Stewart O’Nan: Henry persönlich

Aus dem amerikanischen Englisch von Thomas Gunkel, Rowohlt 2019, 480 S., € 24,-

O`Nan Henry persönlich_Danteperle_Dante_Connection Buchhandlung Berlin KreuzbergHenry und Emily (schon bekannt aus anderen Büchern des Autors) sind ein älteres pensioniertes Ehepaar aus Pittsburgh der amerikanischen Mittelklasse. Erzählt wird ein Jahr ihres Lebens aus der Sicht von Henry, die alltäglichen Verrichtungen, die Besuche der Kinder und Enkel, die Zeit im Sommerhaus am See. Das alles ist weder besonders außergewöhnlich noch besonders interessant. Was besonders ist, an diesem Buch, ist die Kunst des Autors, dieses Leben so packend zu beschreiben, dass keine Langeweile aufkommt, man folgt gespannt der Gleichförmigkeit ereignisloser Tage, möchte immer weiter lesen, bei Henry sein, mit ihm in seiner Werkstatt hantieren, mit ihm Einkaufen fahren, mit ihm vor dem Kamin einschlafen während die Enkel um ihn herum wuseln und die tiefe Verbundenheit, die ihn nach 48 Jahren Ehe mit Emily verbindet, spüren. Ein filigran feines Portrait eines alten Mannes, ein Buch, das entschleunigt und glücklich macht. (Syme Sigmund)
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Stewart O’Nan: Die Chance

Aus dem Amerikanischen von Thomas Gunkel. Rowohlt Verlag 2014, € 19,95

die_chance_danteperle_dante_connectionDer Titel “Die Chance” verharmlost die ausweglose Lage, in der sich das Mittelschichtsehepaar aus der Provinz befindet. Die Wirtschaftskrise hat Marion und Art wie Millionen anderer Amerikaner den Boden  unter den Füßen weggezogen. Marion ist arbeitslos und der Statistiker Art hat seinen Job bei einer Versicherung verloren. Das überteuerte Haus können sie nicht länger abzahlen. Auch ihre Ehe ist am Ende.  Da alles verloren scheint, setzen sie ihre Existenz auf eine einzige Karte  und wiederholen ihre Hochzeitsreise zu den romantisch aufgeladenen Niagarafällen von vor 30 Jahren, als ihnen die Welt noch offen zu sein schien. Mit ihrem letzten über die Grenze geschmuggelten Geld mieten sie sich in einer Hochzeitssuite ein, spielen tags die Touristen und versuchen nachts im Casino die statistische Wahrscheinlichkeit ihres kompletten Ruins auszutricksen. Stewart O’Nan nähert sich ihrer Verzweiflung, aber auch ihrem über alle Differenzen langjährigen Vertrautsein in knappen verdichteten Szenen und Dialogen, von Thomas Gunkel elegant-subtil übersetzt. Vielleicht gibt es ja doch eine Chance? (Stefanie Hetze)

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