Aus dem Englischen von Annette Grube
S. Fischer 2025, 368 Seiten, 26 Euro
Den Tod ihrer gleichermaßen geliebten wie gefürchteten Mutter nimmt Arundhati Roy zum Anlass, literarisch zu reflektieren, wie sie – immer im Spiegel der übermächtigen Mutter, der Zuflucht, dem Sturm – zu der wurde, die sie ist: Schriftstellerin, Menschenrechtlerin, Umweltaktivistin, mutig, suchend, unbeugsam. Früh verlässt sie die Mutter mit ihren Demütigungen, Schlägen und dem Geschrei, nicht aus Mangel an Liebe, sondern, wie sie schreibt, „um sie weiterhin lieben zu können“. Zugleich bleibt die mütterliche Prägung allgegenwärtig, und mit schmerzhafter Klarheit bringt Arundhati Roy diese Ambivalenz auf den Punkt: „Mrs. Roy lehrte mich zu denken und wütete dann gegen meine Gedanken. Sie lehrte mich, frei zu sein, und wütete gegen meine Freiheit.“ So entfaltet sich ein poetisches, vielschichtiges Geflecht aus Mutterbiografie, Autorinnenleben und indischer Geschichte – persönlich, politisch, literarisch verdichtet.
In ihrem ersten Roman Der Gott der kleinen Dingelegte Arundhati Roy einer der Figuren folgendes Motto in den Mund:
a) Jedem kann alles passieren
b) Am besten ist man darauf vorbereitet.
Nach der Lektüre von Meine Zuflucht und mein Sturm weiß man genau, was damit gemeint ist. (Katharina Bischoff)
Das bestelle ich bei Dante!