Danteperlen

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An jedem Monatsanfang veröffentlichen wir an dieser Stelle vier persönliche Buchempfehlungen, unsere Danteperlen, denen wir viel Aufmerksamkeit  wünschen.

Hier finden Sie unsere aktuellen Danteperlen aus diesem Monat. Stöbern und frühere Empfehlungen lesen können Sie auf den Unterseiten.

... für Erwachsene
Jacqueline Harpman: Ich, die ich die Männer nicht kannte
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... für Kinder
Miro Poferl: Das große Buch der Namen
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... für Erwachsene
Safae el Khannoussi: Oroppa
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... für Erwachsene
Joana Bator: Die Flucht der Bärin
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Jacqueline Harpman: Ich, die ich die Männer nicht kannte

Klett-Cotta 2026, 224 Seiten, 24,00 Euro

39 Frauen und ein Mädchen befinden sich in tageslichtloser Gefangenschaft, lange schon. Bewacht werden sie von namens- und sprachlosen Männern. Berührungen sind verboten, die Selbsttötung auch. Den Grund ihrer Gefangenschaft kennen sie nicht und die Erinnerung an ihre früheren Leben sind nahezu verblasst. Als eines Tages ein Alarm ertönt, fliehen die Männer und die Frauen betreten eine leere Welt. Trotz des dystopischen Settings ist dieser Roman nie düster, voll feinsinniger und filligraner Beobachtungen, an Suspense kaum zu überbieten.
Bereits 1995 hat die belgische Autorin und Psychoanalytikerin Jacqueline Harpman diese existentielle Parabel geschrieben, auf die wir Frauen lange warten mussten: Welche Rolle spielen die Männer im Höhlengleichnis der Frauen? Weshalb verfügte Beckett testamentarisch, dass keine der Rollen aus Warten auf Godot je von einer Frau gespielt werden dürfe?
Die Zeit scheint reif, die existentielle und strukturelle Krise der Frauen als ein psychologisches Drama zu erzählen, dessen Grund wir nicht kennen, in dem die Männer nicht zu Wort kommen und am Ende der eigenen misogynen Weltkonstruktionen fliehen. Welch ein Wurf. (Kerstin Follenius)

Das bestelle ich bei Dante!

Miro Poferl: Das große Buch der Namen

Carlsen 2026, 64 Seiten, 15 Euro
ab 8

Die Nachnamen Müller, Lange und Heinrich zählen zu den wohl häufigsten in Deutschland. Aber wie wieso heißen eigentlich so viele Familien so? Ausgehend vom frühen Mittelalter erfahren Kinder, dass die Menschen in dieser Zeit immer mehr wurden und bei gleichen Vornamen dennoch unterscheidbar bleiben mussten. Hans, der ein Müller war, wurde deshalb Hans Müller. Den großgewachsenen Hans nannte man Hans, der Lange. Und Hans, den Sohn von Heinrich, riefen alle Hans Heinrich. Einen Müller gab es in fast jedem Ort, Großgewachsene gab es immer schon viele, und Heinrich war als Vorname mindestens so häufig wie Hans. Das erklärt, warum diese Familiennamen so häufig existieren. Außerdem blickt Miro Poferl thematisch in unsere Gegenwart sowie in andere Sprachen. Miro Poferl gliedert das großformatige Sachbuch anschaulich in kurze und übersichtlichte Texte, zugängliche Infografiken sowie humorvolle Illustrationen. Kinder mit sicheren Lesekompetenzen manövrieren bestens allein durch die Seiten. Es bietet sich aber ebenso an, mit der ganzen Familie zu schmökern. Nach der interessanten wie lehrreichen Lektüre schauen Kinder sicherlich genauer auf die Namen ihrer Mitmenschen. (Jana Kühn)

Das bestelle ich bei Dante!

Safae el Khannoussi: Oroppa

Aus dem Niederländischen von Stefanie Ochel
Hanser 2026, 353 Seiten, 26 Euro

Salomé Abergel – gefeierte Künstlerin jüdisch-marokkanischer Herkunft, in Amsterdam lebende ehemalige politische Dissidentin – verschwindet von einem Tag auf den anderen und setzt damit ein weit verzweigtes Geflecht von Beziehungen bis in die Peripherie in Bewegung. Aus vielstimmigen Perspektiven nähert sich der Roman der widersprüchlichen Künstlerin, vor allem aber einer Fülle von Figuren und deren Geschichten: Menschen, die selten konform, selten bürgerlich leben – Reisende, Zugewanderte, Suchende, die sich in Bars, auf Durchgangsstationen und in Erinnerungsräumen begegnen und wieder verlieren.
Diese Geschichten umkreisen das Leben der Salomé Abergel, führen in die „bleiernen Jahre“ in Marokko, die Foltergefängnisse jener Zeit, nach Amsterdam, Paris, Casablanca und Tunis. Manche Fäden führen zueinander und Zusammenhänge erschließen sich im Laufe des Romans, viele Enden bleiben aber bewusst offen, auch das von Salomé Abergel.
Das zu Recht preisgekrönte Debüt von Safae el Khannoussi – fabelhaft übersetzt von Stefanie Ochel – fordert Aufmerksamkeit, aber liest sich dann wie ein literarisches Kaleidoskop: bunt, schillernd, immer ein bisschen unscharf aber von eigentümlicher Schönheit und sehr bezaubernd. (Katharina Bischoff)

Das bestelle ich bei Dante!

Joana Bator: Die Flucht der Bärin

Suhrkamp 2026, 317 Seiten, 26 Euro

Eine polnische Dichterin beschließt in Bern, in der Aare, ihrem Leben ein Ende zu setzen und trifft dabei auf eine entlaufene Bärin. Nur dreieinhalb Stunden pro Woche hat die pflegende Mutter eines erwachsenen Sohns Zeit, um sich als anspruchsvolle Käuferin von Immobilien auszugeben und so von einem Leben in Luxus zu träumen. Eine schwerkranke, illusionslose Frau hütet ein Haus weitab von Warschau an einem dunklen Wald gelegen, den sie direkt durch die Gartenpforte betreten kann. Fasziniert verliert sie sich in dessen märchenhaftem Dickicht … Sechszehn makabre Erzählungen hat Joana Bator zu einem eindringlichen Labyrinth verwoben, in dem verfallende Häuser, verwohnte Zimmer und zuwuchernde Gärten vom Vergangenen erzählen und ihren Bewohnerinnen, den sie bewohnenden Menschen zusetzen. Nichts ist, wie es scheint. Selbst Dinge und vor allem Tiere greifen in das Geschehen ein. Eine eindringliche Melancholie durchzieht diese intensiven Geschichten, die alle miteinander verzahnt sind und so aus ganz unterschiedlichen Perspektiven von tiefen Sehnsüchten nach Selbstbestimmung erzählen. Lasst Euch davon verzaubern! (Stefanie Hetze)

Das bestelle ich bei Dante!