Peggy Mädler: Selbstregulierung des Herzens

Galiani 2026, 304 Seiten, 23 Euro

Peggy Mädler hat sich auf ein Experiment eingelassen und durch die Kybernetik auf die Deutsche Geschichte geblickt: Wir folgen einer Gruppe junger Menschen in der DDR der 1960er Jahren, wie sie als erste Nachkriegsgeneration aufbrechen, eine Zukunft, eine Utopie zu verwirklichen. Mit dem Protagonisten Georg, der mit Lochkarten die ersten digitalen Ränder der Planwirtschaft umreißt, mit Mona, einer Künstlerin, deren Aufnahme in den Verband Bildender Künstler wieder und wieder abgelehnt wird – mangels Eignung oder weil ihre Schwester im Westen lebt? – durchlaufen wir die Jahre zwischen Mauerbau und Mauerfall bis ins Jetzt als eine kybernetische Langzeitbeobachtung. Zwischen Berlin und einer Datschensiedlung in der Nähe von Bernau werden wir Teil von Feedbackschleifen, die das Private und das Politische aufs Engste verknüpfen. Selbstregulierung ist bei Mädler allerdings nicht nur kybernetisches oder psychologisches Prinzip einer Systemstabilisierung, es ist stets auch ein poetischer Suchbegriff nach den Ökonomien sozialer Wünsche und Bedingungen. So abstrakt wie der theoretische Hintergrund vielleicht vermuten lässt, ist dieser Roman nämlich gar nicht: In dichten und atmosphärischen Vignetten erzählt Mädler vor allem eine Arbeiter*innengeschichte. Wenn Mona beispielsweise im dunklen Ladenlokal der Friseurin Dorle steht, sie portraitiert und ein Arbeiterinnenleben an uns vorbeiziehen lässt, ist der Roman am stärksten – im Nebeneinander von klugen, systemischen und systemkritischen Beobachtungen und dem Innehalten in Momenten, aus denen das liebevoll gezeichnete Lebensgefühl einer Generation spricht. (Kerstin Follenius)

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