Caryl Lewis
Wenn die Bienen schweigen
Übersetzt von Anu Stohner
dtv, 304 Seiten, 18 Euro
ab 14
Ein hoch umzäuntes Barackenlager mitten in der menschenleeren, verdorrten Ödnis. Mehrere hundert Mädchen leben hier, beaufsichtigt von sogenannten Müttern, bewacht von männlichen Soldaten. Als die 13 jährige Jess eingeliefert wird, entlarvt sie ihr kurzes Haar, das eigentlich nur verheiratete Frauen tragen dürfen, unmittelbar als Aufsässige. Ihre Mutter hatte versucht, die Tochter so lange wie möglich “als Junge” vor eben solchen Lagern zu schützen. Jeden Morgen bringen endlose LKW-Kolonnen die Mädchen zu Obstplantagen, wo sie wie emsige Bienen die Blüten per Hand mit Pinseln bestäuben. Mit der ersten Periode wird ihnen in einem öffentlichen Akt das Haar kurz geschnitten und sie werden mit einem genetisch passenden Mann zwangsverheiratet – das Weibliche als Arbeits- und Gebärmaschine. Es ist ein absolut dystopisches Szenario, das sich die preisgekrönte walisische Autorin, Dramatikerin und Drehbuchautorin Caryl Lewis für ihren packenden Jugendroman erdacht hat. Dabei erinnern Setting wie feministischer Erzählton nicht von ungefähr an literarische Klassiker von Magret Atwood oder Jacqueline Harpman. Zudem verortet ihr eindringliches Nachwort die Aspekte der Climate Fiction mit glasklaren Fakten in unserer schon heute brennend aktuellen Realität. Ihre Protagonistin stattet Lewis dafür in großer Zuversicht mit viel Mut und der Macht der Fantasie aus. Ihr leiser, kreativer Akt der Rebellion weckt schließlich den Mut der anderen Mädchen und verbindet sie kraftvoll miteinander für einen Aus- und Aufbruch. (Jana Kühn)
