, € 22,50)

Marasco Am Hügel Danteperle Danteconnection Am Totenbett ihrer Mutter erinnert sich Rosa an deren Leben. Vincenzina, aus einer armen, kinderreichen Familie auf dem Land, verliebt sich in den großbürgerlichen Rafele. Gegen den Willen seiner Familie heiraten sie und ziehen in das ärmliche Viertel am Hügel von Capodimonte in Neapel. Hier wächst Rosa auf, vertraut mit der Armut, die bei vielen zu innerer Härte führt. Als Rafele an Krebs erkrankt, verschuldet sich Vincenzina zunächst, um die Medikamente zu bezahlen, und wird nach seinem Tod selbst zur Geldverleiherin. Rosa begleitet sie in die ärmlichen Behausungen ihrer Schuldner, da sie die Schule besucht und rechnen kann. Eindrucksvoll sind die Beschreibungen des harten Lebens im Viertel und seiner Bewohner. Selten wurde Neapel, diese Stadt zwischen Paradies und Hölle, so eindrucksvoll und frei von jedem Klischee beschrieben. Annette Kopetzki hat die höchst poetische Prosa Wanda Marascos mit viel Sprachgefühl übertragen. Familiengeschichte, indivi­duelle Schick­sale und das Portrait einer Stadt verweben sich hier zu einer faszinierenden Lektüre. (Syme Sigmund)

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Antonia Michaelis: Tankstellenchips

Oetinger 2018, 368 S., € 18,-, ab 14

Michaelis Tankstellenchips Danteperle DanteconnectionShayan, 18, beobachtet einen Mord in einem Ferienhaus. Beim Versuch, dem Opfer noch zu helfen, hinterlässt er aus Versehen seine Fingerabdrücke, und zu Hause liegt auch noch ein ungeöffneter Brief, wahrscheinlich der Abschiebebescheid, denn Shayan kommt aus dem Iran und hatte Asyl beantragt. Zusammen mit Davy (8 Jahre, aus einem Heim entwischt) haut er ab, auf der Flucht vor der Polizei und den wahren Mördern. So beginnt ein rasant-skurriler Roadtrip, von der Ostsee über Berlin und den Rhein bis nach Bayern, erzählt von Shayan selbst, dem Deutschland, seine Eigenheiten und seine Sprache noch reichlich viele Rätsel aufgeben, und in dem Kühe, Kaninchen, Wurstgulasch und das Mädchen Lotta keine unwesentliche Rolle spielen. Dass die jungen Leser nebenher nicht nur viel über den Iran und die Situation der dort lebenden Jugendlichen erfahren, sondern auch Deutschland mit anderen Augen zu sehen lernen, ist ein schöner Nebeneffekt dieses höchst komischen und doch viel Ernsthaftes enthaltenden Romans. (Syme Sigmund)

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