Die Fotografie der Großmutter, wie niemand sie kannte – mondän, in Skikleidung, 1941 in den italienischen Alpen – das ist der Beginn einer autofiktionalen Reise der Autorin durch die Archive Tiranas und die eigene Familiengeschichte. Doch es ist vor allem das Ende, das Ypi ihrer Geschichte gibt, das Fragen nach Identität und politischer Integrität auf eine kluge Weise zu einem literarischen Thema werden lässt. ‚Aufrecht‘ ist die Rekonstruktion eines Lebens, das, wie so viele Frauenleben, nur an den Rändern der Archive zu finden ist. (kf)
Lea Ypi: Aufrecht, übersetzt von Eva Bonné, Suhrkamp 2025, 389 Seiten, 28 Euro
