Jella Lepman: Die Kinderbuchbrücke

Hrsg. Christiane Raabe von der Internationalen Jugendbibliothek München unter Mitarbeit von Anna Becchi, Kunstmann 2020, 280 S., € 25,-

Lepman_Jella_Die_Kinderbuchbrücke_Danteperle1945 kehrte die jüdische Journalistin als Angehörige der amerikanischen Armee zurück in das Land, aus dem sie brutal vertrieben worden war. Ihr Auftrag war die „Um-Erziehung“ von Frauen und Kindern. Die Entscheidung, diese Aufgabe im Land der Täter anzunehmen, fiel ihr schwer, aber sobald sie an den Neubeginn mit den Kindern dachte, gab es kein Zurück. Sofort entwickelte sie die Idee einer Internationalen Kinderbuchausstellung, sammelte in den USA Gelder und überzeugte weltweit Kinderbuchverlage, ihre Bücher zu spenden. Es war ein grandioser Erfolg, auf dem sich die energische Mrs. Lepman nicht ausruhte. Stattdessen nahm sie die Wanderausstellung, die die deutschen Kinder und Erwachsenen erstmals mit der Fülle und Vielfalt der Kinderweltliteratur vertraut machte, als ersten Baustein einer internationalen Kinderbibliothek in München, die bis heute enorme Strahlkraft hat.
Wie Jella Lepman im Nachkriegsdeutschland Widerstände und Hindernisse überwand, ist faszinierend zu lesen. Angereichert ist diese prächtige Ausgabe mit aufschlussreichen Hintergrundinformationen und vielen eindrucksvollen Fotografien, u.a. von glücklich in Büchern versunkenen Kindern. Diese Autobiografie einer starken Frau mit einer klaren Vision ist ein Schatz – nicht nur für alle an Kinderliteratur Interessierte. (Stefanie Hetze)

Die Buchpräsentation am 1.10.20 in München

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Hanns Zischler: Das Mädchen mit den Orangenpapieren

Galiani Berlin 2014, € 16,99

59-zischler-orangenpapierEine bayrische Kleinstadt Mitte der 50er Jahre. Das Mädchen Elsa ist mit ihrem Vater aus Dresden hierhergezogen, doch Berge und Dialekt sind ihr fremd, die verstorbene Mutter und der weite Blick über die Elbe fehlen ihr. Die zarten Papierhüllen der noch besonderen Orangen mit ihrer bunten Welt aus exotischen Motiven und Fabelwesen verheißen eine fremde, weniger enge Welt. Leise bahnt sich Freundschaft an, die erste zarte Liebe  – und der Flug in einem Heißluftballon führt wenigstens für ein paar Stunden über die Berge hinaus. Es ist ein feinfühliges Buch der leisen Töne, es passiert nicht viel und doch ist jedes Kapitel ein Kleinod an sprachlicher Eleganz, das uns eine Facette des vor uns sich entfaltenden Bildes schenkt und im Herzen des Lesers seine Spuren hinterlässt, fragil und federleicht wie Orangenpapiere. (Syme Falco) H. Zischler liest aus seinem Buch