Molly Keane: Das gute Benehmen

Übersetzt von Bettina Abarbanell
Kjona 2026, 336 Seiten, 26 Euro

Selten begeistert ein Buch uns bei Dante alle in gleicher Weise. Das gute Benehmen ist so ein Ausnahmeroman, ein gnadenlos-bissiger Pageturner um eine sehr spezielle Familie und ihre Hausangestellten. Ich-Erzählerin ist Aroon St. Charles, Tochter aus verarmtem anglo-irischem Adel. Groß und kräftigt prescht sie durchs Landleben, isst gerne viel, fährt rasend schnell Fahrrad, reitet ungestüm auch schwierige Pferde. Gerne wäre sie klein, dünn und flachbrüstig, wie es die Mode der Zwanziger vorsieht. In der Zeitung liest sie nur Pferdewetten und Gesellschaftsseiten. Bildung, Musik und Bücher sind im Elternhaus verpönt. Aroons kalte Mutter verweigert jegliche Haus- und Carearbeit, der Vater ist Jäger und ein notorischer Frauenheld. Allein die äußere Fassade zählt. Die Contenance reicht so weit, dass die Mutter selbst als Aroons jüngerer Bruder verunglückt, erst einmal Rosen schneidet  . . .  Meisterlich balanciert Molly Keane aus, wie das unbedingte Festhalten an äußerlicher Etikette Menschen, die eigentlich an ihren desaströsen Lebensumständen verzweifeln müssten, Halt gibt, ihnen aber andererseits jegliche Chance auf ein Glück nimmt. Dreh- und Angelpunkt ist ein queeres, für alle Beteiligten unglückliches Liebesdrama, das die Autorin mit all seinen Konsequenzen kunstvoll ausbreitet. Bettina Abarbanell hat Das gute Benehmen und dessen raffinierte Andeutungen des Unaussprechlichen in eine atemberaubend geschliffene Sprache übertragen. (Stefanie Hetze)

Das bestelle ich bei Dante!