Sven Regener: Glitterschnitter

Galiani 2021, 471 S., € 24,-

 

Westberlin in den Achtzigern, wieder das Café Einfall in der Wiener Straße. Sven Regener bleibt sich treu. Wieder von der Partie sind auch die alten Bekannten rund um Frank Lehmann, der versucht, vom Putzmann zur Tresenkraft  aufzusteigen, indem er mit aufgeschäumtem Milchkaffee in riesigen Schüsseln seltsame neue Kundschaft anzieht. Erwin, der Kneipier, will wie immer nur Flaschenbier verkaufen. Chrissies Mutter will ihrer Tochter im weit entfernten Spandau Möbel kaufen. Charlie, Ferdi und Raimund wollen mit ihrer Band Glitterschnitter samt Bohrmaschine unbedingt bei der Wall City Noise auftrumpfen. Die ArschArtGalerie-Männer wollen wieder palavernd ihr Unwesen treiben und H.R. Ledigt will unbedingt eine komplette (!) Ikea-Musterwohnung in seinem Zimmer nachbauen . . . Ein Möchtegern-KOB, Punks aus dem Hinterhaus, Manager, Nachbarn und eine Schwangerengruppe komplettieren das Personenpanoptikum, dem Regener bei aller Drastik und Absurdität multiperspektivisch Leben einhaucht. Mit seinen überbordenden Einfällen, atmosphärischer Detailgenauigkeit, aberwitzigen Bandwurmsätzen, rasant und rhythmisch getaktet, in einem wilden Bewußtseinsstrom können wir eintauchen in die Gefühlswelten, in die Leidenschaften und Verirrungen seiner Figuren – und oft herzhaft über sie lachen. Dabei geht es um die ganz großen Fragen nach Träumen und Selbstverwirklichung. Glitterschnitter – einfach genial! (Stefanie Hetze) Leseprobe

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