Danteperlen

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An jedem Monatsanfang veröffentlichen wir an dieser Stelle vier persönliche Buchempfehlungen, unsere Danteperlen, denen wir viel Aufmerksamkeit  wünschen.

Hier finden Sie unsere aktuellen Danteperlen aus diesem Monat. Stöbern und frühere Empfehlungen lesen können Sie auf den Unterseiten.

... für Kinder
Laura Wittner, Sebastián, Ilabaca (Illustr.): Eine wundersame Wanderung
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... für Erwachsene
Martin Muser: Leimboy
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... für Erwachsene
Anne Berest: Vatertage
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... für Erwachsene
Amanda Lee Koe: Sister Snake
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Laura Wittner, Sebastián, Ilabaca (Illustr.): Eine wundersame Wanderung

Übersetzt von Nicolas Baier, Bohem, 40 Seiten, 20 Euro
ab 3

Der Sommer ist da mit herrlichem Wetter und so heißt es wiedereinmal: Auf in die Berge! Doch die Begeisterung dafür ist nicht bei allen Familienmitgliedern gleich groß. Der Vater und die jüngere Tochter lieben die Bewegung, die Anstrengung und die Aufregung der Naturentdeckungen beim Wandern. Der ältere Sohn wiederum hat dafür sein ganz eigenes, vor allem ganz anderes Tempo. Entschleunigt und voller Muße für die kleinen Details lässt er sich treiben, pausiert ausgiebig und genießt einfach das Draußensein. Am Ende des Tages hatten alle eine außergewöhnliche Begegnung mit einem Fuchs – jede*r auf seine Art. Mit viel Liebe zum Detail und großer Genauigkeit fängt Sebastián Ilabaca auch die leisen Natur- wie Gemütsstimmungen ein. Eine wunderschöne Einstimmung für den nächsten Ausflug, die kommende Reise! (Jana Kühn)

Das bestelle ich bei Dante!

Martin Muser: Leimboy

Carlsen 2026, 240 Seiten, 14 €
ab 14 

Als der 18jährige Robert mit dem Transitzug nach West-Berlin fährt, steht die Mauer noch, WG-Zimmer kann man im Tip für 180 Mark finden und die Garage am Nollendorfplatz verkauft Second Hand Klamotten zu Kilopreisen. Es ist 1987 und Robert sucht nach etwas, von dem er selbst noch nicht weiß, was das sein könnte, so lange es nur weit genug weg von seinem süddeutschen Vorortelternhaus geschieht. Dass ihm „das mit der Liebe“ bereits im Zug passiert, bemerkt er erst viel später, als er über eine arglose Jobsuche zufällig in die Ausbildung zum Tischler gestolpert ist. Irgendwo in der Nachbarschaft brennt Bolle, während in der Tischlerwerkstatt ein Chef sein Nachkriegstrauma mit Alkohol betäubt. Martin Muser führt uns mit seinem Antihelden Robert in ein Berlin, das parallel zu dem glorifizierten Punk der 80er Jahre passiert. Wieder einmal gelingt es diesem begnadeten Erzähler all das Glück, das Elend und den Witz eines nicht perfekten Alltags in Figuren zu gießen, die gleichermaßen berühren wie in Erinnerung bleiben. Ein Berlin-Roman, ein Bartleby der 1980er, für alle, die es erlebt haben und jene, für die es Geschichte ist. (Kerstin Follenius)

Das bestelle ich bei Dante!

Anne Berest: Vatertage

Übersetzt von Amelie Thoma und Michaela Meßner
Berlin Verlag 2026, 448 Seiten, 25 Euro

Eine unspektakuläre Geschichte, die es in sich hat. Anne Berests wortkarger Vater lebte für die höhere Mathematik und theoretische Problemstellungen. Häusliche Nähe und Familiengespräche interessierten ihn nicht. Seine Frau, selbst Wissenschaftlerin, managte alles und sicherte ihm „dolmetschend“ seine Privatsphäre. Doch etwas teilte er mit seinen Töchtern: seine Liebe zum Finistère (so der Titel im französischen Original), seiner rauen bretonischen Heimat. Die Bretagne bildet das Fundament für Berests literarisch-historische Spurensuche der väterlichen Familienlinie. Über ein Jahrhundert französische Geschichte von unten, aus der Perspektive ihrer bretonischen Vorfahren, erzählt sie. In kurzen Kapiteln schreibt sie vom Leben in der Provinz, dem Aufbegehren gegen die Pariser Vorherrschaft, gegen die Nationalsozialisten, vom Aktivismus in den 68ern, der Frauen- und Schwulenbewegung. Aber auch vom Aufstieg durch Bildung, von den persönlichen Liebes- und Lebensgeschichten ihrer Angehörigen. Ein Schatz, vier Tagebücher ihres Großvaters, lässt sie tief in deren Vergangenheit eintauchen, manch im familiären Schweigen Verborgenes tritt so zutage. Auch wenn Sprachlosigkeit das reale Vater-Tochter-Verhältnis dominierte, verwandelt Anne Berests Sprachkunst das Porträt ihres Vaters in eine facettenreiche kritische Liebeserklärung an ihn und schreibt gleichzeitig ihre spannende, berührende Mikrogeschichte nach der Postkarte fort. (Stefanie Hetze)

Das bestelle ich bei Dante!

Amanda Lee Koe: Sister Snake


culturebooks 2026, 328 Seiten, 24 Euro

Die jahrhundertealte chinesische Legende der weißen Schlange dient als Folie des wunderbaren Romans Sister Snake von Amanda Lee Koe, kein Fantasy-Roman im eigentlichen Sinne, gleichwohl ein großartig lustvoll erzähltes Spiel mit Identitäten, Begehren und Vergänglichkeit.
Su und Emerald lebten einst in enger Verbundenheit als weiße und als grüne Schlange zusammen am schönen Westsee, bevor sie mit Hilfe eines Zauberlotus zu Menschen werden und ewige Jugend erhalten. Seit Jahrhunderten leben sie in Gestalt junger Frauen, Su inzwischen sehr wohlhabend, zum wiederholten Male verheiratet und angepasst in Singapur, Emerald hingegen führt in New York ein sehr bohèmehaftes Leben und kämpft ständig mit Geldsorgen und wechselnden Liebhaber*innen. Als Menschen brauchen sie Abstand voneinander, behalten sich aber über die große Entfernung immer im Blick, bis eine Zeitungsnotiz sie wieder zusammenführt  – anders als erwartet – zurück an den schönen Westsee.
Sister Snake erzählt klug und mit feinem Witz von bedingungsloser Sisterhood und den Zumutungen übergriffiger Liebe, von verschiedenen Hürden queerer Identitäten, von der Melancholie ewiger Jugend – in einer hervorragend eleganten und pointierten Übersetzung von Zoe Beck. (Katharina Bischoff)

Das bestelle ich bei Dante!