Julian Barnes: Der Lärm der Zeit

Aus dem Englischen von Gertraude Krueger, Kiepenheuer & Witsch 2017, 256 S., € 20,00

Barnes1936, Leningrad. Ein Mann steht jede Nacht neben dem Fahrstuhl seines Hauses und wartet darauf, von Stalins Schergen abgeholt zu werden. Es ist der Komponist Schostakowitsch und sein Todesurteil bestand aus einem Satz – „Chaos statt Musik“ – sowie der Tatsache, dass Stalin die Aufführung seiner Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ frühzeitig verließ.  Nur ein Zufall rettet ihm schließlich das Leben, doch die Angst soll ihn sein Leben lang nicht mehr verlassen und ihn selbst auf dem Höhepunkt seines Ruhms immer wieder Kompromisse mit der Macht eingehen lassen. Barnes erzählt zum einen das Leben Schostakowitschs anhand von drei Schlüsselmomenten 1936, 1948 und 1960, geht aber auch weiter reichenden Fragen nach. Er beschreibt den Künstler im Getriebe der Diktatur und stellt die Frage, ab wann ängstliche Anpassung zu Schuld wird. Ein höchst lesenswertes Buch für Musikinteressierte und jeden, dem menschliche Schwäche nicht fremd ist, in Zeiten, da die Frage nach individueller Aufrichtigkeit wieder an Aktualität gewinnt.
(Syme Sigmund)
Leseprobe
Das bestelle ich!