Eva Menasse: Alleinruhelage

Eva Menasse
Alleinruhelage
Kiepenheuer & Witsch, 224 Seiten, 23 Euro

Eine Frau mittleren Alters entschließt sich, das in den 1990ern erworbene Haus im Brandenburgischen zu verkaufen. Sie selbst stammt aus Österreich und aus diesem Sprachraum stammt auch die Bezeichnung der Alleinruheelage des vereinzelt stehenden Hauses mitten im Wald und nah an einem See. Als sprachliches Bild kann der gleichnamige Titel des Romans ebenso als Beschreibung der mittlerweile allein lebenden und in sich selbst ruhenden Protagonistin verstanden werden. Eine Lebensrückschau beginnt und im Wiederauflebenlassen von alten Geschichten rund um das Haus träumt sich die Erzählerin in ihre Vergangenheit zurück. Menasse bezeichnet sie als „Archäologin einer untergegangenen Familie“ und gleichzeitig steht ihr ein Aufbruch bevor. Episodenhaft streift sie mit kritischem wie (selbst)ironischem Blick durch das persönlich Erlebte und führt gleichermaßen durch die von außen betrachtete deutsch-deutsche Geschichte, vor allem die Nachwendezeit, ohne jedoch einer Chronologie zu folgen. Elternschaft, Nachbarschaftsnöte, Stasi, Kindheitserinnerungen, Liebeslagen, Rasenpflege, Bürokratie, Borkenkäfer. Vermeintlich plaudernd, lotet Menasse dieser Art Diskurse voller historischer Brisanz und großer politischer Aktualität aus. Wer einen handlungsgetriebenen Roman sucht, wird mit Menasses mäandernder Erzählerin sicher nicht glücklich. Alle anderen dürfen sich in ihrem klugen und stilistisch ausgefeilten Gedankenstrom von Höckchen zu Stöckchen treiben lassen und einfach genießen. (Jana Kühn)

Das bestelle ich bei Dante!