Jamel Brinkley: Unverschämtes Glück

Aus dem amerikanischen Englisch von Uda Strätling, Kein & Aber 2019, 336 S., € 22,-

BrinkleyEs sind ausschließlich Geschichten von Männern, die in diesen neun Erzählungen die Handlung bestimmen, schwarze Männer, die in einer Gesellschaft leben, in der zum Mannsein gehört, Frauen als Sexualobjekte zu betrachten, in der ein echter Mann keine Schwächen zeigt, in der – so Brinkley -ein vorherrschendes „oft zerstörerisches Bild der Männlichkeit“ besteht. Doch Brinkleys Figuren entsprechen diesem Bild nicht. Auch wenn sie versuchen, ihre Schwächen zu verbergen, sind es gebrochene Gestalten, voller Scheu, Minderwertigkeitsgefühlen und Selbstzweifeln. Ob scheinbar von sich überzeugte junge Studenten, die versuchen, Frauen aufzureißen, ein linkischer Mann mittleren Alters, der die Abende einsam in einer Bar verbringt, oder der ehemalige Frauenschwarm, der ständig seine Wampe einzuziehen versucht – Brinkley stellt die Frage, was es bedeutet, heute ein schwarzer Mann in New York zu sein, und er tut dies mit so großem psychologischem Feingefühl, dass den Lesern die Protagonisten zwar nicht unbedingt immer sympathisch werden, aber doch sehr nahe kommen. Dieser junge Autor, dessen Erzählungen in Sprache und Form überzeugen, kann sich jetzt schon mit Recht einfügen in die Reihe der großen anglo-amerikanischen Kurzgeschichten-Autoren. (Syme Sigmund)

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Chinua Achebe: Einer von uns

Aus dem Englischen von Uda Strätling, Fischer 2016, 192 S., € 19,99

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Chief Nanga, ein ehemaliger Grundschullehrer von geringer Bildung, hat es buckelnd und tretend bis zum Minister gebracht. Sein gutes Aussehen und sein Charme lassen seine Lügen, seine Bereicherung auf Kosten der Allgemeinheit und seine Skrupellosigkeit als verzeihliche Bubenstreiche erscheinen. Er ist halt „einer von uns“, sagt das Volk, von denen die meisten – hätten sie die Möglichkeit – genauso handeln würden. Sein ehemaliger Schüler Odili lässt sich beim ersten Wiedersehen gleichfalls blenden, erkennt aber schnell, was hinter der Fassade steckt und wirft sich in einen politischen und persönlichen Wettstreit mit Nanga, den er kaum gewinnen kann. Gleichzeitig wächst im Land ein Klima der Gewalt. Der Roman erschien 1966 und erwies sich als prophetisch, da Nigeria nur Tage nach seiner Veröffentlichung in den Bürgerkrieg stürzte. Nun erstmals auf Deutsch übersetzt ist das Buch dieses großen Autors, der 2002 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2007 den Man Booker International Prize erhielt, in Zeiten, da allerorten charismatische Populisten an die Macht streben, höchst aktuell und wird hoffentlich viele Leser finden. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Marilynne Robinson: Gilead

Aus dem Amerikanischen von Uda Strätling, Fischer Verlag 2016, 320 S., € 20,-

marilynne-robinson-gileadLiteratur kann uns im Glücksfall in Welten und Wahrnehmungen katapultieren, die wir nicht kennen und zu denen wir sonst keinerlei  Zugang haben. „Gilead“ ist so ein Fall. In einem kleinen Ort im tiefen amerikanischen Westen schreibt ein alter protestantischer Geistlicher, der weiß, dass er bald sterben wird, einen langen Brief an seinen kleinen Sohn, um diesem zu erzählen, woher er kommt. Der alte Prediger schildert seine Kindheit als Sohn und Enkel von ebenfalls Pastoren, der eine heftig engagiert im Kampf gegen die Rassentrennung, der andere Pazifist. Er beschreibt das Verhältnis zu seinem atheistischen Bruder und zu seinem Predigerfreund und den herben Verlust, den er durch den Tod seiner ersten Frau und seiner neugeborenen Tochter erlitten hat. Kunstvoll verbindet Marilynne Robertson seine Reflexionen über den Glauben und existentielle Fragen des Seins mit den vitalen Geschehnissen der Gegenwart, die hier nicht verraten werden. Nur noch so viel: Die Geschichte der Mutter des Jungen, seiner zweiten Frau, ist bereits erschienen – „Lila“, auch unbedingt lesen. (Stefanie Hetze)

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