Nino Haratischwili: Die Katze und der General

Frankfurter Verlagsanstalt 2018, 750 S., € 30,-

Haratischwili die Katze und der General_Danteperle_Dante_Connection Buchhandlung Berlin KreuzbergEin Oligarch ist er, einer, der seiner Tochter einen Palast in Venedig kaufen kann, unermesslich reich und mit grenzenloser Macht, Alexander Orlow – genannt „der General“. Im Baugewerbe hat er sein Geld gemacht, doch wo er herkommt ist unbekannt, nichts lässt er nach außen dringen. Die junge Tschetschenin Nura wurde im Krieg brutal misshandelt, vergewaltigt und ermordet und Orlow ist irgendwie in das Verbrechen verstrickt – aber was ist seine Schuld? Als Orlow eine georgische Schauspielerin entdeckt, die Nura wie aus dem Gesicht geschnitten ist, sieht er die Zeit zur Abrechnung gekommen. Und was hat der junge schüchterne Russe Malisch mit der ganzen Geschichte zu tun? Nino Haratischwili hat einen fesselnden Roman geschrieben, über Schuld und Sühne, Russland nach 1989 und den Tschetschenienkrieg, die Abgründe der menschlichen Psyche und die Unmöglichkeit moralischen Handelns in einer unmoralischen Welt. Packend wie ein Krimi zieht einen das Buch von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann. Großartig! (Syme Sigmund)

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Gaito Gasdanow: Nächtliche Wege

Aus dem Russischen von Christiane Körner, Hanser 2018, 288 S., € 23,-

Gasdanow Nächtliche Wege_Danteperle_Dante_ConnectionParis der zwanziger Jahre bei Nacht. Der Ich-Erzähler ist als Taxifahrer unterwegs, fährt durch die verlassenen Straßen, wartet vor Bars, sitzt in Cafés und beobachtet – Prostituierte und Zuhälter, Clochards und Alkoholiker, Kriminelle und andere entwurzelte russische Emigranten wie er selbst. Mit feiner Beobachtungsgabe, ohne zu verurteilen und mit viel psychologischem Gespür beschreibt Gasdanow – der selbst viele Jahre in Paris als Nachtchauffeur gearbeitet hat – die Menschen, in der ihm „fremden Stadt in einem fremden Land“. Nach und nach treten einzelne Figuren hervor – Platon, der philosophierende Alkoholiker oder Raldy, die alte, nun völlig verarmte Edelprostituierte, deren ehemaliger Glanz nur noch in ihren Augen zu erahnen ist. Gasdanow begleitet sie voller Respekt und lauscht ihren Geschichten. Der Leser taucht ein in den Strudel der mal absurden, mal tragischen und berührenden Schicksale, sie vermischen sich zu einem Reigen, dessen Zauber man sich – auch aufgrund der virtuosen Sprachmacht des Autors – nicht entziehen kann. Ein literarisches Meisterwerk! (Syme Sigmund)

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Katherine Rundell: Feo und die Wölfe

Aus dem Englischen von Henning Ahrens, Carlsen Verlag 2017, 240 S., € 14,99, ab 11

Rundell_Feo und die Wölfe_DanteConnection_DanteperleRussland zur Zeit des Zaren. Feo und ihre Mutter sind Wildwolfer. Sie kümmern sich um Wölfe, die als Welpen zum Vergnügen der Adligen dienten und – einmal ausgewachsen – nicht mehr zum Schmusetier taugen, lehren die Tiere, wieder in der Wildnis zurecht zu kommen. Feo ist mit den Wölfen aufgewachsen, sie sind ihre einzigen Kameraden und sie liebt sie von ganzem Herzen, auch wenn – oder gerade weil – sie keine Schoßhunde sind. Feo weiß jede ihrer Regungen zu verstehen und die Tiere akzeptieren sie als ihresgleichen. Als einer ihrer Wölfe angeblich einen Elch des Zaren reißt, wird der grausame General Rakow auf sie aufmerksam, brennt ihre Hütte nieder und verhaftet ihre Mutter. Im tiefsten Winter macht Feo sich durch Schnee und Eis zusammen mit den Wölfen und dem Jungen Ilja auf, ihre Mutter zu befreien. Zum Glück finden sie unterwegs Freunde, die ihnen helfen. Die Kinder hecken einen fantastischen Plan aus, um das Gefängnis zu stürmen und das Land von dem tyrannischen General und seinen Schergen zu befreien. Dass die Wölfe dabei eine nicht ganz unwichtige Rolle spielen, versteht sich von selbst. (Syme Sigmund)
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Katerina Poladjan & Henning Fritsch: Hinter Sibirien

Eine Reise nach Russisch-Fernost. Rowohl Berlin 2016, € 19,95

hinter_sibirien_danteperle_danteconnectionMit einer Handvoll Kontaktadressen und viel Neugierde im Gepäck reist die in Moskau geboren und aufgewachsene Katerina Poladjan im Frühjahr 2015 mit ihrem Ehemann Henning Fritsch an die Pazifikküste Russlands. Von dort geht es entlang der chinesischen Grenze durch Transbaikalien zum Baikalsee. Acht (!) Flugstunden von Moskau entfernt herrschen auch im März noch -20 °C und die Welt liegt tiefverschneit (Es sei denn, es ist so schneidend trocken kalt, dass es sogar für Schnee zu kalt ist …). Da braucht es viel heißen Tee und gelegentlich schon mal Hundehaarsocken – oder eben doch ein Eisbad. Die beiden Reisenden erzählen abwechselnd von ihren Erlebnissen und Bekanntschaften – sie als eine Art Heimkehrende, er mit dem Blick des Fremden gänzlich ohne (Sprach)Kenntnisse. Entsprechend unterschiedliche Färbungen haben die jeweiligen Eindrücke. Ähnlich sind sie in ihrem reportagenhaften, leichtfüßigen Stil. Abwechslungsreich wandeln die Berichte zwischen scharfen Gegensätzen, die doch alle zusammen gehören: transsibirische Eisenbahnromantik und sozialer Ausnahmezustand, Parteigläubigkeit, Aberglauben und orthodoxe Kirche, die eine Prawda von früher und die heutigen vielen Wahrheiten, Aufbruchsstimmung und Winterschlaf. (Jana Kühn) Leseprobe

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Alissa Ganijewa: Eine Liebe im Kaukasus

Aus dem Russischen von Christiane Körner, Suhrkamp 2016, 240 S., € 22,-

ganijewa_eine_liebe_im_kaukasus_danteperle_danteconnectionDie Liebe im Kaukasus ist eine komplizierte, selten romantische Angelegenheit. Da wird vermittelt, verhandelt, bezahlt. Familiäre, politische und religiöse Machenschaften spielen eine weit größere Rolle als Gefühle – was nicht heißt, das sich keine Dramen abspielen. Schlussendlich ist die Liebe wohl eher als Heiratsmarkt zu bezeichnen, ähnlich korrumpiert wie alle anderen Lebensbereiche auch. Insofern geht es in diesem Roman weit weniger um die eine Liebe zwischen Patja und Marat, sondern vielmehr um den Hauch an Haltung und Weltoffenheit, den die beiden Mittzwanziger aus Moskau in die kaukasische Heimat bringen und das Durcheinander, was sie damit erzeugen. Alissa Ganijewa hat ein ausgesprochen unterhaltsames, mit absurder Situationskomik gespicktes, dennoch kritisch informatives Gesellschaftsbild einer Region zwischen Tradition und Moderne gezeichnet, die nicht nur an ihren Widersprüchen zu zerbrechen droht.  Auch aufgrund des formidablen Showdowns wärmstens empfohlen! (Jana Kühn) Leseprobe

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Andrej Stasiuk: Der Osten

Aus dem Polnischen von Renate Schmidgall, Suhrkamp 2016, €22,95

27_stasiuk-osten-dante-connection-danteperleAndrej Stasiuk zieht es nach Osten, in die südöstliche Provinz Polens, in die Karpaten, nach Russland und schließlich bis in die Mongolei und  das angrenzende Gebiet Chinas. Er sucht nach den Spuren der Geschichte, lässt sich aber auch leiten vom Klang der Orte, von der Sehnsucht nach Plätzen, in denen die Stille groß ist und weltbewegende Ereignisse sich unter abblätternder Farbe nur noch erahnen lassen. Er schläft auf Berggipfeln und in Jurten oder im einzigen Hotel vor Ort. Oft sind die Städte, in die er gerät, aus der Zeit gefallen und leer, doch sein Blick findet das Bemerkenswerte auch da, wo man es nicht erahnt. Niemand kann so sensibel, und poetisch über Zerfall und Verlorenheit schreiben wie Stasiuk. Man folgt ihm fasziniert ins Niemandsland und kehrt beglückt zurück.  (Syme Sigmund) Leseprobe

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Gaito Gasdanow: Ein Abend bei Claire

Aus dem Russischen von Rosemarie Tietze. Hanser 2014, € 17,90, TB Ausgabe € 9,90

Gasdanow_24471_MR.inddNach “Das Phantom des Alexander Wolf” liegt nun der 1930 erschienene, stark autobiographisch gefärbte Debutroman Gasdanows erstmals auf deutsch vor. Die Liebe zu Claire, die der Autor nach zehn Jahren Trennung im Pariser Exil wiedertrifft, bildet die Rahmenhandlung zur Beschreibung einer Kindheit und Jugend im vorrevolutionären Russland. Der junge Kolja empfindet das Leben als sinnlose Abfolge von Ereignissen und Begegnungen, er tut sich schwer, Erlebnis- und Gedankenwelt, innere und äußere Existenz zu trennen. Der Wunsch seine “eigenartige Taubheit” zu überwinden lässt ihn auf Seiten der weißen Armee in den Krieg ziehen und schließlich auf der Flucht vor den siegreichen Bolschewiki nach Frankreich emigrieren. Kunstvoll erzählt, mit einer – von Rosemarie Tietze wunderbar übersetzten – Sprache großer Tiefe und poetischer Intensität, entfaltet sich dem Leser die illusionslose Sicht auf eine Welt, die aus den Fugen geraten ist. (Syme Falco) Leseprobe