culturebooks 2026, 328 Seiten, 24 Euro
Die jahrhundertealte chinesische Legende der weißen Schlange dient als Folie des wunderbaren Romans Sister Snake von Amanda Lee Koe, kein Fantasy-Roman im eigentlichen Sinne, gleichwohl ein großartig lustvoll erzähltes Spiel mit Identitäten, Begehren und Vergänglichkeit.
Su und Emerald lebten einst in enger Verbundenheit als weiße und als grüne Schlange zusammen am schönen Westsee, bevor sie mit Hilfe eines Zauberlotus zu Menschen werden und ewige Jugend erhalten. Seit Jahrhunderten leben sie in Gestalt junger Frauen, Su inzwischen sehr wohlhabend, zum wiederholten Male verheiratet und angepasst in Singapur, Emerald hingegen führt in New York ein sehr bohèmehaftes Leben und kämpft ständig mit Geldsorgen und wechselnden Liebhaber*innen. Als Menschen brauchen sie Abstand voneinander, behalten sich aber über die große Entfernung immer im Blick, bis eine Zeitungsnotiz sie wieder zusammenführt – anders als erwartet – zurück an den schönen Westsee.
Sister Snake erzählt klug und mit feinem Witz von bedingungsloser Sisterhood und den Zumutungen übergriffiger Liebe, von verschiedenen Hürden queerer Identitäten, von der Melancholie ewiger Jugend – in einer hervorragend eleganten und pointierten Übersetzung von Zoe Beck. (Katharina Bischoff)
