Aus dem Niederländischen von Stefanie Ochel
Hanser 2026, 353 Seiten, 26 Euro
Salomé Abergel – gefeierte Künstlerin jüdisch-marokkanischer Herkunft, in Amsterdam lebende ehemalige politische Dissidentin – verschwindet von einem Tag auf den anderen und setzt damit ein weit verzweigtes Geflecht von Beziehungen bis in die Peripherie in Bewegung. Aus vielstimmigen Perspektiven nähert sich der Roman der widersprüchlichen Künstlerin, vor allem aber einer Fülle von Figuren und deren Geschichten: Menschen, die selten konform, selten bürgerlich leben – Reisende, Zugewanderte, Suchende, die sich in Bars, auf Durchgangsstationen und in Erinnerungsräumen begegnen und wieder verlieren.
Diese Geschichten umkreisen das Leben der Salomé Abergel, führen in die „bleiernen Jahre“ in Marokko, die Foltergefängnisse jener Zeit, nach Amsterdam, Paris, Casablanca und Tunis. Manche Fäden führen zueinander und Zusammenhänge erschließen sich im Laufe des Romans, viele Enden bleiben aber bewusst offen, auch das von Salomé Abergel.
Das zu Recht preisgekrönte Debüt von Safae el Khannoussi – fabelhaft übersetzt von Stefanie Ochel – fordert Aufmerksamkeit, aber liest sich dann wie ein literarisches Kaleidoskop: bunt, schillernd, immer ein bisschen unscharf aber von eigentümlicher Schönheit und sehr bezaubernd. (Katharina Bischoff)
