…für Kopfreisende

Jessica J. Lee: Zwei Bäume machen einen Wald. Aus dem Englischen von Susanne Hornfeck, Matthes & Seitz Berlin 2020,  215 S., € 28,-

Lee_Jessica_J._Zwei_Bäume_machen_einen_Wald_Danteperle_Dante_Connection_BuchhandlungSprachbarrieren gehören zum Alltag der nach Kanada eingewanderten Familie der Landschaftshstorikerin und Autorin Jessica J. Lee. China, Taiwan, Wales und der englischsprachige Teil Kanadas bildeten die Achsen der familiären Prägungen und Zerwürfnisse.  Als Lee Aufzeichungen ihres längst verstorbenen Großvaters, der im Alter allein nach Taiwan zurückgegangen war, erhält, begibt sie sich auf eine intensive Recherchereise, fährt wiederholt nach Taiwan, die kleine Vulkaninsel voller eingezwängter Schluchten, jäh aufragender hoher Berge, unvermittelter Steilküsten und mit einer gigantischen botanischen Vielfalt, auf der Schnittstelle zweier destruktiver tektoischer Platten gelegen. Erdbeben, Erdrutsche und Taifune gehören zur Tagesordnung, die nur schwer kartografierbare Insel zog seit jeher kolonisatorisches Interesse an. Erwandernd erforscht Lee die geografischen und politischen Besonderheiten dieses extremen Eilands und legt am Beispiel ihrer eigenen Familie eindrücklich dar, wie sich Landschaft konkret auf das Leben von Menschen auswirken kann. Wieder einmal ein großer Wurf der von Judith Schalansky herausgegebenen Naturkunden! (Stefanie Hetze) Leseprobe und Susanne Hornfeck über Zwei Bäume machen einen Wald

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Yewande Omotoso: Die Frau nebenan

Aus dem Englischen von Susanne Hornfeck, List 2017, 272 S., € 18,00

Yewande_Omotoso_Die_Frau_nebenan_Dante_Connection_Buchhandlung_DanteperleKapstadt, Südafrika – die achtzigjährigen Nachbarinnen Hortensia und Marion sind erbitterte Feindinnen, die einander in den Eigentümerversammlungen ihrer exklusiven Wohnanlage auf hohem Niveau und mit allen Raffinessen bekriegen. Beide Frauen waren beruflich außerordentlich erfolgreich und mit ebensolchen Männern verheiratet. Doch ist ihr Machtkampf keiner zweier Gleicher. Hortensia ist die einzige schwarze Villenbesitzerin in diesem Reichenvorort und hat als Trumpf immer den Rassismusvorwurf in petto. Doch weiß Marion genau, wie sie die andere treffen kann. So unterbreitet sie ihrer Feindin genüsslich das Ansinnen von Nachfahren ehemaliger Bewohner des Lands, ausgerechnet auf Hortensias Grundstück bestattet werden zu wollen und damit in deren Autonomie einzugreifen.

Je weiter sich das Nachbarinnendrama hochschaukelt, zerlegt Yewande Omotoso mit viel Fingerspitzengefühl und charmanter Ironie die vielschichtigen Folgen von Kolonialismus und Apartheid, aber auch von den gescheiterten Lebensentwürfen ihrer toughen Protagonistinnen. (Stefanie Hetze) Leseprobe

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